Abbatia
Sancti Petri
de Curte

Johannes Cassianus, Von den Einrichtungen der Klöster

Buch II. Die kanonischen Vorschriften über die nächtlichen Gebete und Psalmengesänge

Liber secundus. De canonico nocturnarum orationum et psalmorum modo.Zweites Buch: Die kanonischen Vorschriften über die nächtlichen Gebete und Psalmengesänge.

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I. De canonico nocturnarum orationum et psalmorum modo.

Duplici igitur hoc quo diximus cingulo Christi miles accinctus interim, qui modus canonicarum orationum psalmorumque sit in partibus Orientis a sanctis patribus antiquitus statutus, agnoscat. de qualitate uero earum uel quemadmodum orare secundum apostoli sententiam sine intermissione possimus, suis in locis, cum seniorum conlationes coeperimus exponere, quantum dominus donauerit, proferemus.

1.

Der Streiter Christi, wie erwähnt, mit zweifachem Gürtel umgürtet, soll nun wissen, welche Regeln in Betreff der kanonischen Gebete und Psalmen von den heiligen Vätern von Alters her im Oriente festgestellt worden sind. Ueber die innerliche Beschaffenheit derselben, d. h. über die Art und Weise, wie wir nach der Vorschrift des Apostels ohne Unterlaß beten können, werden wir dann mit Gottes Gnade ausführlich reden, wenn wir seiner Zeit die Besprechungen mit den Vätern aufzuzeichnen unternehmen.

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II. De diuersitate numeri, qui ad decantandos psalmos per uniuersas prouincias sit statutus.

Multos namque per alias conperimus regiones pro captu mentis suae, habentes quidem ut ait apostolus zelum dei, sed non secundum scientiam, super hac re diuersos typos ac regulas sibimet constituisse. quidam enim uicenos seu tricenos psalmos et hos ipsos antiphonarum protelatos melodiis et adiunctione quarundam modulationum debere dici singulis noctibus censuerunt, alii etiam hunc modum excedere temptauerunt, nonnulli decem et octo. atque in hunc modum diuersis in locis diuersum canonem cognouimus institutum totque propemodum typos ac regulas uidimus usurpatas, quot etiam monasteria cellasque conspeximus. sunt quibus in ipsis quoque diurnis orationum officiis, id est tertia, sexta nonaque id uisum est, ut secundum horarum modum, in quibus haec deo redduntur obsequia, psalmorum etiam et orationum putarent numerum coaequandum: nonnullis placuit senarium numerum singulis diei conuentibus deputari. quapropter necessarium reor antiquissimam patrum proferre in medium constitutionem, quae nunc usque per totam Aegyptum a dei famulis custoditur, quo nouelli monasterii in Christo rudis infantia antiquissimorum potius patrum uetustissimis institutionibus inbuatur.

2. Die Anzahl der Psalmen in den verschiedenen Provinzen.

Wir haben in Erfahrung gebracht, daß in verschiedenen Gegenden manche Mönche, welche, wie der Apostel sagt, zwar den Eifer Gottes haben, aber ohne die Einsicht, nach ihrem Verstande der eine diese, der andere jene Regeln aufgestellt haben. Einige sind der Meinung gewesen, man müsse in jeder Nacht zwanzig oder dreissig Psalmen singen und diese noch hinausdehnen durch die Gesänge der Antiphonen und durch das Absingen gewisser anderer Gesangesweisen. Andere haben es versucht, dieses Maß noch zu überschreiten, wieder Andere wollen hiegegen nur achtzehn Psalmen. So bestehen denn, wie wir gesehen haben, an verschiedenen Orten verschiedene Übungen, ja es gibt beinahe ebenso viele Regeln hierüber als Klöster und Zellen. Manche sind sogar der Ansicht, daß in dem Offizium des Tages, nämlich in der Terz, Sext und Non, ebenso viele Psalmen zu singen seien, als die Stunde bezeichnet, in der sie das Gebetsopfer Gott darbringen. Andere wieder wollen bei jeder Gebetsversammlung des Tages sechs Psalmen gebetet wissen. Deßwegen erachte ich es für nothwendig, die ursprüngliche Anordnung der Väter hier auseinander zu setzen, wie sie noch heute in ganz Aegypten von den Dienern Gottes beobachtet wird, damit so das neue Kloster, das noch in seiner Kindheit sich befindet, nur mit den ältesten und ehrwürdigsten Einrichtungen der Väter vertraut gemacht wird.

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III. De uniformis regulae per totam Aegyptum custodia et de electione eorum, qui fratribus praeponuntur.

Itaque per uniuersam Aegyptum et Thebaidem, ubi monasteria non pro uniuscuiusque renuntiantis instituuntur arbitrio, sed per successiones ac traditiones maiorum usque in hodiernum diem uel permanent uel mansura fundantur, legitimum orationum modum in uespertinis conuentibus seu nocturnis uigiliis uidimus retentari. non enim quisquam conuenticulo fratrum, sed ne sibi quidem ipsi praeesse conceditur, priusquam non solum uniuersis facultatibus suis reddatur externus, sed ne sui quidem ipsius esse se dominum uel potestatem habere cognoscat. ita namque renuntiantem huic mundo quibuslibet facultatibus ac diuitiis praeditum necesse est coenobii commorationem expetere, ut in nullo sibi ex his quae reliquit aut intulit monasterio blandiatur, sic oboedire cunctis, ut redeundum sibi secundum sententiam domini ad infantiam pristinam nouerit, nihil sibi consideratione aeui uel annorum numerositate praesumens, quam in saeculo inaniter consumptam se reputat perdidisse, sed pro rudimentorum merito et tirocinii nouitate, quam se gerere in Christi militia recognoscit, subdere se etiam iunioribus non moretur. operis quoque ac sudoris adsuetudinem ita subire conpellitur, ut propriis manibus iuxta apostoli praeceptum cotidianum uictum uel suis usibus uel aduenientum necessitatibus parans et fastus uitae praeteritae possit et delicias obliuisci et humilitatem cordis contritione laboris adquirere. ideoque nullus congregationi fratrum praefuturus eligitur, priusquam idem, qui praeficiendus est, quid obtemperaturis oporteat imperari, oboediendo didicerit, et quid iunioribus tradere debeat, institutis seniorum fuerit adsecutus. bene enim regere uel regi sapientis esse pronuntiant summumque donum et gratiam sancti spiritus esse definiunt. nam neque salutaria praecepta quempiam posse obtemperantibus praestituere nisi eum, qui prius uniuersis uirtutum disciplinis fuerit instructus, nec oboedire quemquam seniori posse nisi eum, qui consummatus timore dei et humilitatis fuerit uirtute perfectus. ideoque diuersitates typorum ac regularum per ceteras prouincias cernimus usurpatas, quod plerumque seniorum institutionis expertes monasteriis praeesse audemus et abbates nos ante quam discipulos professi quod libitum fuerit statuimus, promptiores nostrorum inuentorum exigere custodiam quam examinatam maiorum seruare doctrinam. sed dum orationum modum, qui potissimum debeat custodiri, uolumus explicare, institutis patrum auidius prouocati narrationem, quam suis reseruabamus locis, praepropero excessu praeuenimus. nunc itaque ad propositum reuertamur.

3. Die einmüthige Regel, wie sie in ganz Aegypten beobachtet wird, und die Wahl der Vorgesetzten.

Wir wissen mit Bestimmtheit, daß in ganz Ägypten und der Thebais die einzig richtige Weise in den nächtlichen Versammlungen oder Vigilien zu beten bis jetzt beibehalten wird; denn dort werden die Klöster nicht nach dem Gutdünken eines Jeden, der der Welt entsagen will, eingerichtet, sondern nach den Ueberlieferungen der Vorfahren bestehen sie theils bis heute fort oder werden auf dieser Grundlage errichtet. Es wird dort Keinem zugestanden, einer Genossenschaft von Brüdern, ja nicht einmal sich selbst vorzustehen, bevor er sich nicht bloß aller seiner Güter entäussert, sondern bevor er nicht auch hat einsehen gelernt, daß er nicht mehr über sich selbst Herr ist. Wer dieser Welt entsagen will und wenn er auch noch so viele Reichthümer besitzt, der soll um die Aufnahme in das Kloster so nachsuchen, daß er sich weder auf das, was er zurückließ, noch auf das, was er in’s Kloster gebracht hat, Etwas einbildet; er muß in allen Stücken so gehorsam sein, wie es sich für Jene ziemt, die zum Kindesalter Jesu Christi zurückkehren wollen; er darf Nichts vor den Übrigen voraus haben wollen, weder wegen der Achtung, die er in der Welt genoß, noch wegen der größeren Zahl der Jahre, von denen er denken soll, daß er sie in der Welt vergebens zugebracht und verloren habe. Weil er demnach noch in den Anfängen steht und noch ein Neuling ist im Kriegsdienste, den er für Christus übernommen hat, so soll er kein Bedenken tragen, auch einem Jüngeren sich unterzuordnen. Auch wird Jedem Anleitung gegeben, sich an anstrengende Arbeit zu gewöhnen und nach des Apostels Gebot mit seinen eigenen Händen den täglichen Lebensunterhalt zu verdienen, sowohl für sich selbst, als auch für die Gäste und Fremdlinge, damit er durch die Mühe und Abtödtung, welche die Arbeit mit sich bringt, dahin gelange, die Hoffart und Annehmlichkeiten des vergangenen Lebens zu vergessen und sich die Demuth des Herzens zu erwerben. Deßhalb wird Keiner zum Vorsteher einer Genossenschaft von Brüdern gewählt, der nicht vorher durch Gehorsam das gelernt hat, was er später seinen Untergebenen befehlen muß, und der sich nicht selbst erst durch Belehrung von Seiten der Aelteren Alles angeeignet hat, was er den jüngeren Brüdern wieder überliefern soll. Denn gut Befehlen und gut Gehorchen, das, sagen sie, verrathe Weisheit und sei eine sehr hohe Gabe und eine große Gnade des heiligen Geistes. Niemand könne seinen Untergebenen wahrhaft heilsame Vorschriften ertheilen, wenn er nicht selbst zuvor in allen Zweigen der Tugend unterrichtet sei, und ebenso wenig könne Jemand einem Aelteren gut gehorchen, wenn er nicht in der Furcht Gottes befestigt und in der Tugend der Demuth vollendet sei. Wenn wir darum sehen, daß in anderen Ländern Verschiedenheit in den Regeln und Einrichtungen herrscht, so rührt Dieß daher, daß den Klöstern meist Männer vorstehen, welche die Regel der Väter nicht kennen, und Äbte werden, bevor sie, wie es doch in der Ordnung wäre, sich als Schüler bekannt und bewährt hatten; solche sind eben leichter geneigt, auf die Beobachtung ihrer eigenen Erfindungen zu dringen, als sich einfach an die bewährten Grundsätze der Vorfahren zu halten.

Doch während wir zeigen wollten, welche Gebetsweise festzuhalten sei, haben wir uns im Eifer dazu hinreissen lassen, schon jetzt die Einrichtungen zu behandeln, welche bei den Vätern bestanden, was wir jedoch an einem anderen Orte thun wollten. Kommen wir deßhalb auf unseren eigentlichen Gegenstand wieder zurück!

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IIII. Quod per Aegyptum et Thebaidem duodenarius psalmorum numerus obseruetur.

Igitur per uniuersam ut diximus Aegyptum et Thebaidem duodenarius psalmorum numerus tam in uespertinis quam in nocturnis sollemnitatibus custoditur, ita dumtaxat ut post hunc duae lectiones, ueteris scilicet ac noui testamenti singulae, subsequantur, qui modus antiquitus constitutus idcirco per tot saecula penes cuncta illarum prouinciarum monasteria intemeratus nunc usque perdurat, quia non humana adinuentione statutus a senioribus adfirmatur, sed caelitus angeli magisterio patribus fuisse delatus.

4. Die Zwölfzahl der Psalmen, welche in ganz Aegypten und in der Thebais festgehalten wird.

Durch ganz Ägypten und die Thebais werden, wie bereits bemerkt, sowohl bei der abendlichen als auch bei der nächtlichen Gottesdienstfeier übereinstimmend zwölf Psalmen gesungen, und zwar so, daß darauf zwei Lesungen folgen, eine aus dem alten und eine aus dem neuen Testamente. Diese uralte Einrichtung hat sich deßwegen so lange Zeit hindurch in allen Klöstern dieser Länder unverändert forterhalten, weil sie, nach der Versicherung der Väter, nicht menschliche Erfindung, sondern den Vätern durch einen Engel vom Himmel mitgetheilt worden sei.

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V. De duodenario psalmorum numero angeli traditione suscepto.

Nam cum in primordiis fidei pauci quidem sed probatissimi monachorum nomine censerentur, qui sicut a beatae memoriae euangelista Marco, qui primus Alexandriae urbi pontifex praefuit, normam suscepere uiuendi, non solum illa magnifica retinebant, quae primitus ecclesiam uel credentium turbas in actibus apostolorum legimus celebrasse (multitudinis scilicet credentium erat cor et anima una, nec quisquam eorum quae possidebat aliquid suum esse dicebat, sed erant illis omnia communia. quotquot enim possessores agrorum aut domorum erant, uendentes adferebant pretia eorum quae uendebant et ponebant ante pedes apostolorum: diuidebatur autem singulis prout cuique opus erat), uerum etiam his multo sublimiora cumulauerant. etenim secedentes in secretiora suburbiorum loca agebant uitam tanto abstinentiae rigore districtam, ut etiam his, qui erant religionis externi, stupori esset tam ardua conuersationis eorum professio. eo enim feruore diuinarum scripturarum lectionibus orationique et operi manuum diebus ac noctibus incubabant, ut ne escarum quidem adpetitus uel memoria, nisi alio tertioue die corporis interpellaret inedia, cibumque ac potum non tam desideratum quam necessarium sumerent et ne hunc quidem ante solis occasum, ut tempus lucis cum spiritalium meditationum studiis, curam uero corporis cum nocte sociarent aliaque his multo sublimiora perficerent. de quibus etiam is, qui minus indigenarum relatione cognouit, ecclesiastica historia poterit edoceri. ea igitur tempestate, cum ecclesiae illius primitiuae perfectio penes successores suos adhuc recenti memoria inuiolata duraret feruensque paucorum fides necdum in multitudinem dispersa tepuisset, uenerabiles patres peruigili cura posteris consulentes, quinam modus cotidiano cultui per uniuersum fraternitatis corpus decerni deberet, tractaturi conueniunt, ut hereditatem pietatis ac pacis etiam successoribus suis absolutam ab omni dissensionis lite transmitterent, uerentes scilicet ne qua in cotidianis sollemnitatibus inter uiros eiusdem culturae consortes dissonantia uel uarietas exorta quandoque in posterum erroris uel aemulationis seu schismatis noxii germen emitteret. cumque pro suo unusquisque feruore infirmitatis inmemor alienae id statui debere censeret, quod contemplatione fidei ac roboris sui facillimum iudicabat, parum discutiens quid generaliter plenitudini fratrum possibile esset, in qua necesse est infirmorum quoque partem maximam repperiri, diuersoque modo enormem psalmorum numerum instituere pro animi sui uirtute certarent, et alii quinquagenos, alii sexagenos psalmos, nonnulli uero ne hoc quidem numero contenti excedi eum debere censerent essetque inter eos pro religionis regula piae contentionis sancta diuersitas, ita ut tempus sollemnitatis uespertinae sacratissimae succederet quaestioni, cotidianos orationum ritus uolentibus celebrare unus in medium psalmos domino cantaturus exsurgit. cumque sedentibus cunctis, ut est moris nunc usque in Aegypti partibus, et in psallentis uerba omni cordis intentione defixis undecim psalmos orationum interiectione distinctos contiguis uersibus parili pronuntiatione cantasset, duodecimum sub alleluiae responsione consummans ab uniuersorum oculis repente subtractus quaestioni pariter et caerimoniis finem inposuit.

5. Die Zwölfzahl der Psalmen rührt von einem Engel her.

Die wenigen, aber sehr erprobten Männer, welche im Anfange des Christenthums unter dem Namen „Mönche“ begriffen wurden, und welche unter Andern vom Evangelisten Markus seligen Andenkens, dem ersten Bischofe von Alexandrien, eine Regel erhielten, haben nicht bloß jene großmüthigen Dinge beibehalten, welche, wie in der Apostelgeschichte zu lesen, Anfangs die Kirche, d. h. die Menge der Gläubigen, zu thun gewohnt war, sondern sie gingen darüber noch hinaus und übten noch Höheres. Sie zogen sich nämlich in die entlegeneren Vorstädte zurück und führten ein Leben voll so großer Strenge und Abtödtung, daß sogar Diejenigen, welche nicht der christlichen Religion angehörten, über eine so rauhe Lebensweise mit Staunen erfüllt wurden. Denn mit einem so glühenden Eifer widmeten sie sich Tag und Nacht der Lesung der heiligen Schriften, dem Gebete und der Handarbeit, daß sie nicht zu essen begehrten, ja nicht einmal daran dachten, ausser um den zweiten oder dritten Tag; alsdann aber nahmen sie Speise und Trank nicht als etwas Ersehntes, sondern als etwas zum Leben Nothwendiges, und Dieß thaten sie nicht eher, als kurz vor Sonnenuntergang, um so den Tag ganz der Betrachtung und Uebung geistiger Dinge zu widmen und die Sorge für den Leib nur der Nacht vorzubehalten. Ausserdem aber übten sie noch weit größere Vollkommenheiten, als wie hier erzählt wird; darüber kann sich Jeder, der nicht weiter in persönlichen Beziehungen zu den Mönchen gestanden, durch die Kirchengeschichte belehren lassen.

Zu jener Zeit nun, als die Vollkommenheit der ersten Kirche bei den Nachfolgern jener heiligen Männer noch in frischem Andenken stand und unversehrt fortdauerte, und als der lebendige, feurige Glaube sich noch nicht im ganzen Volke verbreitet hatte und darum noch nicht lau geworden war, da kamen einst die ehrwürdigen Väter, beseelt von lebhafter Sorge für die Nachfolgenden, zusammen, um sich zu verständigen, welche Regel für die tägliche Lebensweise in der klösterlichen Gemeinschaft festzustellen sei, um so ihren Nachfolgern ein Erbe der Liebe und des Friedens zu hinterlassen, aus dem jede Erörterung gegentheiliger Meinungen ausgeschlossen wäre. Sie befürchteten nämlich, es möchten verschiedene Ansichten, welche über die täglichen Gottesdienstfeierlichkeiten unter Männern derselben Lebensweise entstünden, einst die Veranlassung zu Irrthümern, Eifersucht oder gar Spaltungen werden. Während nun ein Jeder nach Maßgabe seines Eifers und fremder Schwäche uneingedenk Vorschläge machte, welche er in Anbetracht seines Glaubens und seiner Stärke für sehr leicht ausführbar hielt, erwog man nicht hinlänglich, was für die große Masse der Brüder, in der sich nothwendig immer auch eine große Anzahl von Schwachen befindet, möglich ist. So überboten sie sich denn gegenseitig im Gefühle ihrer Seelenstärke, eine sehr große Anzahl von Psalmen aufzustellen; die Einen stimmten für fünfzig, die Anderen für sechzig, wieder Andere, mit dieser Zahl nicht einmal zufrieden, glaubten noch weiter gehen zu müssen, und es entstand bei der Aufstellung der Ordensregel gewissermaßen ein heiliger Wettstreit, welcher sich bis zur Zeit der gemeinschaftlichen Abendandacht hinzog. Sie schickten sich nun an, die gewöhnlichen Gebete zu verrichten. Einer von ihnen erhob sich und trat in die Mitte, um dem Herrn Psalmen zu singen; alle Übrigen saßen (wie es jetzt noch in Aegypten Sitte ist) und hielten ihre Herzen mit der größten Andacht auf die Worte des Vorsängers gerichtet. Als dieser nun eilf durch eingeschobene Gebete von einander getrennte Psalmen, und zwar einen Vers nach dem andern in gleichmäßigem Vortrage, abgesungen und den zwölften durch Hinzufügung von „Alleluja“ beendigt hatte, wurde er plötzlich vor Aller Augen entrückt, und damit war sowohl der Gottesdienst beendigt als auch die streitige Frage erledigt.

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VI. De duodecim orationum consuetudine.

Exhinc uenerabilis patrum senatus, intellegens angeli magisterio congregationibus fratrum generalem canonem non sine dispensatione domini constitutum, decreuit hunc numerum tam in uespertinis quam in nocturnis conuenticulis custodiri. quibus lectiones geminas adiungentes, id est unam ueteris et aliam noui testamenti, tamquam a se eas traditas et uelut extraordinarias uolentibus tantum ac diuinarum scripturarum memoriam possidere adsidua meditatione studentibus addiderunt. in die uero sabbati uel dominico utrasque de nouo recitant testamento, id est unam de apostolo uel actibus apostolorum et aliam de euangeliis. quod etiam totis Quinquagensimae diebus faciunt hi, quibus lectio curae est seu memoria scripturarum.

6. Der Gebrauch der zwölf Orationen.

Weil diese ehrwürdige Versammlung von Vätern demnach durch einen Engel belehrt worden war, daß hiedurch nicht ohne besondere Fügung Gottes eine allgemeine Regel für alle klösterlichen Genossenschaften aufgestellt worden sei, so verordnete sie, daß die Zwölfzahl sowohl bei der abendlichen als auch bei den nächtlichen Gebetsversammlungen beibehalten werde. Hiezu fügten sie noch zwei Lesungen, die eine aus dem alten, die andere aus dem neuen Testamente, aber nur als etwas von ihnen Angeordnetes und Aussergewöhnliches und nur für die, welche es freiwillig thun wollten, und deren besonderes Streben darauf ging, die heiligen Schriften ihrem Gedächtnisse einzuprägen. Am Sabbathe (d. h. am Sonntage) lesen sie beide aus dem neuen Testamente, nämlich die eine aus den apostolischen Briefen oder der Apostelgeschichte, die andere aus den Evangelien. Das Gleiche thun auch an allen Tagen der Quinquagesima Diejenigen, welche dem Lesen oder Auswendiglernen der heiligen Schrift besonders obliegen.

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VII. De disciplina orandi.

Has igitur praedictas orationes hoc modo incipiunt atque consummant, ut finito psalmo non statim ad incuruationem genuum conruant, quemadmodum facimus in hac regione nonnulli, qui necdum bene finito psalmo in orationem procumbere festinamus, ad celeritatem missae quantocius properantes. cuius dum uolumus excedere modum, qui antiquitus a maioribus statutus est, subputantes residuorum psalmorum numerum ad finem tendere perurguemur, de refectione potius lassi corporis cogitantes quam orationis utilitatem et commoda requirentes. apud illos ergo non ita est, sed antequam flectant genua, paulisper orant et stantes in supplicatione maiorem temporis partem expendunt. itaque post haec puncto breuissimo procidentes humi, uelut adorantes tantum diuinam clementiam, summa uelocitate consurgunt ac rursus erecti expansis manibus eodem modo, quo prius stantes orauerant, suis precibus inmorantur. humi namque diutius procumbentem non solum cogitationibus aiunt uerum etiam somno grauius inpugnari. quod etiam nos uerum esse utinam non experimentis et cotidiana consuetudine nosceremus, qui saepenumero hanc eandem incuruationem membrorum non tam orationis quam refectionis obtentu in terram prostrati optamus diutius prolongari. cum autem is, qui orationem collecturus est, e terra surrexerit, omnes pariter eriguntur, ita ut nullus nec antequam inclinetur ille genu flectere nec cum e terra surrexerit remorari praesumat, ne non tam secutus fuisse illius conclusionem, qui precem colligit, quam suam celebrasse credatur.

7. Die Haltung beim Gebet.

Die oben erwähnten Gebete beginnen und schließen sie derart, daß sie nach Beendigung eines Psalmes nicht sogleich zur Kniebeugung gleichsam hinstürzen, wie wir es vielfach in dieser Gegend thun, die wir nach kaum beendigtem Psalm eiligst zum Gebete niederfallen, um so schnell als möglich zum Ende zu gelangen. Während wir auf der einen Seite das von den Vätern ursprünglich festgesetzte Maß des Gebetes überschreiten, eilen wir auf der andern Seite, auf die Zahl der noch übrigen Psalmen schauend, mit Hast zum Schlusse, indem wir mehr auf die Erholung unseres müden Leibes als auf den Nutzen und die Vortheile des Gebetes bedacht sind. Bei Jenen ist Dieß nicht so, sondern bevor sie die Kniee beugen, beten sie ein wenig für sich und bringen dann längere Zeit stehend in lautem Gebete zu; hierauf machen sie eine kurze Kniebeugung, wie um die göttliche Barmherzigkeit anzubeten, stehen dann sofort wieder auf und verharren sodann wiederum stehend und mit ausgebreiteten Armen, wie auch vorher, in noch inständigerem (leisen) Gebete. Sie behaupten nämlich, wer längere Zeit am Boden kniee, der werde nicht bloß durch zerstreuende Gedanken, sondern auch durch Schlaf angefochten. Auch wir wissen, daß Dieß wahr ist; wüßten wir es nur nicht aus eigener Erfahrung und täglicher Gewohnheit, wir, die wir, zu Boden gestreckt, diese gebeugte Lage des Körpers häufig nicht so sehr des Gebetes als der Bequemlichkeit wegen allzu lange einzunehmen wünschen! — Wenn aber Derjenige, welcher das Gebet laut vorbetet, von der Erde aufsteht, so erheben sich sofort Alle; Keiner kniet nieder, bevor Jener das Knie beugt, und Keiner wagt einen Augenblick zu zögern, wenn Jener sich vom Boden erhebt, und es hat den Anschein, nicht als ob sie sich im Gebete nach dem, der vorbetet, richteten, sondern als ob Jeder nur sein eigenes Gebet verrichtete.

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VIII. De subsequente oratione post psalmum.

Illud etiam quod in hac prouincia uidimus, ut uno cantante in clausula psalmi omnes adstantes concinant cum clamore 'gloria patri et filio et spiritui sancto', nusquam per omnem Orientem audiuimus, sed cum omnium silentio ab eo, qui cantat, finito psalmo orationem succedere, hac uero glorificatione trinitatis tantummodo solere antiphona terminari.

8. Die auf den Psalm folgende Oration.

Jenen Gebrauch, den wir in dieser Gegend gefunden haben, daß, während Einer den Psalm bis zu Ende singt, die Andern sich sodann alle erheben und laut im Chore singen: Ehre fei dem Vater u. s. w., den haben wir im ganzen Morgenlande nirgends angetroffen; dort wird vielmehr von dem Vorsänger am Ende eines jeden Psalmes, während alle Übrigen schweigen, eine Oration gesprochen. Mit dem erwähnten Lobspruch auf die heiligste Dreifaltigkeit pflegen nur die Antiphonen geschlossen zu werden.

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VIIII. De orationis statu, super quo in conlationes seniorum plenior reseruetur instructio.

Et quia nos ad orationum canonicarum modum consequenter institutorum ordo prouexit, quarum pleniorem tractatum licet in conlationes seniorum reseruemus ibidem plenius digesturi, cum de earum qualitate seu iugitate uerbis eorum disserere coeperimus, necessarium tamen reor pro oportunitate loci ac narrationis ipsius, quoniam ita obtulit sese occasio, etiam in praesenti pauca praestringere, ut formantes interim exterioris hominis motus et uelut quaedam nunc orationis fundamenta iacientes minore post haec labore, cum coeperimus de statu interioris hominis disputare, orationum quoque eius fastigia construamus: illud ante omnia prouidentes, ut, si nos ab illa narratione, quam cupimus oportune deo uolente digerere, praeueniens uitae nostrae finis excluserit, uel initia uobis rei praesertim tam necessariae hoc opere relinquamus, quibus pro ardore desiderii totum tardum est, ut, dum nobis huius commorationis tribuuntur indutiae, saltim quasdam tantisper orationum lineas praesignemus, quibus hi uel maxime, qui in coenobiis commorantur, ualeant aliquatenus informari: simul etiam prospicientes his, qui forsitan huic tantummodo occursuri libro ad illum peruenire non poterunt, ut instructione huius erga orationis qualitatem uel ex parte repperiantur inbuti, et quemadmodum sunt de habitu et amictu exterioris hominis instituti, ita etiam, qualiter eum ad offerenda spiritalia sacrificia debeant exhibere, non nesciant. siquidem hi libelli, quos in praesenti cudere domino adiuuante disponimus, ad exterioris hominis obseruantiam et institutionem coenobiorum conpetentius aptabuntur, illi uero ad disciplinam interioris ac perfectionem cordis et anachoretarum uitam atque doctrinam potius pertinebunt.

9. Die Beschaffenheit des Gebetes.

Indem wir die Einrichtungen der Klöster der Reihe nach beschreiben, kommen wir folgerichtig auch an die Art und Weise, wie die kanonischen Tageszeiten verrichtet werden sollen, eine Sache, deren ausführlichere Erörterung wir uns für die „Besprechungen mit den Vätern“ vorbehalten wollen; denn alsdann werden wir Dieß erschöpfender auseinandersetzen, indem wir mit ihren eigenen Worten die Beschaffenheit und beständige Übung des Gebetes des Näheren besprechen werden. Da sich indessen hier eine passende Gelegenheit bietet, so halte ich es für geboten, an dieser Stelle Einiges davon zu berühren; denn wenn wir jetzt bei der Beschreibung der Zustände des äusseren Menschen gewissermaßen auch zugleich die Fundamente für das Gebet legen, so werden wir später, wenn wir uns anschicken, den Zustand des inneren Menschen zu besprechen, den Ausbau des Gebetes leichter vollenden können. Vor Allem aber wollen wir dafür Sorge tragen, daß, wenn uns ein vorzeitiges Ende an der Abfassung jener Abhandlung, die wir mit Gottes Hilfe später in Angriff nehmen wollen, verhindern sollte, wir euch wenigstens die Anfangsgründe eines so wichtigen Gegenstandes schon in diesem Werke bieten, euch, denen es bei so vorzüglichem Eifer schon zu lange dauert, bis ihr das Ganze erhaltet. Auf diese Weise werden wir, wenn uns auch noch Ausstand auf dieser Welt gewährt wird, wenigstens einige wenige allgemeine Grundzüge des Gebetes geben, durch welche Diejenigen hauptsächlich, welche in den Klöstern leben, sich einigermaßen zu unterrichten im Stande sind. Dadurch erreichen wir auch, daß Jene, welchen vielleicht nur dieses Büchlein zu Gesichte kommen wird, und die jenes andere nicht haben können, wenigstens zum Theil über die Art und Weise des Gebetes sich belehren können, und daß, nachdem sie über Kleidung und Haltung des äusseren Menschen unterrichtet worden, sie wenigstens darüber nicht ganz in Unkenntniß bleiben, wie sie das geistige Opfer des Gebetes darbringen sollen. Diese Blätter nämlich, welche wir mit Gottes Hilfe gegenwärtig abfassen, sollen mehr auf die äusseren Uebungen und Einrichtungen der klösterlichen Genossenschaften Bezug haben, während jene anderen die Unterweisung im inneren Leben und die Vollkommenheit des Herzens, sowie das Leben und die Lehren der Einsiedler zum Gegenstande haben werden.

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X. Cum quanto silentio et breuitate orationes apud Aegyptios colligantur.

Cum igitur praedictas sollemnitates, quas illi synaxis uocant, celebraturi conueniunt, tantum praebetur a cunctis silentium, ut, cum in unum tam numerosa fratrum multitudo conueniat, praeter illum, qui consurgens psalmum decantat in medio, nullus hominum penitus adesse credatur, ac praecipue cum consummatur oratio: in qua non sputus emittitur, non excreatio obstrepit, non tussis intersonat, non oscitatio somnolenta dissutis malis et hiantibus trahitur, nulli gemitus, nulla suspiria etiam adstantes inpeditura promuntur, non ulla uox absque sacerdotis precem concludentis auditur nisi forte haec, quae per excessum mentis claustra oris effugerit quaeque insensibiliter cordi obrepserit, inmoderato scilicet atque intolerabili spiritus feruore succenso, dum ea, quae ignita mens in semet ipsa non praeualet continere, per ineffabilem quendam gemitum ex intimis pectoris sui conclauibus euaporare conatur. illum uero, qui constitutus in tepore mentis cum clamore supplicat aut aliquid horum quae praediximus e faucibus suis emittit ac praecipue oscitationibus praeuenitur, dupliciter peccare pronuntiant, primo quod orationis suae reus sit, quod eam uidelicet neglegenter offerat, secundo quod indisciplinato strepitu alterius quoque, qui forsitan intentius orare potuit, intercipit sensum. ideoque praecipiunt eam celeri fine concludi, ne forte inmorantibus nobis in ea redundantia quaedam sputi seu flegmatis interrumpat nostrae orationis excessum. et idcirco dum adhuc feruet uelut e faucibus inimici uelociter rapienda est, qui procul dubio, cum sit nobis semper infestus, tunc maxime adsistit infestior, cum contra se offerre nos preces domino uelle peruiderit, cogitationibus seu diuersis umoribus excitatis abducere mentem nostram a supplicationis intentione festinans et per hoc eam tepefacere a coepto feruore contendens. quamobrem utilius censent breues quidem orationes sed creberrimas fieri: illud quidem ut frequentius deum deprecantes iugiter eidem cohaerere possimus, hoc uero ut insidiantis diaboli iacula, quae infligere nobis tunc praecipue cum oramus insistit, succincta breuitate uitemus.

10. Die Stille und Kürze des Gebetes (der Orationen) bei den Aegyptiern.

Wenn sie zu der genannten Gebetsfeier, welche sie „synaxis“ nennen, sich versammeln, so beobachten Alle ein so tiefes Schweigen, daß, während doch die Brüder in einer so zahlreichen Schaar zusammenkommen, man glauben sollte, es sei ausser dem, welcher in der Mitte stehend den Psalm absingt, kein Mensch sonst zugegen. Und Dieß gilt besonders von der Oration, welche den Psalm schließt; hiebei wird kein Speichel ausgeworfen, kein Räuspern gehört, kein Husten, kein schläfriges Aufsperren des Mundes läßt sich vernehmen, als ob Einer zerstreut oder schlecht aufgelegt wäre oder gähnte, kein Seufzer wird ausgestoßen, welcher die Umstehenden etwa stören könnte, keine Stimme ausser der des vorbetenden Priesters wird laut, es sei denn, daß eine solche durch ein Ueberströmen des Geistes dem Munde entflieht und gleichsam unwillkürlich dem Herzen entsteigt, dann nämlich, wenn es von übermäßiger und nicht überwältigender Andachtsglut entzündet ist, so daß aus den verborgenen Tiefen der Brust gleichsam gewaltsam hervorbricht, was die entflammte Seele nicht mehr in sich zu verschließen im Stande ist. Wer aber aus Lauigkeit des Geistes laut betet oder etwas Derartiges, wie oben erwähnt, von sich gibt, von dem behaupten sie, daß er in zweifacher Hinsicht fehle. Er versündige sich erstens an seinem eigenen Gebete, indem er es nämlich Gott nachläßig darbringe. Zweitens störe er auch durch sein unordentliches Geräusch die Andacht der Anderen, welche vielleicht viel inbrünstiger hätten beten können. Daher besteht die Vorschrift, daß das Gebet (die Oration) schnell beendigt werde, damit nicht etwa, wenn man länger in demselben verharre, eine gewisse Lähmung des Geistes eintrete, welche auf den Eifer nachtheilig einwirken könnte. Eben deßhalb soll das Gebet auch, so lange es noch glüht, gleichsam dem Rachen des bösen Feindes entrissen werden. Denn wenn dieser uns auch stets feindlich ist, so ist doch gerade dann seine Wuth um so größer, wenn er sieht, daß wir uns im Gebete gegen ihn zu Gott wenden; er beeilt sich alsdann durch Erregung von zerstreuenden Gedanken und fremdartigen Stimmungen unsern Geist von der Andacht des Gebetes abzuziehen, und gibt sich alle Mühe, die anfängliche Glut des Herzens zu unterdrücken und auszulöschen. Darum hält man kurze, aber häufig wiederholte Gebete für nützlicher; denn wenn man oftmals den Herrn anruft, so bleibt man beständig mit ihm vereinigt. Betet man dabei in gedrängter Kürze, so entgeht man dadurch auch den Nachstellungen des Teufels, der uns gerade dann nachdrücklich zu verfolgen pflegt, wenn wir beten.

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XI. Qua disciplina apud Aegyptios psalmi dicantur.

Et idcirco ne psalmos quidem ipsos, quos in congregatione decantant, continuata student pronuntiatione concludere, sed eos pro numero uersuum duabus uel tribus intercisionibus cum orationum interiectione diuisos distinctim particulatimque consummant. non enim multitudine uersuum, sed mentis intellegentia delectantur, illud tota uirtute sectantes: psallam spiritu, psallam et mente. ideoque utilius habent decem uersus cum rationabili adsignatione cantari, quam totum psalmum cum confusione mentis effundi, quae nonnumquam pronuntiantis festinatione generatur, dum residuorum psalmorum qui decantandi sunt modum numerumque considerans non distinctionem sensuum audientibus studet pandere, sed ad finem synaxeos properat peruenire. denique si quispiam iuniorum uel pro feruore spiritus uel pro eo quod necdum institutus est coeperit modum decantationis excedere, psallentis progressio senioris interciditur plausu, quem dans manu sua in sedili quo sedet cunctos facit ad orationem consurgere, illud omnimodis prouidens, ne quod taedium sedentibus generetur prolixitate psalmorum, qua is qui decantat non modo per se ipsum intellegentiae fructum amittat, sed etiam per illos incidat detrimentum, quos fastidium synaxeos nimietate sua fecit incurrere. illud quoque apud eos omni obseruantia custoditur, ut in responsione alleluiae nullus dicatur psalmus nisi is, qui in titulo suo alleluiae inscriptione praenotatur. praedictum uero duodenarium psalmorum numerum ita diuidunt, ut, si duo fuerint fratres, senos psallant, si tres, quaternos, si quattuor, ternos. quo numero numquam minus in congregatione decantant, ac perinde, quantalibet multitudo conuenerit, numquam amplius psallunt in synaxi quam quattuor fratres.

11. Die Art und Weise, wie die Ägyptier die Psalmen beten.

Darum legen sie auch nicht einmal Werth darauf, diejenigen Psalmen, welche sie gemeinschaftlich absingen, ohne Unterbrechung zu Ende zu bringen, sondern sie theilen dieselben je nach der Anzahl der Verse in drei oder vier Abschnitte, zwischen welche sie Orationen einlegen, und welche sie als ein Ganzes behandeln. Denn sie sehen nicht so sehr auf die Menge der Verse als auf das Verständniß und den Sinn derselben, indem sie vor Allem jenes Wort der Schrift beherzigen: „Ich will singen mit dem Munde, ich will auch singen mit dem Geiste.“ Deßbalb erachten sie es für nützlicher, zehn Verse mit aufmerksamem Verständnisse zu singen, als einen ganzen Psalm mit zerstreutem Geiste herunterzubeten. Die Zerstreuung wird nämlich bisweilen durch die Eile des Vorbetenden erzeugt, wenn dieser im Gedanken an die Länge und Zahl der noch übrigen Psalmen bestrebt ist, nicht langsam und für die Zuhörer verständlich vorzutragen, sondern zum Ende des Gottesdienstes zu eilen. Wenn schließlich einer von den jüngeren Brüdern, sei es aus allzu großem Eifer, sei es, weil er noch nicht gehörig unterrichtet ist, das gewöhnliche Maß des Gesanges überschreitet, so wird er in dieser Ausschreitung dadurch unterbrochen, daß der Vorsteher mit der Hand auf seinen Stuhl schlägt, worauf alle zur Verrichtung der Oration sich erheben. Hiedurch soll verhütet werden, daß in denen, die sitzen, durch die große Ausdehnung der Psalmen Ueberdruß erregt werde; denn durch das zu lange Hinausdehnen würde der Vorsänger durch seine eigene Schuld die Frucht des Verständnisses verlieren, und ebenso würde er Jenen Schaden zufügen, denen er durch das Hinausziehen des Gottesdienstes Ueberdruß an demselben erregte.

Strenge wird bei ihnen auch beobachtet, daß kein Psalm mit der Antwort „Alleluja“ geschlossen wird, welcher nicht auch mit diesem Titel „Alleluja“ überschrieben ist.

Die zwölf Psalmen vertheilen sie so unter sich, daß, wenn nur zwei Brüder da sind, einer je sechs, wenn drei, einer je vier, und wenn vier, einer je drei singt. Weniger als drei singt Keiner in der Versammlung vor, und wenn darum eine noch so große Menge versammelt ist, so übernehmen niemals mehr als vier Brüder das Amt eines Vorsängers beim heiligen Dienste.

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XII. Cur uno psallente ceteri in synaxi sedeant, uel quali post haec studio per cellas suas usque ad lucem uigilias extendant.

Hunc sane canonicum quem praediximus duodenarium psalmorum numerum tali corporis quiete releuant, ut has easdem congregationum sollemnitates ex more celebrantes absque eo, qui dicturus in medium psalmos surrexerit, cuncti sedilibus humillimis insidentes a uoce psallentis omni cordis intentione dependeant. ita namque ieiuniis et operatione totius diei noctisque lassescunt, ut, nisi huiuscemodi refectione adiuuentur, ne hunc quidem numerum stantes explere praeualeant. nullum etenim tempus ab operis exercitatione uacuum transire concedunt, quia non solum ea, quae diei splendor admittit, omni instantia manibus exercere contendunt, sed etiam illa operationum genera sollicita mente perquirunt, quae ne ipsius quidem noctis densissimae tenebrae ualeant inpedire, credentes se tanto sublimiorem spiritalium contemplationum puritate mentis intuitum quaesituros, quanto deuotius fuerint erga operis studium ac laboris intenti. et idcirco mediocrem canonicarum orationum numerum iudicant diuinitus moderatum, ut ardentioribus fide spatium, quo se uirtutis eorum infatigabilis cursus extenderet, seruaretur, et nihilominus fessis aegrisque corporibus minime gigneretur de nimietate fastidium. ideoque cum fuerint orationum canonicarum functiones ex more finitae, unusquisque ad suam recurrens cellulam, quam aut solus aut cum alio tantum inhabitare permittitur, quem scilicet societas operationis uel discipulatus et disciplinae inbutio copulauit uel certe quem similitudo uirtutum conparem fecit, idem rursus orationum officium uelut peculiare sacrificium studiosius celebrant nec ulterius quisquam eorum in requiem somni resoluitur, donec superueniente diei splendore nocturno operi ac meditationi operatio diurna succedat.

12. Warum die Mönche im Chore sitzen, und wie sie die Nachtwachen bis zum Morgen ausfüllen.

Bei Abbetung der mehrfach genannten zwölf Psalmen gestatten sie ihrem Körper eine kleine Erleichterung in der Art, daß, wenn sie ihre heiligen Gebetsversammlungen in gewöhnlicher Weise abhalten, nur der Vorbetende in der Mitte steht, während alle Übrigen auf ganz niedrigen Stühlen sitzen und der Stimme des Vorbeters mit aller Aufmerksamkeit und Andacht folgen. Denn durch das viele Fasten, sowie durch die angestrengte Arbeit bei Tag und Nacht werden sie so müde, daß sie nicht im Stande wären, auch nur diese zwölf Psalmen stehend zu Ende zu bringen; darum erlauben sie sich diese Bequemlichkeit. Keinen Augenblick lassen sie ohne irgend eine Beschäftigung vorübergehen; sie begnügen sich nicht damit, mit äusserster Anstrengung zu arbeiten, so lange das Tageslicht es gestattet, sondern sie sind mit allem Fleisse darauf bedacht, auch solche Werke zu verrichten, welche die Finsterniß der Nacht nicht zu verhindern vermag; denn sie sind der Ansicht, daß man eine um so erhabenere Stufe der Contemplation und eine um so reinere geistige Anschauung erlange, je anhaltender und eifriger man der Arbeit obliege. Deßhalb sei auch, glauben sie, die Anzahl der kanonischen Gebete durch göttliche Fügung auf ein so geringes Maß beschränkt worden, damit einerseits den Eifrigen Zeit gegeben würde, unermüdlich auf der Bahn der Tugend weiter zu wandeln, und andererseits den Schwachen und Kränklichen kein Ueberdruß erregt werde. Wenn nun die kanonischen Gebete in der gewöhnlichen Weise vollendet sind, so begibt sich ein Jeder in seine Zelle zurück. Eine solche Zelle darf in der Regel nur Einer allein oder höchstens noch mit einem Andern bewohnen, mit dem er entweder dieselbe Arbeit zu verrichten hat, oder den er unterrichten und ins geistliche Leben einführen soll, oder der wenigstens in Gesinnungen und Tugenden ihm ähnlich ist. In die Zelle zurückgekehrt beginnen sie wieder mit noch größerem Eifer zu beten, und zwar aus persönlicher Andacht. Keiner von ihnen denkt daran, sich noch einmal zum Schlafe niederzulegen. So folgt denn, wenn der Morgen anbricht, dem nächtlichen Werke und der nächtlichen Betrachtung das Werk des neuen Tages.

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XIII. Quare post missam nocturnam dormire non oporteat.

Quem laborem praeter illam rationem, qua tota industria adnitentes sacrificium deo de fructu manuum suarum offerre se credunt, duabus ex causis cum omni obseruatione custodiunt. quod nos quoque, si perfectioni studemus, eadem diligentia conuenit obseruare. prima, ne forte purificationem nostram nocturnis psalmis et orationibus adquisitam inuidus inimicus liuens puritati nostrae, cui maxime semper insidiatur et indesinenter infestus est, quadam somni inlusione contaminet. qui post illam satisfactionem, quam pro neglegentiis seu ignorationibus nostris obtulimus, et confessionis nostrae ueniam profusis gemitibus inploratam sollicitius nos, si tempus quietis inuenerit, maculare festinat, tunc praecipue fiduciam nostram deicere atque eneruare contendens, cum feruentius nos ad deum tendere orationum nostrarum puritate peruiderit, ita ut nonnumquam, quos per totum noctis spatium sauciare non potuit, sub illius horae breuissimo tempore dehonestare conetur. secunda uero, quod, tametsi nulla talis uerenda diaboli emergat inlusio, intercedens etiam purus sopor inertiam monacho mox euigilaturo parturiat segnemque torporem inferens menti per totum diei spatium uigorem eius obtundat, illamque hebetet perspicaciam sensus et pinguedinem cordis exhauriat, quae nos possit per totum diem aduersus omnes insidias inimici cautiores robustioresque seruare. quamobrem canonicis uigiliis priuatae ab eis subiunguntur excubiae ac maiore illis obseruatione succedunt, ut et illa purificatio, quae psalmis est et orationibus adquisita, non pereat, et intentior sollicitudo diligentius nos per diem custoditura praeparetur meditatione nocturna.

13. Warum man nach Beendigung der nächtlichen Andacht nicht mehr schlafen soll.

Diese mühevollen Übungen verrichten sie mit aller Gewissenhaftigkeit einmal deßwegen, weil sie glauben, mit allem Eifer das Opfer ihrer guten Werke Gott darbringen zu sollen, dann aber hauptsächlich aus zwei weiteren Gründen; und wenn wir nach Vollkommenheit streben, so sollen wir Dieß wohl beachten. Zunächst soll verhütet werden, daß der böse Feind die durch das nächtliche Gebet erlangte Reinheit des Herzens durch irgend ein Traumbild beflecke; denn dieser ist derselben stets neidisch und stellt vorzugsweise ihr unablässig nach. Wenn wir für unsere Fehler und Nachlässigkeiten Genugthuung dargebracht und unter Thränen und Seufzern durch unser Bekenntniß Verzeihung erlangt haben, so beeilt sich der Feind zur Zeit der Ruhe uns zu beflecken und ist gerade dann vorzüglich bestrebt, unser Gottvertrauen zu erschüttern und zu schwächen, wenn er sieht, daß wir uns mit größerer Glut durch die Reinheit unseres Gebetes zu Gott hinwenden. So versucht er zuweilen Diejenigen, welche er während der ganzen Nacht nicht verwunden konnte, in jener kurzen Stunde ihrer Tugend zu berauben. Der zweite Grund aber liegt darin, daß, wenn auch kein solches Schreckbild des Teufels auftaucht, auch ein reiner Schlaf, der sich einstellt, in dem Mönche, wenn er aufwacht, Trägheit und Schlaffheit des Geistes erzeugt, für den ganzen Tag seine Kraft lähmt, die Schärfe der Sinne abstumpft und ihm jene geistige Salbung raubt, welche ihn den Tag über gegen alle Nachstellungen des Feindes mit Vorsicht und Stärke zu waffnen im Stande ist. Deßhalb lassen sie auf die durch die Regel gebotenen Nachtwachen besondere Wachen von ihrer Seite folgen und beobachten sie mit noch größerer Gewissenhaftigkeit, damit Jene durch die Psalmen und Gebete erlangte Reinheit nicht verloren gehe und zu gleicher Zeit auch die Zerstreuungen des Tages um fo eifriger vermieden werden.

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XIIII. Quemadmodum in cellis suis opus manuum et orationes pariter exerceant.

Et idcirco eas cum adiectione operis exsequuntur, ne uelut otiosis ualeat somnus inrepere. sicut enim nullum ferme ab eis otii tempus excipitur, ita ne meditationi quidem spiritali finis inponitur. nam pariter exercentes corporis animaeque uirtutes exterioris hominis stipendia cum emolumentis interioris exaequant, lubricis motibus cordis et fluctuationi cogitationum instabili operum pondera uelut quandam tenacem atque inmobilem anchoram praefigentes, cui uolubilitas ac peruagatio cordis innexa intra claustra cellae uelut in portu fidissimo ualeat contineri, atque ita spiritali meditationi tantum et custodiae cogitationum intenta non modo ad consensum prauae cuiusque suggestionis peruigilem mentem conruere non sinat, uerum etiam ab omni superflua otiosaque cogitatione custodiat, ita ut, quid ex quo pendeat, haud facile possit a quoquam discerni, id est utrum propter meditationem spiritalem incessabile manuum opus exerceant, an propter operis iugitatem tam praeclarum spiritus profectum scientiaeque lumen adquirant.

14. Wie sie in ihren Zellen Handarbeit mit Gebet verbinden.

Aus diesem Grunde füllen sie diese Nachtwachen mit Arbeit aus, damit nicht wie bei Müßigen der Schlaf sich bei ihnen einschleichen könne. Denn wie sie sich fast keine Zeit zum Ausruhen gestatten, so setzen sie auch der geistigen Betrachtung keine Grenze. Dadurch nämlich, daß sie die Körper- und Geisteskräfte zugleich üben, gleichen sie die Pflichten des äusseren Menschen mit den Anstrengungen des inneren in der Weise aus, daß sie an die flüchtigen Regungen des Herzens und das unstäte Schwanken der Gedanken das Gewicht der Arbeiten wie einen starken und unbeweglichen Anker legen; an diesen heften sie das zerstreute und unstäte Herz und vermögen so dasselbe hinter den Riegel der Zelle wie im sichersten Hafen eingeschlossen zu halten. Und so nur auf die geistige Betrachtung und die Bewachung der Gedanken gerichtet verhütet dieser Anker nicht bloß, daß der wachsame Geist in eine böse Einflüsterung willige, sondern bewahrt ihn auch vor allen überflüssigen und müßigen Gedanken, und man kann nicht leicht entscheiden, woran er befestigt ist, d. h. ob die Mönche wegen der geistlichen Betrachtung unablässig Handarbeit verrichten, oder ob sie wegen fortwährender Arbeit einen so herrlichen Fortschritt des Geistes und das Licht der Erlenntniß sich erwerben.

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XV. Qua lege modestiae post orationum missam unusquisque ad suam cellam redeat, et cui increpationi subdatur is qui aliter fecerit.

Finitis igitur psalmis et cotidiana congregatione, sicut superius memorauimus, absoluta nullus eorum uel ad modicum subsistere aut sermocinari audet cum altero, sed ne per totum quidem diei spatium cellam suam progredi aut deserere opus, quod in ea solitus est exercere, praesumit, nisi forte cum fuerint ad officium necessarii cuiusque operis euocati. quod ita explent foras egressi, ut nulla inter eos sermocinatio penitus conseratur: sed sic unusquisque opus exsequitur iniunctum, ut psalmum uel scripturam quamlibet memoriter recensendo non solum conspirationi noxiae uel consiliis prauis, sed ne otiosis quidem conloquiis ullam copiam uel tempus inpertiat, oris pariter et cordis officio in meditatione spiritali iugiter occupato. summa namque obseruantia custoditur, ne quisquam cum alio ac praecipue iuniores uel ad punctum temporis pariter substitisse aut uspiam secessisse uel manus suas inuicem tenuisse deprehendantur. si qui uero contra huius regulae disciplinam reperti fuerint aliquid ex his quae interdicta sunt admisisse, ut contumaces ac praeuaricatores mandatorum non leuis culpae rei pronuntiati suspicione etiam coniurationis prauique consilii carere non poterunt. quam culpam nisi in unum cunctis fratribus congregatis publica diluerint paenitentia, orationi fratrum nullus eorum interesse permittitur.

15. Die Bescheidenheit gebietet, daß ein Jeder nach Schluß des Gebetes in seine Zelle zurückkehre, und wer anders handelt, setzt sich dem Tadel aus.

Sind die Psalmen zu Ende, und ist die oben erwähnte tägliche Versammlung geschlossen, so wagt es Keiner von ihnen, auch nur kurze Zeit zurückzubleiben oder mit einem Andern zu reden; aber auch den ganzen Tag hindurch erlaubt sich Keiner seine Zelle oder seine Arbeit, die er in derselben zu verrichten gewohnt ist, zu verlassen ausser Jenen, die zur pflichtgemäßen Verrichtung irgend welcher nothwendigen Arbeit aufgefordert worden sind. Wenn sie diese auswärts verrichten, so muß jede Unterredung zwischen ihnen unterbleiben; sie müssen aber das aufgetragene Werk so verrichten, daß sie dabei einen Psalm oder eine Schriftstelle aus dem Gedächtniß hersagen, auf daß nicht nur nicht zu schädlichen Komplotten und sündhaften Plänen, sondern nicht einmal zu müßigen Gesprächen irgendwie Zeit oder Gelegenheit geboten sei, indem Mund und Herz durch die geistliche Betrachtung in gleicher Weise stets beschäftigt sind. Deßhalb wird mit der größten Strenge darauf geachtet, daß Keiner, besonders von den Jüngeren, betroffen werde, wie er mit einem Anderen nur einen Augenblick zusammensteht oder irgend wohin geht oder nur einen Händedruck wechselt. Wenn aber Einer sich irgendwie gegen diese Regel vergangen hat, so wird er als hartnäckiger Uebertreter der Satzungen mit einer schweren Schuld belastet erklärt und kann nicht ohne den Verdacht einer Verschwörung und boshafter Pläne dastehen. Wenn er diese Schuld vor der ganzen Versammlung der Brüder durch öffentliche Buße nicht tilgt, so wird ihm nicht mehr gestattet, an dem Gebete der Brüder Theil zu nehmen.

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XVI. Quod nulli liceat orare cum illo qui fuerit ab oratione suspensus.

Sane si quis pro admisso quolibet delicto fuerit ab oratione suspensus, nullus cum eo prorsus orandi habet licentiam, antequam summissa in terram paenitentia reconciliatio eius et admissi uenia coram fratribus cunctis publice fuerit ab abbate concessa. ob hoc namque tali obseruantia semet ipsos ab orationis eius consortio segregant atque secernunt, quod credunt eum, qui ab oratione suspenditur, secundum apostolum tradi Satanae, et quisquis orationi eius, antequam recipiatur a seniore, inconsiderata pietate permotus communicare praesumpserit, conplicem se damnationis eius efficiat, tradens scilicet semet ipsum uoluntarie Satanae, cui ille pro sui reatus emendatione fuerat deputatus: in eo uel maxime grauius crimen incurrens, quod cum illo se uel confabulationis uel orationis communione miscendo maiorem illi generet insolentiae fomitem et contumaciam delinquentis in peius enutriat. perniciosum namque solacium tribuens cor eius magis magisque faciet indurari nec humiliari eum sinet, ob quod fuerat segregatus, et per hoc uel increpationem senioris non magni pendere uel dissimulanter de satisfactione et uenia cogitare.

16. Keiner darf mit Einem beten, der vom Gebete ausgeschlossen ist.

Ja, wenn Einer für irgend ein Vergehen zeitweilig vom Gebete ausgeschlossen ist, so ist es Keinem gestattet, mit ihm zu beten, bevor nach demüthiger Bußübung seine Wiederaufnahme gewährt und ihm sein Vergehen vor allen Brüdern öffentlich verziehen worden ist. Deßwegen hält man sich mit einer solchen Strenge von der Gemeinschaft seines Gebetes fern, weil man glaubt, Derjenige, welcher vom Gebete ausgeschlossen ist, werde nach dem Worte des Apostels dem Teufel übergeben; und wenn Jemand aus unerleuchteter Frömmigkeit vor der Wiederaufnahme desselben durch den Vorsteher an seinem Gebete Theil zu nehmen sich erlaubt, so mache er sich theilhaftig seiner Verdammniß und überliefere sich selbst dem Satan, dem Jener zum Zwecke der Besserung überliefert worden war; dadurch begehe man einen um so größeren Fehler, weil man durch Gespräche oder gemeinschaftliches Gebet mit demselben ihn in seiner Anmaßung bestärke und in seiner Hartnäckigkeit befestige. Nur zum Verderben gereicht ihm dieser Trost, der nur sein Herz mehr und mehr verhärtet und ihm die Demüthigungen erspart, um derentwillen er von den Übrigen abgesondert war. Daher fruchtet der Tadel des Vorgesetzten wenig bei ihm, und er denkt nicht aufrichtig an Genugthuung und Verzeihung.

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XVII. Quod is, qui ad orationem exsuscitat fratres, hora solita eos debeat commonere.

Is autem, cui religiosi conuentus commonitio uel synaxeos cura committitur, non passim ut libitum est nec prout nocte fuerit expergefactus aut oportunitas eum somni proprii seu insomnii cohortatur, fratres etiam ad cotidianas uigilias exsuscitare praesumit, sed, quamuis eum consuetudo diurna hora solita euigilare conpellat, tamen sollicite frequenterque stellarum cursu praestitutum congregationis tempus explorans ad orationum eos inuitat officium, ne in utroque inueniatur incautus, si uel obpressus somno statutam noctis transgrediatur horam uel eandem dormiturus atque ad somnum festinus anticipet, et non tam officio spiritali uel quieti omnium deseruisse quam requiei suae satisfecisse credatur.

17. Wer zum Gebete ruft, muß die Brüder zur gewohnten Stunde wecken.

Derjenige, welchem die Einladung zur Gebetsversammlung und die Sorge für deren Zusammenberufung übertragen ist, wagt nicht, hie und da, wie es ihm gefällt, oder wie er gerade in der Nacht aufwacht, oder wenn ihn etwa seine Schlaflosigkeit dazu treibt, die Brüder zu den gewöhnlichen Nachtwachen zu wecken, sondern zur gewohnten Zeit erforscht er ängstlich und wiederholt an dem Laufe der Gestirne die zur Versammlung bestimmte Stunde und ladet dann erst die Brüder zur Verrichtung des Gebetes ein. Er sucht dadurch einen zweifachen Fehler zu vermeiden: einmal die festgesetzte Stunde zu verschlafen und sodann dieselbe zu früh anzusagen, um desto bälder wieder dem Schlafe sich überlassen zu können; auf diese Weise würde er weder für den heiligen Dienst, noch für die Ruhe der Brüder, sondern bloß für seine eigene Bequemlichkeit Sorge tragen.

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XVIII. Quod a uespera sabbati usque ad uesperam diei dominici genua non flectantur nec totis diebus Quinquagensimae.

Hoc quoque nosse debemus a uespera sabbati, quae lucescit in diem dominicum, usque in uesperam sequentem apud Aegyptios genua non curuari, sed ne totis quidem Quinquagensimae diebus, nec custodiri in eis ieiuniorum regulam. quarum rerum ratio suo loco in conlationibus seniorum, cum dominus iusserit, exponetur. nunc propositum nobis est causas tantummodo breui narratione percurrere, ne castigatum modum uolumen excedens aut fastidio legentem oneret aut labore.

18. Vom Samstag Abend bis zum Sonntag Abend kniet man nicht.

Auch Das ist noch zu erwähnen, daß vom Samstag Abend, mit welchem gleichsam schon der Sonntag anbricht, bis zum folgenden Abend bei den ägyptischen Mönchen die Kniee nicht gebeugt werden; aber auch an allen Tagen zwischen Ostern und Pfingsten geschieht Dieß nicht, sowie auch an diesen die gewöhnliche Fastenregel nicht beobachtet wird. Den Grund hiefür werde ich in den Collationen seiner Zeit auseinandersetzen. Unsere jetzige Aufgabe ist, die Verhältnisse in kurzer Aufzählung zu berühren, damit das Buch nicht den festgesetzten Umfang überschreite und den Leser mit Überdruß erfülle.

Lateinischer Text: De institutis coenobiorum, hg. von M. Petschenig, Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum 17, Wien 1888, an den Scans überprüft; ohne kritischen Apparat. · Übersetzung von Antonius Abt († 1895), Sämmtliche Schriften des ehrwürdigen Johannes Cassianus, Bd. 1, Bibliothek der Kirchenväter, Kempten, 1879 (Text nach bkv.unifr.ch). Abt übersetzt die Vorrede und die Kapitel X und XI des ersten Buches nicht. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden