Johannes Cassianus, Unterredungen mit den Vätern
Vorrede (Unterredungen XVIII–XXIV)
Praefatio.Vorwort des Johannes Cassianus zu sieben letzten Unterredungen mit den Vätern, welche im Gebiete des jenseitigen Ägyptens wohnten.
Emissis iuuante gratia Christi decem conlationibus patrum, quae exigentibus beatissimis episcopis Helladio ac Leontio utcumque digestae sunt, septem alias beato episcopo et nomine et meritis Honorato, sancto quoque famulo Christi Eucherio dedicaui: totidem et nunc uobis, o sancti fratres Iouiniane, Minerui, Leonti et Theodore, credidi consecrandas. posterior siquidem uestrum illam coenobiorum sanctam atque egregiam disciplinam in prouinciis Gallicanis antiquarum uirtutum districtione fundauit, ceteri uero non solum coenobialem professionem adprime monachos expetere, uerum etiam anachoreticam sitire sublimitatem uestris institutionibus prouocastis. ea namque conlationes istae summorum patrum disputatione contextae sunt et ita in omnibus temperatae, ut utrique professioni, qua non solum occiduas regiones, uerum etiam insulas maximis fratrum cateruis fecistis florere, conueniant: id est ut non solum hi qui adhuc per congregationes laudabili subiectione perdurant, sed etiam illi qui haud longe a uestris coenobiis secedentes anachoretarum sectari gestiunt disciplinam, pro condicione locorum ac status sui mensura plenius instruantur. quibus hoc praecipuum contulit praecedens uestri laboris industria, ut parati iam atque in isdem exercitiis deprehensi facilius praecepta seniorum atque instituta suscipiant, ipsosque in cellulas suas auctores conlationum cum ipsis conlationum uoluminibus recipientes et cotidianis quodammodo cum eis interrogationibus ac responsionibus conloquentes non propriis adinuentionibus arduam istam et incognitam ferme in hac regione adpetant uiam, sed periculosam etiam illic, ubi iam tritissimi calles et innumera praecedentium exempla non desunt, anachoreseos disciplinam illorum potius praeceptis capere consuescant, quos in omnibus et antiqua traditio et longae experientiae instruxit industria.
An Jovinian, Minervius, Leontius und Theodor.
Nachdem ich mit der Gnade Christi die zehn Unterredungen mit den Vätern vollendet hatte, die auf Verlangen der gottseligen Bischöfe Helladius und Leontius wie immer ausgeführt wurden, widmete ich sieben andere dem frommen Bischöfe Honorat und dem hl. Diener Christi Eucherius. Ebensoviel glaubte ich nun euch, o hl. Brüder Jovinian, Minervius, Leontius und Theodor zueignen zu müssen. Hat doch der Letztere von euch die heilige und ausgezeichnete Zucht der Klöster in den gallischen Provinzen mit der Strenge der alten Tugenden begründet; ihr Übrigen aber habt durch eure Unterweisungen die Mönche aufgefordert, nicht nur vor Allem den klösterlichen Beruf anzustreben, sondern auch nach der Erhabenheit des Einsiedlerlebens zu dürsten. Denn diese Unterredungen der größten Väter sind so abgehandelt und zusammengefügt, und so in Allem geordnet, daß sie für beide Berufsarten passen, in welchen ihr nicht nur die abendländischen Gegenden, sondern auch die Inseln durch die größten Brüderschaaren blühen machtet, daß also nicht nur Jene, die noch in lobenswerther Unterwerfung in der Klostergemeinde weilen, sondern auch Jene, welche nicht weit von euern Zellen entfernt die Weise der Anachoreten zu befolgen trachten, je nach den Verhältnissen ihrer Wohnorte und nach dem Maße ihres Zustandes vollständiger unterrichtet werden. Diesen hat der vorausgegangene Eifer eurer Mühe besonders Das eingetragen, daß sie jetzt vorbereitet und in ebendenselben Übungen begriffen leichter die Gebote und Unterweisungen der Altmeister aufnehmen, und mit den Büchern der „Unterredungen“ auch die Verfasser derselben selbst in ihre Zellen einführen, um so gleichsam in täglicher Besprechung durch Frage und Antwort mit ihnen zu verkehren, und nicht nach eigener Erfindung jenen schwierigen und in unserer Gegend fast unbekannten Weg zu suchen, sondern die Übung der Anachorese, die selbst dort gefährlich ist, wo die betretensten Pfade und unzählige Beispiele der Vorgänger vorhanden sind, lieber nach den Anweisungen Jener kennen zu lernen, welche in Allem sowohl die alte Überlieferung als lange Übung und Erfahrung belehrt hat.
Lateinischer Text: Conlationes XXIIII, hg. von M. Petschenig, Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum 13, Wien 1886, an den Scans überprüft; ohne kritischen Apparat. · Übersetzung von Karl Kohlhund († 1883), Sämmtliche Schriften des ehrwürdigen Johannes Cassianus, Bibliothek der Kirchenväter, Kempten, Kösel, 1879. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden