Abbatia
Sancti Petri
de Curte

Johannes Cassianus, Von den Einrichtungen der Klöster

Buch X. Von dem Geiste der Lauheit

Liber decimus. De spiritu acediae.Zehntes Buch: Von dem Geiste der Lauheit.

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I. Quod sextum certamen sit aduersus spiritum acediae, et de natura eius.

Sextum nobis certamen est, quod Graeci ἀκηδίαν uocant, quam nos taedium siue anxietatem cordis possumus nuncupare. adfinis haec tristitiae ac solitariis magis experta et in heremo commorantibus infestior hostis ac frequens, maxime circa horam sextam monachum inquietans, ut quaedam febris ingruens tempore praestituto ardentissimos aestus accessionum suarum solitis ac statutis horis animae inferens aegrotanti. denique nonnulli senum hunc esse pronuntiant meridianum daemonem, qui in psalmo nonagensimo nuncupatur.

1. Einleitung.

Den sechsten Kampf haben wir gegen die Sünde zu bestehen, welche die Griechen ἀκηδία nennen, was wir mit „Überdruß“ oder „Angst des Herzens“ übersetzen können. Sie ist verwandt mit der Betrübniß und hauptsächlich mehr den wandernden Mönchen und Einsiedlern bekannt. Sie tritt für die in der Wüste Lebenden als ein ziemlich heftiger und häufiger Feind auf, der besonders um die sechste Stunde den Mönch beunruhigt und, wie ein zur vorherbestimmten Zeit auftretendes Fieber, die brennendste Glut ihrer Anfälle zur gewohnten und bestimmten Stunde in die kranke Seele schleudert. Ja, einige Greise sagen, es sei der Teufel am Mittag, von dem im neunzigsten Psalm die Rede ist.

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II. Expositio acediae, uel quemadmodum serpat in corde monachi, quaeue inferat menti dispendia.

Qui cum miserabilem obsederit mentem, horrorem loci, cellae fastidium, fratrum quoque, qui cum eo uel eminus commorantur, tamquam neglegentium ac minus spiritalium aspernationem gignit atque contemptum. ad omne quoque opus, quod intra saepta sui cubilis est, facit desidem et inertem: non eum in cellula residere, non operam sinit inpendere lectioni. nihilque se proficere tanto tempore in eadem commorantem crebrius ingemescit nec habere se fructum aliquem spiritalem, donec fuerit illi consortio copulatus, queritur atque suspirat et ab omni se dolet spiritali quaestu inanem in loco uacuumque consistere, utpote qui, cum posset etiam alios regere ac prodesse plurimis, nullum aedificauerit nec quemquam institutione sua doctrinaque lucratus sit. absentia longeque posita magnificat monasteria, loca etiam illa magis ad profectum utilia et saluti congruentiora describit, consortia quoque ibidem fratrum suauia et plena spiritali conuersatione depingit: e contra uniuersa quae habentur in manibus aspera, et non solum aedificationem nullam esse in fratribus, qui morantur in loco, sed ne ipsum quidem uictum corporis absque ingenti labore conquiri. postremo non posse se saluari in eo loco durantem, nisi relicta cella, cum qua sibi, si adhuc in ea fuerit remoratus, pereundum erit, exinde semet ipsum quantocius asportarit. dein lassitudinem corporis cibique esuriem quinta sextaque hora tantam suscitat, ut uelut longo itinere grauissimoque labore confectus sibimet lassusque uideatur, aut quasi refectionem cibi biduano ieiunio triduanoue distulerit. tum praeterea huc illucque anxius circumspectat et nec fratrum sibi quempiam aduentare suspirat, saepiusque egreditur et ingreditur cellam ac solem uelut ad occasum tardius properantem crebrius intuetur, et ita quadam inrationabili mentis confusione uelut taetra subpletur caligine omnique actu spiritali redditur otiosus ac uacuus, ut nulla re alia tantae obpugnationis remedium quam uisitatione fratris cuiuspiam seu somni solius solacio posse aestimet inueniri. deinde honestas idem morbus ac necessarias suggerit salutationes fratribus exhibendas uisitationesque infirmorum uel eminus uel longius positorum: quaedam etiam pia ac religiosa dictat officia, illos uel illas debere parentes inquiri et ad salutandos eos crebrius properari, illam religiosam deuotamque deo feminam, omni praesertim parentum subsidio destitutam, magnum opus esse pietatis frequenter inuisere, ac si quid ei sit necessarium, quae a propriis parentibus neglegitur atque despicitur, sanctissimum procurari, magisque oportere in his operam pietatis inpendi quam infructuosum ac sine ullo profectu in cellula residere.

2. Wie die Lauheit in das Herz des Mönches sich einschleicht und mit welchen Zerstreuungen sie seinen Geist bestürmt.

Hat dieser Geist einmal von der unglücklichen Seele Besitz genommen, so erzeugt er in ihr Schauder gegen den Aufenthaltsort, Überdruß an der Zelle, veranlaßt den Einsiedler, die nur aus der Ferne mit ihm verkehrenden Brüder zu vernachläßigen und zu verachten, als seien sie nachläßig und weniger auf das Geistige gerichtet. Ferner macht dieser Geist der Lauheit den Mönch zu jeder Arbeit innerhalb der Umzäunung seines Schlafgemaches träge und ungeschickt. Denn er läßt ihn nicht in der Zelle bleiben noch Mühe auf die Lesung verwenden und seufzt öfters, daß er Nichts vorwärts bringe, wenn er so lange Zeit in derselben Zelle wohne, und klagt, daß er keine geistige Frucht erziele, solange er an jene Genossenschaft gebunden sei, daß er jedes geistigen Gewinnes entbehre und an diesem Orte unfruchtbar sei. Denn obwohl er auch Andere leiten und gar Vielen nützen könne, habe er noch Niemanden erbaut, und noch Keiner habe aus seiner Unterweisung und Belehrung Nutzen gezogen. Entfernte und weit wegliegende Klöster rühmt er und schildert jene Orte als zum geistigen Fortschritte nützlicher und dem Seelenheile zuträglicher; auch malt er sich die Gemeinschaft mit den dortigen Brüdern als gar lieblich und voll geistlicher Unterhaltung aus. Dagegen sei Alles, was man vor sich habe, unfreundlich, und man finde nicht nur keine Erbauung in den am gegenwärtigen Orte weilenden Brüdern, sondern nicht einmal die Nahrung des Leibes verschaffe man sich ohne übergroße Anstrengung. Zuletzt wähnt er sein Heil zu verlieren, wenn er an diesem Orte bliebe und sich nicht so schnell als möglich aus der Zelle wegbegäbe, in der er bei längerem Aufenthalte zu Grunde gehen würde. Und dann ruft dieser Geist des Überdrusses eine solche körperliche Ermüdung und ein solches Verlangen nach Speise um die sechste oder fünfte Stunde hervor, daß es dem armen Mönche vorkommt, als sei er von einer sehr langen Reise oder einer überaus schweren Arbeit erschöpft und ermüdet, oder als habe er das Essen durch zwei- oder dreitägiges Fasten hinausgeschoben. Dazu blickt er ängstlich bald hierhin, bald dorthin und klagt, daß gar kein Mitbruder zu ihm komme, geht öfter aus der Zelle und wieder hinein und schaut häufig nach der Sonne, als ob sie zu langsam dem Untergange zueile. Und so lagert sich, wie auf die Erde der Nebel, über seinen Geist gewissermaßen eine vernunftlose Verwirrung. Er wird zu jedem frommen Werke träge und unfähig, so daß er in nichts Anderem gegen eine solche Anfechtung ein Schutzmittel zu finden weiß als in dem Besuche eines Bruders und dem einzigen Troste des Schlafes. Dann sucht diese Krankheit ihn zu überzeugen, es erfordere der Anstand, die Brüder zu grüßen und die Kranken in der Ferne und Solche, die schon länger krank liegen, zu besuchen. Auch legt sie gewisse fromme und religiöse Pflichten auf, wie: diese oder jene Verwandten aufzusuchen und öfter hinzueilen, um sie zu begrüßen; jene fromme und gottgeweihte Frau, die jeglichen Schutzes und hauptsächlich des Schutzes ihrer Verwandten beraubt sei, öfters zu besuchen, sei ein großes Werk der Frömmigkeit; und wenn eine solche Frau Etwas nöthig habe, die von den eigenen Eltern vernachläßigt und verachtet werde, so sei es ein sehr frommes Werk, es ihr zu besorgen, und auf diese Angelegenheiten müsse man mehr Mühe und Frömmigkeit verwenden, als fruchtlos und ohne allen Fortschritt in der Zelle sitzen.

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III. Quibus generibus monachum superet acedia.

Agitur itaque infelix anima talibus inimicorum machinis inpetita, donec acediae spiritu uelut ariete ualidissimo fatigata aut in somnum discat concidere aut excussa claustris cellulae suae consolationem inpugnationis huius uisitatione fratris consuescat adquirere, hoc quo utitur ad praesens remedio paulo post acrius infirmanda. frequentius enim aduersarius ac dirius adtemptabit, quem conserto proelio praebiturum comminus sibi terga cognoscit salutemque sibi non de uictoria nec de conflictu, sed de fuga sperare peruidet, donec paulatim protractus e cella actus suae professionis incipiat obliuisci, qui non est alius quam intuitus et contemplatio diuinae illius et excellentis super omnia puritatis, quae non alibi potest nisi in silentio et iugi cellae perseuerantia ac meditatione conquiri, atque ita militiae suae fugitiuus ac desertor Christi miles effectus inplicet se negotiis saecularibus, ei cui se probauit minime placiturus.

3. Was ermöglicht der Lauheit den Sieg über den Mönch?

So ist es um die unglückliche, durch solche Anschläge der Feinde gefangene Seele geschehen, so lange sie von dem Geiste des Ueberdrusses, wie von einem gar starken Widder, ermüdet entweder in den Schlaf sinken lernt oder, aus den Schranken ihrer Zelle geschleudert, bei dieser Anfechtung Trost in dem Besuche eines Mitbruders zu suchen gewohnt ist. Denn gerade das Heilmittel, dessen sie sich für jetzt bedient, wird sie gar bald noch kränker machen. Häufiger nämlich und heftiger wird der Feind Den angreifen, von dem er weiß, daß er schon beim Beginne des Kampfes und von ferne die Flucht ergreifen wird, und den er nicht von dem Siege noch von dem Kampfe, sondern von der Flucht Heil hoffen sieht. Zuletzt läßt sich der Unglückliche nach und nach aus seiner Zelle ziehen und fängt an, seine Standespflichten zu vergessen, die nichts Anderes sind als das geistige Schauen und Betrachten jener himmlischen und über Alles erhabenen Reinheit. Und obwohl er weiß, daß er dieselbe nur in der Stille, durch fortwährendes Verharren in der Zelle und durch Betrachtung erlangen kann, wird er doch schließlich aus einem Streiter Christi ein Fahnenflüchtiger, mischt sich in weltliche Händel und verscherzt das Wohlgefallen Dessen, dem er sich geweiht.

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IIII. Quod acedia excaecet mentem ab omni contemplatione uirtutum.

Huius aegritudinis uniuersa incommoda uno uersiculo beatus Dauid eleganter expressit dormitauit, inquiens, anima mea prae taedio, id est prae acedia. proprie satis non corpus dixit, sed animam dormitasse. uere enim ab omni contemplatione uirtutum et intuitu spiritalium sensuum dormitat anima, quae perturbationis huius telo fuerit sauciata.

4. Der Überdruß verschließt das Auge des Geistes gegen jegliche heilsame Betrachtung.

Alle Nachtheile dieser Krankheit hat schon der heilige David in einem Verse zusammengefaßt: „Es schlief meine Seele vor Ueberdruß“. Sehr eigenthümlich sagt er nicht vom Leibe, sondern von der Seele, daß sie geschlafen habe. Denn in Wahrheit liegt die Seele in einem gegen jegliche tugendhafte Betrachtung und jeglichen Blick des geistigen Auges unempfindlichen Schlafe, wenn sie von dem Pfeile dieser Leidenschaft verwundet ist.

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V. Quod duplex acediae sit inpugnatio.

Itaque Christi uerus athleta, qui agonem perfectionis cupit legitime decertare, hunc quoque morbum de latebris animae suae festinet extrudere, et ita contra hunc quoque nequissimum acediae spiritum utrubique contendat, ut neque somni telo elisus concidat neque de monasterii claustris expulsus quamuis sub praetextu coloris pii fugitiuus abscedat.

5. Ein zweifacher Überdruß zeigt sich im geistigen Kampfe.

Darum muß der wahre Streiter Christi, der den Kampf der Vollkommenheit rechtmäßig kämpfen will, diese Krankheit auch aus den geheimsten Winkeln seiner Seele eiligst vertreiben und gegen diesen nichtswürdigen Geist des Ueberdrusses in diesen beiden Beziehungen kämpfen, daß er weder, von den Pfeilen des Schlafes getroffen, hinsinke noch aus den Schranken des Klosters sich vertreiben lasse und, unter welchem scheinbaren Vorwand es auch immer sein möge, es als Flüchtling verlasse.

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VI. Hi, qui ab acedia coeperint uinci, quatenus conlabuntur.

Quemcumque enim in parte qualibet coeperit superare, aut tamquam inertem et dediticium sibi patietur absque ullo profectu spiritus in cellula commorari aut excussum exinde instabilem de cetero reddet ac uagum, et ad omne opus desidem cellas fratrum iugiter faciet ac monasteria circumire nihilque aliud procurare, quam ubi quoue colore occasionem refectioni futurae ualeat praeparare. mens enim otiosi nihil aliud cogitare nouit quam de escis ac uentre, donec inuenta quandoque sodalitate cuiusdam uiri uel feminae aequali tepore torpentis rebus eorum ac necessitatibus inuoluatur et ita paulatim reddatur noxiis occupationibus inretitus, ut tamquam serpentinis spiris obstrictus numquam deinceps ad perfectionem professionis antiquae se ualeat enodare.

6. Von den verderblichen Wirkungen der Lauheit.

Wen und in welcher Hinsicht auch immer dieser Fehler zu überwinden begonnen hat, den wird er entweder als einen Trägen und Unthätigen ohne allen Fortschritt im geistlichen Leben bei sich in der Zelle zurückhalten oder, wenn er ihn daraus vertrieben, ihn alsdann flüchtig und unstät und zu jeder Arbeit träge machen und ihn veranlassen, beständig die Zellen der Brüder und die Klöster zu besuchen und sich um nichts Anderes zu kümmern, als wo und unter welchem Vorwande er eine Gelegenheit zu einer baldigen Mahlzeit sich verschaffen könne. Denn der Geist des Müßigen weiß an nichts Anderes zu denken als an Essen und den Bauch, bis er einmal die Gesellschaft eines in gleiche Lauheit versunkenen Mannes oder einer Frau gefunden hat, in deren Angelegenheiten und Bedürfnisse er sich eindrängt. So allmählig in sündhafte Beschäftigungen verstrickt wird er gleichsam von Schlangenwindungen umschlungen, aus denen er sich nimmermehr zur ehemaligen Vollkommenheit seines Standes entwirren kann.

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VII. Apostoli testimonia contra spiritum acediae.

Hunc morbum, qui de acediae spiritu nascitur, beatus apostolus ut uerus ac spiritalis medicus uel tunc iam conspiciens serpere uel emersurum spiritu sancto reuelante prospiciens salutaribus praeceptorum suorum medicamentis praeuenire festinat. Thessalonicensibus enim scribens et primo ut peritissimus quidam perfectusque medicus infirmitatem susceptorum blanda lenique uerbi curatione fomentans ac de caritate incipiens eosque in ea parte conlaudans, quousque letale uulnus leniore remedio delenitum deposita tumoris indignatione facilius medicamina austeriora sustineat, ita ait: de caritate autem fraternitatis non necesse habemus scribere uobis: ipsi enim a deo docti estis ut diligatis inuicem: etenim facitis illud in omnes fratres in uniuersa Macedonia. praemisit laudis fomenta lenia, fecit eorum aures ad curam salutaris uerbi placidas et paratas. rursum infert: rogamus autem uos, fratres, ut abundetis magis. adhuc eos blanda uerborum lenitate demulcet, ne forte necdum aptos ad perceptionem perfectae curationis inueniat. quid est quod rogas, apostole, ut in quo abundent magis? scilicet in caritate, de qua superius dixerat: de caritate autem fraternitatis non necesse habemus scribere uobis. et quid necesse est ut dicas eis: rogamus autem uos, ut abundetis magis, qui super hac re ne scribi quidem sibi aliquid indigent? cum praesertim et inferas causam ob quam hoc ipso non egeant, dicens: ipsi enim uos a deo docti estis ut diligatis inuicem, tertium quoque maius adicias, quod non solum a deo docti sint, uerum etiam conpleant opere quae docentur. etenim facitis illud, inquit, non in uno uel duobus, sed in omnes fratres, nec in uestros tantummodo ciues uel notos, sed in uniuersa Macedonia. dic igitur tandem, quid est quod tanto opere haec praemittis? iterum infert: rogamus autem uos, fratres, ut abundetis magis, et uix aliquando in id quod olim moliebatur erumpit: et operam detis ut quieti sitis. dixit primam causam, deinde infert secundam: et ut uestra negotia agatis, tertiam quoque: et operemini manibus uestris, sicut praecepimus uobis, quartam: et ut honeste ambuletis ad eos qui foris sunt, quintam: et nullius aliquid desideretis. ecce illa cunctatio, quam tantis proferre prooemiis differebat, quid in eius pectore parturire agnoscitur? et operam detis ut quieti sitis, id est in uestris cellulis commorantes nec diuersis rumoribus, qui solent otiosorum uotis uel fabulis generari, inquieti effecti aliis quoque inquietudines inferatis. et ut uestra negotia agatis, non curiositate uestra actus mundi uelitis inquirere ac diuersorum conuersationes explorantes operam uestram non erga correctionem uestram seu uirtutum studia, sed ad detractationes fratrum uelitis inpendere. et operemini manibus uestris, sicut praecepimus uobis. cur illa fierent quae monuerat superius ne agerent, id est ne inquieti essent uel aliena curarent negotia uel inhoneste ambularent ad eos qui foris sunt uel alterius aliquid desiderarent, nunc intulit dicens: et operemini manibus uestris, sicut praecepimus uobis. ut enim fierent illa, quae superius reprehendit, otii causam esse euidenter expressit. nullus enim potest uel inquietus esse uel aliena curare negotia, nisi qui operi manuum suarum non adquiescit insistere. quartum quoque intulit morbum, qui ex hoc ipso otio nascitur, id est ut inhoneste non ambulent, dicens: et ut honeste ambuletis ad eos qui foris sunt. numquam potest ne apud eos quidem qui saeculi homines sunt honeste incedere, qui nequaquam claustris cellae et operi manuum suarum inhaerere contentus est, sed necesse est eum inhonestum esse, dum necessaria uictus requirit, adulationi quoque operam dare, nouitates etiam rumorum sectari, causarum fabularumque occasiones conquirere, per quas sibimet ipsi aditum paret ac facultatem, qua diuersorum domos ualeat penetrare. et nullius aliquid desideretis. non potest non alienis donis et muneribus inhiare, qui non delectatur pio quietoque labore operis sui cotidiani uictus parare substantiam. uidetis tot causas, tam graues ac turpes una uitii labe generari. denique hos ipsos, quos in epistula prima molli fouerat palpatione uerborum, qualiter in secunda, uelut qui non profecissent ad remedia leniora, austerioribus quibusdam et causticis medicamentis sanare adgreditur nullaque iam mitium uerborum fomenta praemittit, non illam teneram uocem ac blandam, ut ibi: rogamus autem uos, fratres, sed: denuntiamus uobis, fratres, in nomine domini nostri Iesu Christi, ut subtrahatis uos ab omni fratre ambulante inordinate. ibi rogat, hic denuntiat: in illa blandientis affectus, in hac obtestantis seueritas et minantis. denuntiamus uobis, fratres: quia prius rogantes contempsistis audire, saltim nunc denuntiantibus oboedite. ipsamque denuntiationem non nudo uerbo, sed cum obtestatione nominis domini nostri Iesu Christi terribilem infert, ne forte simplicem uelut humana uoce prolatam rursum contemnerent nec magnopere ducerent obseruandam, statimque ut peritissimus medicus putribus membris, quibus leni medicamento remedium ferre non potuit, mederi spiritalis ferri incisione pertemptat ut subtrahatis uos, inquiens, ab omni fratre ambulante inordinate et non secundum traditionem quam acceperunt a nobis. itaque ab his, qui uacare operi nolunt, iubet subtrahi et uelut membra otii corrupta putredine desecari, ne inertiae morbus uelut letale contagium etiam sanas membrorum partes tabo serpente corrumpat. dicturusque de his, qui operari suis manibus nolunt et panem suum cum silentio manducare, a quibus etiam praecepit subtrahendum, qualibus eos a principio probris inurat adtendite. in primis inordinatos dicit nec secundum suam traditionem ambulare, aliis uerbis contumaces eos, utpote qui nollent iuxta institutionem eius incedere, et inhonestos esse designans, id est non processionis, non uisitationis, non uerbi, non temporis oportunitatem congruam honestamque sectantes. omnibus enim uitiis istis inordinatum quemque necesse est subiacere. et non secundum traditionem quam acceperunt a nobis: et in hoc rebelles eos quodammodo et contemptores notat, qui traditionem, quam acceperunt ab eo, tenere contemnant nec imitari uelint id, quod magistrum non solum uerbo docuisse meminerint sed etiam opere nouerint perfecisse. ipsi enim scitis quemadmodum oporteat imitari nos. inmanem cumulum reprehensionis exaggerat, cum hoc eos adserit non obseruare, quod et memoriae eorum inhaereat et ad imitandum non solum uerbo instruente didicerint, sed etiam exemplo operum prouocante susceperint.

7. Zeugnisse des Apostels über den Geist der Lauheit.

Diese Krankheit, welche aus dem Geiste der Lauheit hervorgeht, sah der heilige Apostel Paulus als wahrer Seelenarzt schon damals heranschleichen, und durch Offenbarung des heiligen Geistes wurde ihm im Voraus gezeigt, wie sie unter den Mönchen emportauchen würde; darum eilte er, ihr durch die heilsamen Arzneien seiner Vorschriften vorzubeugen. Im Briefe an die Thessalonicher pflegte er zuerst, wie ein kundiger und vollendeter Arzt, die Krankheit der Neuaufgenommenen durch die sanfte und milde Heilmethode des Wortes, und mit der Liebe beginnend lobt er sie in diesem Stücke, bis die durch ein sanfteres Mittel gelinderte tödtliche Wunde die Geschwulst der Entrüstung verloren hat und nun leichter strengere Mittel erträgt; denn er schreibt: „Ueber die brüderliche Liebe haben wir nicht nöthig, euch zu schreiben; denn ihr selbst seid von Gott belehrt, euch einander zu lieben. Denn ihr erweiset ja Solches gegen alle Brüder in ganz Macedonien.“ Er schickt die Linderungsmittel des Lobes voraus, macht ihre Ohren zur Heilung durch das heilsame Wort ruhig und bereit. Wiederum sagt er: „Wir bitten euch aber, Brüder, daß ihr darin noch mehr zunehmet.“ Noch schmeichelt er ihnen mit der sanften Linderung der Worte, um sie nicht etwa noch ungeeignet zur Annahme vollkommener Heilung zu finden. Warum bittest du, o Apostel, daß sie darin noch mehr zunehmen sollen, in der Liebe nämlich, von der du oben sagtest: „Ueber die Bruderliebe aber bedarf es nicht, daß wir euch schreiben“? Und was brauchst du zu sagen: „Wir bitten euch aber, daß ihr noch mehr zunehmet,“ da sie nicht einmal nöthig haben, daß ihnen hierüber Etwas geschrieben werde, zumal da du auch den Grund angibst, warum sie dessen nicht bedürfen, indem du sagst: „Denn ihr selbst seid von Gott gelehrt, euch einander zu lieben,“ und als dritten noch stärkeren Grund beifügst, daß sie nicht nur von Gott belehrt seien, sondern auch im Werke diese Lehre bethätigten? Denn ihr erweiset Das ja, sagst du, nicht an einem oder zweien Brüdern, sondern gegen alle Brüder, nicht nur gegen eure Mitbürger und Bekannten, sondern gegen die Brüder in ganz Macedonien. Sag’ also endlich, warum schickst du Dieses so angelegentlich voraus? ― Wieder sagt er: „Wir bitten euch aber, Brüder, daß ihr noch mehr darin zunehmet.“ Und mit Mühe bricht er endlich mit Dem hervor, was er zuvor so sehr milderte: „Und daß ihr euch bemühet, ein ruhiges Leben zu führen.“ Die erste Ursache hat er eben genannt. Nun gibt er die zweite an: „Und daß ihr euren eigenen Geschäften oblieget.“ Auch die dritte: „Und euch nähret mit eurer Hände Arbeit, wie ich euch befohlen habe;“ die vierte: „Daß ihr einen anständigen Wandel führet vor Denen, welche draussen sind;“ die fünfte: „Und daß ihr Niemandes bedürfet.“ Ja, hier erkennt man den Grund jenes Zögerns, das den Apostel veranlaßte, vermittelst solcher einleitenden Bemerkungen Das hinauszuschieben, was er mit Schmerzen in seiner Brust barg. „Und bemühet euch, ein ruhiges Leben zu führen,“ d. h. bleibet in euren Zellen und laßt euch nicht beunruhigen durch verschiedene Gerüchte, welche aus den Wünschen und dem Gerede der Müssiggänger hervorgehen; aber bereitet auch Andern keine Beunruhigungen. „Und daß ihr euren eigenen Geschäften oblieget;“ daß ihr euch nicht aus Neugierde um die Werke der Welt kümmern möget und, indem ihr die Unterhaltungen verschiedener Leute erforschet, eure eigene Thätigkeit auf eure Besserung und die Pflege der Tugend, nicht aber auf die Verleumdung der Brüder richten möget. „Und ernähret euch mit eurer Hände Arbeit, wie ich euch befohlen habe:“ damit nicht Das eintreffe, wovor er oben gewarnt hatte, nämlich damit sie sich nicht der Unruhe überließen und sich um fremde Angelegenheiten kümmerten, noch einen unanständigen Wandel führten vor Denen, welche draussen sind, noch Jemandes bedürften; darum fügt er jetzt noch bei: „und daß ihr arbeitet mit euren Händen, wie ich euch befohlen habe.“ Denn damit bezeichnet er den Müssiggang als die Ursache, weßhalb Das geschehe, was er oben getadelt hat. Keiner nämlich kann weder der Unruhe sich überlassen noch sich um fremde Angelegenheiten kümmern, es sei denn, daß er sich nicht dazu bequeme, bei seiner Hände Arbeit auszuharren. Noch eine vierte Krankheit führt er an, die dem Müssiggange entsproßt, nämlich den ungeziemenden Lebenswandel, indem er sagt: „Und daß ihr einen wohlanständigen Wandel führet vor Denen, welche draussen sind.“ Denn nimmermehr, auch nicht vor Weltleuten kann Derjenige anständig auftreten, der nicht seine Zufriedenheit darin findet, hinter dem Riegel seiner Zelle bei der Arbeit seiner Hände zu verharren; sondern er ist nothwendig jeder Wohlanständigkeit bar, indem er seinen Lebensunterhalt erbettelt. Er befleißt sich auch der Schmeichelei, jagt nach Neuigkeiten, sucht Veranlassungen zu Plaudereien und Erzählungen, durch die er sich Zugang und die Möglichkeit verschafft, in verschiedener Leute Häuser einzudringen. „Und daß ihr Niemandes bedürfet.“ Es kann nicht ausbleiben, daß Der nach Anderer Gaben und Geschenken verlangt, der an der frommen und ruhigen Arbeit seines Handwerkes kein Gefallen findet, wodurch er sich seinen täglichen Lebensunterhalt erwerben soll. ― Seht ihr, wie so viele, so verderbliche und schimpfliche Dinge aus dem Schmutze des Müssiggangs hervorgehen? wie der Apostel gerade Diejenigen, an denen er in seinem ersten Briefe die mildernde und gleichsam streichelnde Heilmethode vermittelst des Wortes versucht hatte, im zweiten Briefe, gleichsam als hätten sie bei leichteren Heilmitteln keine Fortschritte gemacht, gewissermaßen mit schärferen und einschneidenden Mitteln zu heilen sich anschickt? Nun schickt er kein Linderungsmittel sanfter Worte mehr voraus, keine zarten und einschmeichelnden Reden, wie dort: „Wir bitten euch aber, Brüder,“ sondern: „Wir befehlen euch im Namen unsers Herrn Jesu Christi, daß ihr euch fern haltet von jedem Bruder, der einen unordentlichen Wandel führt.“ Dort bittet, hier befiehlt er; dort spricht die Stimme des Liebkosenden, hier der Ernst des Beschwörenden und Drohenden: „Wir gebieten euch, Brüder!“ Weil ihr ehedem auf Bitten zu hören verschmähet habt, so gehorchet jetzt den Befehlen! Und diesen Befehl spricht er jetzt nicht mit nackten Worten aus, sondern begleitet ihn mit der furchtbaren Beschwörung des Namens unsers Herrn Jesu Christi, aus Furcht, sie möchten diesen Befehl als den einfachen Ausspruch eines Menschen wieder verachten und auf seine Vollziehung keinen großen Werth legen. Und wie ein geschickter Arzt schickt er sich alsbald an, die ungesunden Glieder, denen er kein gelindes Heilmittel beibringen konnte, durch die Anwendung des geistigen Messers zu heilen, indem er spricht: „Haltet euch fern von jedem Bruder, der einen unordentlichen Lebenswandel führt und nicht wandelt nach der Ueberlieferung, die sie von uns empfangen haben.“ Er befiehlt also, sich fern zu halten von Denen, die nicht der Arbeit obliegen wollen, und die durch die Fäulniß des Müssiggangs verdorbenen Glieder wegzuschneiden, damit nicht die Krankheit der Trägheit wie eine todbringende Ansteckung auch die gesunden Glieder durch den an sie herandringenden Eiter verderbe. Vernehmet nun, wo er von Denen reden will, welche nicht mit ihren Händen arbeiten und ihr Brod in der Stille essen wollen, und von denen er ebenfalls sich ferne zu halten gebietet, mit welchen Vorwürfen er Diese gleich im Anfang gleichsam brandmarkt! Zuerst nennt er sie ungeordnet und sagt, sie wandelten nicht nach seiner Überlieferung, mit andern Worten: er bezeichnet sie als hartnäckig, da sie nicht nach seiner Unterweisung wandeln wollten, und als unanständig, d. h. als Solche, die weder für einen Ausgang, noch für einen Besuch, noch für ein Gespräch eine passende und geziemende Gelegenheit wahrten. Allen diesen Fehlern unterliegt nothwendig jeder Unordentliche. — „Und nicht nach der Ueberlieferung, die sie von uns empfangen.“ Hiermit brandmarkt er sie gewissermaßen als Empörer und Verächter, da sie die von ihm empfangene Ueberlieferung zu beobachten verschmähten und Das nicht nachahmen wollten, was, wie sie sich erinnerten, ihr Meister nicht bloß gelehrt, sondern auch, wie sie wußten, in der That vollbracht habe. „Denn ihr wisset selbst, wie ihr uns nachahmen sollt.“ Einen unermeßlichen Haufen von Tadel schüttet er auf, indem er behauptet, daß sie Das nicht beobachten, was in ihrem Gedächtnisse eingeprägt sei, und daß sie nicht nur durch das Wort, das sie in der Nachahmung unterweise, gelernt, sondern auch durch die Ermunterung des thatsächlichen Beispieles überkommen hätten.

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VIII. Quod necesse sit inquietum esse eum, qui opere manuum suarum non uult esse contentus.

Quia non inquieti fuimus inter uos. cum se uult inquietum inter eos non fuisse per operis exercitium conprobare, eos qui operari nolunt abunde notat otiositatis uitio inquietos semper exsistere. neque gratis panem manducauimus ab aliquo. per singula uerba increpationis auxesin facit doctor gentium. praedicator euangelii dicit se non gratis panem ab aliquo manducasse, qui nouit dominum praecepisse, ut qui euangelium denuntiant de euangelio uiuant, et rursum: dignus est operarius cibo suo. cum utique non gratis, qui euangelium praedicabat, tam sublime ac spiritale opus exercens cibum sibi dominicae iussionis auctoritate praesumeret, quid nos faciemus, quibus non solum nulla praedicatio uerbi commissa est, sed ne ulla quidem nisi animae nostrae solius cura mandatur? qua fiducia otiosis manibus gratis panem comedere audebimus, quem uas electionis, euangelica sollicitudine et praedicatione constrictus, sine opere manuum comedere non praesumit, sed in labore, inquit, et fatigatione nocte et die operantes, ne quem uestrum grauaremus? adhuc additamenta suae castigationis exaggerat. non enim simpliciter dixit 'non comedimus gratis panem ab aliquo uestrum' et huc usque stetit (poterat enim uideri proprio otiosoque sumptu ac recondita pecunia uel aliorum, licet non istorum, conlatione seu muneribus sustentatus fuisse), sed in labore, inquit, et fatigatione nocte et die operantes, id est nostro opere specialiter sustentati. et hoc, inquit, non pro nostra uoluntate perpetrabamus nec pro delectatione, ut requies et exercitium corporis inuitabat, sed ut necessitas et inopia uictus non sine ingenti fatigatione corporis facere conpellebat. non solum namque per totum diei spatium, sed etiam noctis, quod quieti corporis uidetur indultum, hoc opus manuum pro escae sollicitudine indesinenter urguebam.

8. Unruhig ist nothwendig Jeder, welcher in der Handarbeit keine Befriedigung finden will.

„Wir (der Apostel und seine Begleiter) lebten nicht in Unruhe unter euch.“ Dadurch, daß er gearbeitet, will der Apostel beweisen, daß er kein unruhiges Leben unter ihnen geführt habe. Hiedurch gibt er deutlich zu verstehen, daß Diejenigen, welche nicht arbeiten wollen, in Folge des Müssiggangs stets in Unruhe seien. „Und nicht haben wir umsonst Brod bei Jemandem gegessen.“ Mit jedem einzelnen Worte erweitert der Völkerapostel seine Auslegung. Nicht umsonst habe er Brod bei Jemandem gegessen, sagt der Verkünder des Evangeliums, der doch des Herrn Gebot kennt, daß, wer das Evangelium verkünde, auch von dem Evangelium leben solle, und jenes andere Wort: „Werth ist der Arbeiter seines Unterhaltes.“ Wenn also der Verkündiger des Evangeliums bei der Ausübung eines so erhabenen und geistigen Werkes keinen Anspruch auf freiwillige Spendung des Unterhaltes machte, obwohl er, gestützt auf des Herrn Gebot, es gekonnt hätte: was werden wir thun müssen, die wir nicht mit der Verkündigung des Evangeliums betraut sind, sondern einzig nur für unser Seelenheil besorgt sein sollen? Mit welcher Zuversicht werden wir mit müßigen Händen und umsonst das Brod zu essen wagen, welches das Gefäß der Auserwählung (der heilige Paulus), obwohl mit der Sorge und Predigt des Evangeliums beschäftigt, ohne es mit seiner Hände Arbeit erworben zu haben, nicht zu essen wagt? „Vielmehr unter Anstrengung und Ermüdung,“ sagt er, „waren wir Tag und Nacht thätig, um Keinem von euch lästig zu sein.“ Er treibt seine Züchtigung noch viel weiter. Denn nicht sagt er einfach: „nicht essen wir Brod umsonst von euch,“ um hierbei stehen zu bleiben. Es konnte nämlich den Anschein haben, als habe er von seinen eigenen und zwar nicht durch Arbeit errungenen Mitteln und von verborgenem Gelde oder auch von Beiträgen und Geschenken Anderer, wenn auch nicht gerade dieser Christen gelebt. „Vielmehr unter Anstrengung und Ermüdung,“ sagt er, „waren wir Tag und Nacht thätig,“ d. h. wir lebten im eigentlichen Sinne von unserer Arbeit. Und Das, sagt er, vollbrachten wir nicht nach unserm eigenen Willen und zur Erholung, wie es das Bedürfniß nach Ruhe und die körperliche Anstrengung wünschte, sondern wie die Noth und der Mangel an Lebensmitteln nicht ohne große körperliche Ermüdung uns dazu drängte. Denn nicht nur den ganzen Tag hindurch, sondern auch zur Nachtzeit, die der Ruhe des Leibes gewidmet scheint, betrieben wir unaufhörlich diese Arbeit zur Beschaffung unseres Lebensunterhaltes.

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VIIII. Quod non solum apostolus, sed etiam hi, qui cum illo erant, manibus suis operati sunt.

Nec tamen se solum taliter inter eos conuersatum fuisse testatur, ne forte non magna nec generalis uideretur haec forma, si ipsius tantum traderetur exemplo, sed etiam omnes, qui erant secum ad ministerium euangelii deputati, id est Siluanum et Timotheum, qui haec eadem cum eo scribunt, adserit simili opere laborasse. in eo etiam quod dicit ne quem uestrum grauaremus uerecundiam eis incutit magnam. si enim ille, qui euangelium praedicabat signis illud uirtutibusque conmendans, ne grauaret quempiam, gratis panem manducare non audet, quomodo illi non aestiment se grauare, qui cotidie eum otiosi uacantesque praesumunt?

9. Nicht nur der Apostel, sondern auch seine Begleiter beschäftigten sich mit Handarbeit.

Wie der Apostel bezeugt, führte er nicht allein unter ihnen eine solche Lebensweise; denn wenn es nur durch des Apostels Beispiel überliefert wäre, würde dieses Vorbild nicht so groß und allgemein dastehen. Nein, auch Diejenigen, die mit ihm zum Dienste des Evangeliums bestimmt waren, nämlich Silvanus und Timotheus, die das Obige (im Briefe an die Thessalonicher) mit ihm schreiben, haben nach seiner Versicherung sich gleicher Arbeit unterzogen. Auch dadurch, daß er sagt: „Damit wir Niemandem von euch zur Last fallen,“ flößt er ihnen eine große Ehrfurcht ein. Denn wenn der Verkündiger des Evangeliums, der dasselbe zugleich durch seine Würde und Tugenden empfiehlt, „um Niemandem zur Last zu fallen,“ sein Brod nicht umsonst zu essen wagt, wie sollen Jene sich selbst zu belästigen glauben, die dasselbe täglich trotz Müssiggang und Unthätigkeit beanspruchen?

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X. Quod ob hoc manibus suis apostolus operatus sit, ut nobis operandi praeberet exemplum.

Non quasi non habuerimus potestatem, sed ut nosmet ipsos formam daremus uobis ad imitandum nos. pandit causam cur tantum sibi laboris indixerit: ut, inquit, formam daremus uobis ad imitandum nos, ut, si forte doctrinam uerborum auribus uestris frequenter ingestam obliuioni traderetis, saltim conuersationis exempla sub oculorum fide uobis tradita memoriter retineretis. haud leuis eorum et in hoc reprehensio, cum dicit se nulla alia quam exempli gratia laborem hunc et fatigationem die noctuque corporis exegisse, et eos nihilominus erudiri nolle, propter quos ipse necessitatem non habens tantum sibi fatigationis indixerit. et quidem, inquit, cum haberemus potestatem et paterent nobis facultates omnium uestrum atque substantiae, et utendi eis domini nostri nossem me habere permissum, non sum tamen usus hac potestate, ne, quod a me bene ac licito fieret, aliis otii noxii praeberet exemplum. et idcirco euangelium praedicans meis manibus atque opere malui sustentari, ut uobis quoque uolentibus iter uirtutis incedere uiam perfectionis aperirem et conuersationis formam meo labore praeberem.

10. Der Apostel erwarb sich seinen Unterhalt mit seiner Hände Arbeit, um uns ein Beispiel zu geben.

„Nicht als ob wir keine Macht gehabt hätten, sondern um uns euch als Vorbild hinzustellen, damit ihr uns nachahmt.“ Hiermit legte er die Ursache dar, weßhalb er sich so viele Arbeit auferlegt habe. „Um euch,“ sagt er, „ein Vorbild zu geben, um uns nachzuahmen,“ damit, wenn ihr vielleicht die oft zu euren Ohren gedrungene, vermittelst Worten vorgetragene Lehre vergessen solltet, ihr wenigstens die in unserem Wandel euch vor Augen tretenden Beispiele wohl im Gedächtnisse behalten möget. Kein geringer Tadel für sie liegt auch in der Bemerkung, daß er nur des Beispiels wegen dieser körperlichen Ermüdung und Beschwerde sich Tag und Nacht unterzogen habe, und daß nichtsdestoweniger Jene sich nicht belehren lassen wollten, derentwegen, ohne es nöthig zu haben, er sich zu einer solchen Ermüdung verurtheilte. Ja, sagt er, obwohl wir Macht besaßen und uns euer aller Mittel und Vermögen zu Gebote stand und die Erlaubniß des Herrn, davon Gebrauch zu machen, mir recht wohl bekannt war, habe ich doch diese Gewalt nicht angewandt, damit nicht Das, was von mir in guter und erlaubter Weise geschähe, Andern ein Beispiel sündhaften Müssiggangs böte. Und deßhalb zog ich es vor, bei der Verkündigung des Evangeliums mich mit der Arbeit meiner Hände zu nähren, um auch euch, die ihr die Bahn der Tugend wandeln wollet, den Weg der Vollkommenheit zu bahnen und durch meine beschwerliche Arbeit ein Vorbild gottgefälligen Wandels vor Augen zu stellen.

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XI. Quod non solum exemplo, sed etiam uerbis praedicans monuerit operari.

Sed ne forte tacitus operans et erudire eos uolens exemplis minime illos etiam praeceptorum monitis instruxisse uideretur, infert: nam et cum essemus, inquit, apud uos, hoc denuntiabamus uobis, quoniam, si quis non uult operari, nec manducet. adhuc illorum desidiam, qui scientes eum ut magistrum bonum doctrinae gratia et institutionis obtentu suis manibus operatum imitari contemnunt, et diligentiam cautionemque suam exaggerat, dicens non tantum se hoc illis exemplo tradidisse praesentem, sed etiam uerbis iugiter praedicasse, ut, si quis scilicet non uult operari, nec manducet.

11. Durch sein Beispiel wie durch Worte ermahnt der Apostel zur Arbeit.

Aber damit es nicht den Anschein habe, als wolle er sie bloß durch schweigende Arbeit und durch Beispiele belehren, ohne sie durch Ermahnungen und Vorschriften unterwiesen zu haben, fügt er bei: „Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch Dieß; denn wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.“ Noch mehr hebt er die Trägheit Jener hervor, die ihn zwar als einen guten Lehrer kennen, der nur um der Lehre und Unterweisung willen mit seinen Händen arbeite, ihn aber dennoch nachzuahmen verschmähen. Ebenso betont er seine Sorgfalt und Behutsamkeit, indem er sagt, daß er nicht bloß bei seiner Anwesenheit ihnen dieses Beispiel gegeben, sondern auch stets mit Worten gepredigt habe, daß, wer nicht arbeiten wolle, auch nicht essen solle.

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XII. De eo quod dicit: si quis non uult operari, nec manducet.

Non iam doctoris uel medici utitur ad eos consilio, sed districtione in eos iudiciariae pronuntiationis inuehitur et apostolica potestate resumpta uelut e tribunali in contemptores sententiam dicit: illa nempe potestate, quam cum interminatione scribens ad Corinthios a domino sibi adseruit datam, cum eos in delicto positos praemoneret, ut ante aduentum suum semet ipsos corrigere festinarent, ita praecipiens: rogo uos ne praesens conpellar audere in quosdam potestate illa quae data est mihi in uobis, et iterum: si enim uoluero aliquid gloriari de potestate, quam dedit mihi dominus in aedificatione et non in destructione uestra, non erubescam. illa, inquam, potestate pronuntiat: si quis non uult operari, nec manducet, non gladio carnali eos addicens, sed auctoritate sancti spiritus huius uitae eis interdicens substantiam, ut, si forte poenam futurae mortis minime cogitantes adhuc uelint amore otii exsistere contumaces, saltim necessitate naturali constricti et metu praesentis interitus salutaria praecepta suscipere cogantur.

12. Der Apostel begnügt sich nicht mit der bloßen Mahnung, sondern bringt auch Autorität und Gebot zur Anwendung.

Nun läßt er sich ihnen gegenüber nicht mehr von dem Rathe des Lehrers und Arztes leiten, sondern mit der Strenge eines richterlichen Ausspruches zieht er gegen sie los; und nachdem er die apostolische Gewalt wieder an sich gezogen, spricht er, wie vom Richterstuhle herab, gegen die Verächter seines Wortes das Urtheil aus, und zwar mit jener Gewalt, von der er in seinem drohenden Schreiben an die Korinther behauptet, daß er sie von Gott empfangen, wo er sie, die in Sünden gefallen waren, mahnt, sich vor seiner Ankunft eiligst zu bessern, und folgendes Gebot gibt: „Ich bitte euch, lasset nicht zu, daß ich bei meiner Ankunft gegen Einige vorzugehen gezwungen werde, mit jener Gewalt, die mir über euch gegeben worden ist.“ Und wiederum: „Wenn ich mich in Etwas der Gewalt rühmen sollte, die mir der Herr gegeben hat zu eurer Erbauung, nicht zu eurer Zerstörung, so würde ich mich nicht schämen.“ Mit jener Gewalt, sage ich, befiehlt er: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.“ Dazu verpflichtet er sie nicht mit einem irdischen Schwerte, sondern kraft des Ansehens des heiligen Geistes untersagt er ihnen den Unterhalt dieses Lebens, damit, wenn sie etwa gar nicht an die Strafen des ewigen Todes denken und aus Liebe zum Müssiggang gar noch hartnäckig bleiben sollten, sie, wenigstens durch die Forderung der Natur und die Furcht vor zeitlichem Untergang gezwungen, heilsame Vorschriften anzunehmen sich genöthigt sähen.

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XIII. De eo quod dicit: audiuimus enim inter uos quosdam ambulare inquiete.

Post tantum itaque rigorem euangelicae districtionis nunc causam exponit, cur haec uniuersa praemiserit: audimus enim inter uos quosdam ambulare inquiete, nihil operantes sed curiose agentes. nusquam eos, qui dediti esse operi nolunt, uno tantum morbo corruptos pronuntiare contentus est. in priore namque epistula inordinatos eos appellat nec secundum traditionem ambulare, quam acceperunt ab eo, inquietos etiam esse definit et gratis panem manducare. rursum hic: audimus, inquit, quosdam inter uos ambulare inquiete. et subiungit statim secundum languorem, qui inquietudinis huius est radix: nihil, inquit, operantes, tertium quoque morbum, qui ex isto uelut quidam ramunculus oritur: sed curiose agentes.

13. Über die Worte: „Wir haben gehört, daß Einige unter euch sind, die einen unruhigen Lebenswandel führen“.

Nach einem so strengen evangelischen Richterspruche legt er nunmehr die Ursache dar, weßhalb er Dieß alles vorausgeschickt habe: „Wir haben nämlich gehört, daß Einige unter euch sind, die einen unruhigen Lebenswandel führen, Nichts arbeiten, sondern aus Neugierde handeln.“ Nirgends begnügt er sich, die Arbeitsscheuen als Solche zu bezeichnen, die nur durch eine Krankheit verdorben sind. Denn im ersten Briefe nennt er sie „ungeordnet“ und sagt, sie wandelten nicht nach der Ueberlieferung, die sie von ihm empfangen hätten; auch bezeichnet er sie als „Unruhige“ und sagt, sie äßen ihr Brod umsonst. Wiederum sagt er hier: „Wir haben gehört, daß Einige unter euch einen unruhigen Lebenswandel führen.“ Und er fügt sofort die zweite Krankheit bei, welche die Wurzel dieser Unruhe ist; er sagt: „Die Nichts arbeiten;“ auch die dritte Krankheit, die aus dieser wie ein Zweig hervorwächst: „sondern die aus Neugierde handeln.“

14

XIIII. Quod multa uitia amputet operatio manuum.

Itaque fomiti uitiorum tantorum congruam nunc emendationem conferre festinat, et illa apostolica qua usus fuerat paulo ante deposita potestate iterum ad uiscera pii patris uel clementis reuertitur medici, et uelut filiis susceptisque suis consilio salubri infert remedia sanitatis dicens: his autem qui huiusmodi sunt denuntiamus et obsecramus in domino Iesu, ut cum silentio operantes panem suum manducent. causas tantorum ulcerum, quae de radice otiositatis emergunt, uno operationis salutari praecepto curauit ut peritissimus medicorum, ceteras quoque ualitudines malas eodem cespite pullulantes sciens protinus extinguendas origine morbi principalis exempta.

14. Die Arbeit beseitigt viele Sünden.

Daher beeilt sich der Apostel, jetzt ein dem Zündstoffe so großer Fehler angemessenes Besserungsmittel anzuwenden. Nachdem er die kurz vorher angewandte apostolische Macht niedergelegt, kehrt er wiederum zur Gesinnung eines gütigen Vaters und milden Arztes zurück und reicht den jungen Christen, wie seinen Söhnen und Gästen, vermittelst heilsamen Rathes die Heilmittel zur Gesundheit, indem er spricht: „Denen aber, welche so sind, befehlen wir und beschwören sie im Herrn Jesu, daß sie stille arbeitend ihr Brod essen.“ Die Ursache so großer Geschwüre, welche aus der Wurzel des Müssiggangs emporschießen, heilte er, wie ein kundiger Arzt, ganz allein durch das heilsame Gebot der Arbeit. Denn er weiß, daß die übrigen auf demselben Rasen emporsprossenden Krankheiten alsbald verschwinden müssen, wenn der Ursprung der Hauptkrankheit beseitigt ist.

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XV. De humanitate etiam otiosis et neglegentibus inpertienda.

Nihilominus tamen ut perspicacissimus ac prouidus medicus non solum infirmantum cupit mederi uulneribus, sed etiam sanis, quibus eorum possit perpetua sospitas custodiri, similiter congruentia praecepta commendat dicens: uos autem nolite deficere bene facientes. qui nos, id est uias nostras sectantes exempla uobis tradita operis imitatione conpletis ac nequaquam eorum desidiam inertiamque sectamini, nolite deficere bene facientes, id est humanitatem uestram erga eos, si forte neglexerint obseruare quae diximus, similiter inpertite. ut castigauit illos qui erant infirmi, ne otio dissoluti inquietudini et curiositati operam darent, ita hos qui sani sunt praemonet, ut humanitatem, quam bonis ac malis inpertire domini praecepto iubemur, si forte quidam praui ad sanam doctrinam conuerti noluerint, non abscidant ab eis, sed bene facere et fouere eos tam consolationis et correptionis sermone quam beneficiis solitis et humanitate non desinant.

15. Auch gegen die Müssigen und Nachläßigen muß man die Nächstenliebe üben.

Nichts destoweniger will der heilige Paulus, wie ein überaus scharfsichtiger und besorgter Arzt, nicht bloß die Wunden des Kranken, sondern auch die Gesunden heilen. Um ihre Gesundheit dauernd bewahren zu können, empfiehlt er ihnen auf gleiche Weise entsprechende Vorschriften mit den Worten: „Ihr aber wollet nicht ablassen. Gutes zu thun.“ Ihr, die ihr uns d. i. unserm Wandel folgend den euch hinterlassenen Beispielen durch gleiche Uebung der Arbeit nachkommet und keineswegs der Trägheit und Unthätigkeit Jener folget, „wollet nicht ablassen, Gutes zu thun,“ d. h. eure Nächstenliebe unbeirrt an denselben auszuüben, wenn sie auch vielleicht unsere Worte zu beobachten versäumt haben. — Wie er also Jene, die krank waren, geheilt hat, damit sie nicht, durch Müssiggang erschlafft, der Unruhe und Neugierde sich hingäben, so ermahnt er die Gesunden im Voraus, ihre Nächstenliebe, die wir nach des Herrn Gebot Guten und Bösen erweisen sollen, falls einige Böse sich zur gesunden Lehre bekehren wollten, denselben nicht zu entziehen, sondern nicht aufzuhören, ihnen wohlzuthun und sie zu pflegen sowohl durch tröstende und zurechtweisende Reden, als durch die gewohnten Wohlthaten und Liebe.

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XVI. Quod non odii causa, sed dilectionis eos qui delinquunt corripere debeamus.

Rursum tamen, ne forte hac lenitate prouocati quidam praeceptis eius oboedire contemnant, intermiscet apostolicam seueritatem: quodsi quis non oboedit uerbo nostro per epistulam, hunc notate et nolite commisceri cum illo, ut confundatur. monensque eos pro reuerentia sui et utilitate communi quid oporteat obseruari quaque cautione apostolica mandata custodiant, subiungit confestim patris indulgentissimi lenitatem, et ut filios suos, quem erga praedictos pro caritate fraternitatis affectum debeant retinere, similiter docet: et nolite quasi inimicum existimare, sed corripite ut fratrem. seueritati iudiciariae paternam intermiscuit pietatem et sententiam apostolico rigore prolatam clementi mansuetudine temperauit. nam et notari iubet eum, qui oboedire suis praeceptis contempserit, et cum illo non commisceri: et tamen haec fieri non odii uitio praecepit, sed fraternae dilectionis et eorum emendationis intuitu. nolite, inquit, commisceri cum illo, ut confundatur, ut, qui non est meis praeceptis mitibus emendatus, saltim publica omnium uestrum segregatione confusus ad tramitem salutis incipiat aliquando reuocari.

16. Nicht aus Haß, sondern aus Liebe muß man die Fehlenden zurechtweisen.

Aus Furcht, es möchten Einige durch seine Milde veranlaßt werden, seinen Geboten den Gehorsam zu verweigern, verbindet er wiederum apostolische Strenge mit ihr: „Wenn aber Jemand meinem Worte nicht gehorcht, so gebt ihn mir in einem Briefe an und verkehrt nicht mit ihm, damit er beschämt werde.“ Bei der Ehrfurcht gegen ihn und bei dem Wohle Aller ermahnt er seine Schüler an ihre Pflichten und schärft ihnen ein, mit welcher Behutsamkeit sie die Gebote der Apostel beobachten müssen. Doch mit dieser nachdrücklichen Strenge verbindet er sofort die Milde eines ganz nachsichtigen Vaters und belehrt sie wie Söhne, welche Gesinnungen sie gegen die oben Bezeichneten um der Liebe Christi willen hegen müßten. „Jedoch erachtet ihn nicht als Feind, sondern weiset ihn zurecht als Bruder!“ Mit der Strenge des Richters vereinigte er die Milde des Vaters, und den mit apostolischer Strenge gesprochenen Richterspruch mäßigte er mit gütiger Milde. Denn er befiehlt sogar Denjenigen zu bezeichnen, der seinen Geboten den Gehorsam verweigert habe, und den Umgang mit demselben zu meiden; und doch gebietet er, daß Dieß nicht aus Haß geschehen solle, sondern aus brüderlicher Liebe und zu seiner Besserung. „Gehet nicht mit ihm um,“ sagt er, „damit er beschämt werde“ — auf daß er, wenn er nicht durch meine Gebote sich bessern ließ, wenigstens durch gänzliche öffentliche Abgeschiedenheit von eurer Seite beschämt endlich zum Wege des Heils zurückzukehren beginne.

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XVII. Diuersa testimonia, quibus apostolus praecepit operari debere uel ipse operatus fuisse monstratur.

In epistula quoque ad Ephesios de hoc ipso opere ita praecepit dicens: qui furabatur, iam non furetur, magis autem laboret operando manibus suis quod bonum est, ut habeat unde tribuat necessitatem patientibus. in actibus etiam apostolorum haec eadem non solum docuisse eum, sed etiam opere perfecisse similiter inuenimus. nam cum uenisset Corinthum, alibi se manere non patitur nisi apud Aquilam et Priscillam, eo quod eiusdem artis essent opifices quam ipse erat solitus exercere. ita enim habes: post haec Paulus egressus ab Athenis uenit Corinthum, et inueniens quendam Iudaeum nomine Aquilam, Ponticum genere, et Priscillam uxorem eius, accessit ad eos, eo quod eiusdem esset artis, et manebat cum eis et operabatur: erat enim scenofactoriae artis.

17. Verschiedene Zeugnisse des Apostels, in denen er die Arbeit gebietet und bezeugt, selbst gearbeitet zu haben.

Auch im Briefe an die Ephesier gibt der Apostel ebenfalls bezüglich der Arbeit folgendes Gebot: „Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, vielmehr arbeite er angestrengt mit seinen Händen, was gut ist, damit er habe, wovon er den Nothleidenden mittheilen kann.“ Ähnlich finden wir auch in der Apostelgeschichte, daß er gerade Dasselbe nicht bloß gelehrt, sondern auch thatsächlich vollbracht habe. Denn als er nach Korinth gekommen war, nimmt er nur bei Aquila und Priscilla seinen Aufenthalt, und zwar deßhalb, weil sie in demselben Gewerbe arbeiteten, welches er zu betreiben gewohnt war. Denn so heißt es: „Hierauf verließ Paulus Athen und kam nach Korinth, und als er daselbst einen Juden fand, Namens Aquila, einen Patier von Geburt, und dessen Gattin Priscilla, ging er zu ihnen, weil sie dasselbe Gewerbe betrieben, wohnte bei ihnen und arbeitete. Sie waren nämlich Zeltmacher.“

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XVIII. Quod tantum operatus sit apostolus, quantum non sibi soli, sed etiam his qui cum eo erant posset sufficere.

Dein procedens Miletum et exinde mittens Ephesum conuocansque ad se presbyteros Ephesiorum ecclesiae et dans eis praecepta, quemadmodum regere ecclesiam dei se absente deberent, ait: argentum et aurum nullius concupiui: ipsi scitis quoniam ad ea quae mihi opus erant et his qui mecum sunt ministrauerunt manus istae. omnia ostendi uobis, quia sic laborantes oportet suscipere infirmos ac meminisse uerbi domini Iesu, quoniam ipse dixit: beatius est magis dare quam accipere. graue nobis suae conuersationis reliquit exemplum, cum se non solum id operatum esse testatur, quod necessitatem sui tantummodo corporis expediret, sed etiam quod usibus eorum qui secum erant posset sufficere, his uidelicet qui cotidie necessariis ministeriis occupati nequaquam sibi parare similiter uictum suis manibus occurrebant. et sicut ad Thessalonicenses operatum se dixit, ut illis formam daret ad imitandum eum, et hic tale aliquid intulit dicens: omnia ostendi uobis, quia sic laborantes oportet suscipere infirmos, scilicet uel mente uel corpore, id est ut nostro potius labore sumptuque operis sudore quaesito et non de abundantiae cumulo seu reposita pecunia, sed ne de aliena quidem largitate ac substantia eos reficere festinemus.

18. Soviel arbeitete der Apostel, als es ihm zur Befriedigung seiner und seiner Gefährten Bedürfnisse hinzureichen schien.

Hierauf ging er nach Milet, schickte von da nach Ephesus, berief die Priester der Kirche von Ephesus zu sich, gab ihnen Befehle, wie sie in seiner Abwesenheit die Kirche regieren sollten, und sprach: „Gold und Silber habe ich von Keinem begehrt; ihr selbst wisset, daß Alles, was ich und meine Genossen nöthig hatten, mir diese meine Hände verschafft haben. In Allem habe ich gezeigt, daß man, also arbeitend, sich müsse der Schwachen annehmen und eingedenk sein der Worte des Herrn Jesu, da er selber gesprochen: Seliger ist es zu geben als zu empfangen.“ Ein großes Beispiel gottgefälligen Wandels hinterließ er uns, indem er bezeugt durch seine Arbeit nicht bloß Das erworben zu haben, was zur Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse, sondern auch derer seiner Genossen diente, jener nämlich, die täglich mit nothwendigen Arbeiten beschäftigt keine Gelegenheit fanden, auf gleiche Weise mit ihrer Hände Arbeit dasselbe sich zu verschaffen. Und wie er in seinem (zweiten) Briefe an die Thessalonicher versichert, gearbeitet zu haben, um ihnen ein Vorbild zu geben, das sie nachahmen sollten, so deutet er auch hier etwas Derartiges an, indem spricht: „In Allem habe ich gezeigt, daß man, also arbeitend, sich müsse der Schwachen annehmen,“ nämlich sowohl der leiblich als auch der geistig Schwachen, d. h. daß man lieber mit seiner Arbeit und mit den durch den Schweiß seiner Arbeit erworbenen Mitteln als von dem Haufen des Ueberflusses und von zurückgelegtem Gelde oder gar mit fremder Freigebigkeit und fremdem Gute dieselben unterstützen soll.

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XVIIII. Quemadmodum intellegi debeat: beatius est magis dare quam accipere.

Et hoc ipsum domini dicit esse mandatum. quoniam ipse, inquit, dixit, id est dominus Iesus: beatius est magis dare quam accipere. haec est inpertientis beatior largitas quam accipientis penuria, quae non de pecunia per infidelitatem uel diffidentiam reseruata nec de reconditis auaritiae thesauris inpenditur, sed quae de fructu operis proprii et pio sudore profertur. et idcirco beatius est magis dare quam accipere, quia, cum illius qui accipit hic qui tribuit habeat paupertatem, nihilominus labore proprio non solum suae necessitati sufficientiam, uerum etiam quod tribuat indigenti pia sollicitudine parare festinat, duplici gratia decoratus, quod et perfectam nuditatem Christi uniuersarum rerum suarum abiectione possideat et munificentiam diuitis labore suo exhibeat et affectu, hic quidem honorans deum de suis iustis laboribus et delibans ei de fructibus iustitiae suae: ille uero otii torpore et inertia resolutus indignum se etiam cibo panis apostoli probat sententia, contra eius scilicet interdictum otiosus eum non sine reatu peccati contumaciaeque praesumens.

19. Über den Sinn des Wortes: „Glückseliger ist es zu geben als zu empfangen.“

Und geradezu nennt er Dieß des Herrn Gebot: „Denn,“ sagt er, „er selbst, nämlich der Herr Jesus, sprach: Seliger ist es zu geben als zu empfangen.“ Das heißt: Seliger ist die Freigebigkeit des Schenkenden als der Mangel des Empfangenden, wenn erstere nicht mit Geld, das man aus Unglauben und Mißtrauen zurückgelegt hat, geübt wird, sondern aus der Frucht eigener Arbeit und frommer Anstrengung hervorgeht. Und deßhalb ist es seliger zu geben als zu empfangen; denn obgleich, welcher gibt, die Armuth Desjenigen besitzt, welcher empfängt, so beeilt er sich dennoch, mit der eigenen Arbeit nicht nur seine eigenen Bedürfnisse zu bestreiten, sondern auch Das, was er dem Dürftigen schenkt, mit frommer Besorgniß zu erwerben. Ihn ziert eine doppelte Gnade: erstens, weil er die vollkommene Armuth Christi besitzt, da er sich aller seiner Güter beraubt: zweitens, weil er die Freigebigkeit eines Reichen übt durch seine Arbeit und Gesinnung. Dieser ehrt Gott mit seinem frommen Werke und opfert ihm von den Früchten seiner Gerechtigkeit; Jener aber, in die Erstarrung des Müssiggangs und der Unthätigkeit versunken, erweiset sich nach des Apostels Ausspruch auch der Speise des Brodes unwürdig; denn gegen des Apostels Verbot dem Müssiggange fröhnend kann er ohne Sündenschuld und Schmach auf dieselbe keinen Anspruch machen.

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XX. De fratre desidioso, qui alios egredi de coenobio sollicitabat.

Nouimus fratrem, cuius etiam nomen, si amplius aliquid ex hoc instructionis accederet, proderemus. qui cum in coenobio moraretur eumque necessitas coartaret, ut statutum operis pensum cotidie oeconomo traderet, ne in maiorem operis modum alicuius propensius laborantis tenderetur uel confunderetur exemplo, cum in coenobio quempiam fratrum uidisset ingressum, qui ardore fidei uellet aliquid amplius operis consignare, si clandestinis eum persuasionibus reuocare ab huiusmodi intentione minime potuisset, consiliis prauis ac susurrationibus ad transmigrandum exinde persuadebat: et quo eum facilius asportaret, se quoque iam olim multis ex causis offensum confingebat uelle discedere, si solacium itineris uel comitis repperisset. cumque eum ad consensum occultis obtrectationibus monasterii pellexisset, condicens ei horam qua de monasterio deberet exire uel locum quo se praeueniens expectaret, ipse uelut ilico subsecuturus ibidem subsistebat, illoque iam pro discessus sui uerecundia non audente ad monasterium de quo aufugerat ulterius adgregari, inlex fugae eius in coenobio residebat. hoc unum exemplum de istiusmodi genere hominum pro incipientium cautione posuisse sufficiat, quo pateat euidentius, quanta mala otiositas secundum scripturae sententiam in monachi mente parturiat, uel quemadmodum corrumpant mores bonos conloquia mala.

20. Von einem trägen Bruder, der Andere zum Austritte aus dem Kloster zu verlocken suchte.

Ich kenne einen Bruder, dessen Namen ich auch nennen würde, wenn Dieß zur größeren Belehrung beitragen würde. Als dieser im Kloster weilte und sich genöthigt sah, die ihm aufgegebene Arbeit täglich an den Oekonomen abzuliefern, bemerkte er einen jüngst in’s Kloster eingetretenen Bruder, der, voll Eifer und Vertrauen, sich zu noch mehr Arbeit anheischig machen wollte. Um nun nicht durch dessen Beispiel, da er eifriger arbeitete, zu einem nach größeren Maße von Arbeit gedrängt und beschämt zu werden, suchte er, falls es ihm gar nicht gelingen sollte, ihn durch heimliches Zureden von diesem Vorhaben abzubringen, ihn durch schlechte Rathschlüsse und Einflüsterungen zu überreden, von diesem Orte wegzuwandern. Und um ihn noch leichter zu entfernen, stellte er sich, als wolle auch er wegen ehemaliger vielfältiger Beleidigungen weggehen, wenn er einen tröstenden Begleiter für den Weg gefunden habe. Und als er durch heimliche Verläumdungen des Klosters ihm die Einwilligung entlockt hatte, gab er ihm die Stunde, zu welcher er das Kloster verlassen, und den Ort an, wohin er ihm vorausgehen solle, um ihn zu erwarten, während er selbst dort blieb unter dem Anscheine, als wolle er ihm gleich folgen. Während nun Jener aus Scham nicht mehr in’s Kloster zurückzukehren wagte, aus dem er entflohen war, blieb der Urheber seiner Flucht ruhig im Kloster sitzen. Dieses eine Beispiel von einer solchen Menschenklasse mag hinreichen zur Warnung der Anfänger, auf daß man es noch deutlicher erkenne, wie viele Uebel der Müssiggang nach dem Worte der heiligen Schrift im Herzen des Ordensmannes erzeugt, und wie sehr böse Gesellschaften gute Sitten verderben.

21

XXI. Diuersa testimonia de Salomone contra acedian.

Quod otiositatis uitium etiam sapientissimus Salomon euidentissime notat in multis, ita dicens: qui sectatur otium, replebitur paupertate, uel uisibili scilicet uel inuisibili, qua necesse est otiosum quemque et diuersis uitiis inuolutum teneri et alienum semper exsistere a contemplatione dei uel diuitiis spiritalibus, de quibus beatus apostolus: quia in omnibus, inquit, diuites facti estis in illo, in omni uerbo et in omni scientia. de hac autem otiosi paupertate alibi quoque ita describitur: et uestietur conscissa et pannosa omnis somniculosus. sine dubio enim non merebitur illo incorruptionis uestimento ornari, de quo apostolus praecepit: induite uos dominum Iesum Christum, et iterum: induti lurica iustitiae et caritatis, et de quo etiam dominus ad Hierusalem loquitur per prophetam: exsurge exsurge, Hierusalem, induere uestimentis gloriae tuae, quisque somno otii uel acediae superatus non industriae suae labore, sed inertiae pannis operiri maluerit, quos abscidens de perfecta plenitudine et corpore scripturarum non uestimentum gloriae nec decoris, sed ignominiosum excusationis uelamen suae coaptabit ignauiae. solent enim hi, qui sunt hac segnitie dissoluti, nolentes opere manuum sustentari, quod apostolus indesinenter exercuit uel nobis exercere praecepit, quibusdam uti testimoniis scripturarum, quibus quoddam inertiae suae uelamen inponant, dicentes scriptum esse: operamini non cibum qui perit, sed qui permanet in uitam aeternam, et: meus cibus est ut faciam uoluntatem patris mei. sed haec testimonia panni quidam sunt de solida euangelicae lectionis plenitudine et ad hoc adsuuntur, ut contegant potius ignominiam otiositatis ac uerecundiae nostrae quam ut calefaciant et exornent nos illa pretiosa ueste perfectaque uirtutum, quam in Prouerbiis mulier illa sapiens, quae fortitudine et decore induta est, uel sibi uel uiro suo fecisse describitur: de qua etiam consequenter infertur: fortitudine et decore induta est, et laetata est in diebus nouissimis. de hoc inertiae morbo rursus idem Salomon ita commemorat: uiae nihil operantium stratae sunt spinis, id est illis ac similibus uitiis, quae apostolus in superioribus de otio pullulare praefatus est, et iterum: in desideriis est omnis otiosus, de quibus apostolus commemorat dicens: et nullius aliquid desideretis, et ad extremum: multa enim mala docuit otiositas. quae euidenter apostolus in his quae supra exposuimus enumerauit dicens: nihil operantes sed curiose agentes, huicque uitio subiunxit aliud: et operam detis ut quieti sitis, et deinde: ut uestra negotia agatis, et ut honeste ambuletis ad eos qui foris sunt, et nullius aliquid desideretis. quos etiam inordinatos ac rebelles notat, ab his studiosos quosque segregari praecipiens: ut subtrahatis uos, inquit, ab omni fratre ambulante inordinate et non secundum traditionem quam acceperunt a nobis.

21. Verschiedene Aussprüche Salomons gegen die Trägheit.

Dieses Laster des Müssiggangs brandmarkt vielfach und ganz offen auch der weise König Salomon, indem er spricht: „Wer dem Müssiggange nachgeht, wird mit Armuth erfüllt werden,“ mit leiblicher nämlich und mit geistiger, die jeden Trägen und in verschiedene andere Laster versunkenen Menschen erfassen muß und ihn fernhält von der Betrachtung Gottes und den geistigen Reichthümern, von denen der heilige Apostel sagt: „Denn in Allem wurdet ihr reich in ihm, in jeglichem Worte und jeglicher Erkenntniß.“ Von dieser Armuth des Müssigen aber heißt es auch an einer andern Stelle: „Und es wird bekleidet werden mit einem zerlumpten und zerrissenen Tuche jeder Schläfrige.“ Denn ohne Zweifel wird er nicht mit jenem unversehrten Kleide geschmückt zu werden verdienen, bezüglich dessen der Apostel befiehlt: „Ziehet den Herrn Jesum Christum an;“ und wiederum: „Bekleidet mit dem Panzer der Gerechtigkeit und Liebe,“ und von dem der Herr zu Jerusalem durch den Propheten spricht: „Erhebe dich, erhebe dich, Jerusalem, ziehe an die Kleider deiner Herrlichkeit!“ Wer immer, von dem Schlafe des Müssiggangs und der Trägheit überwältigt, nicht mit dem Werke seines Fleisses, sondern lieber mit den Lumpen der Trägheit sich bedecken will, die er abreißt von der vollkommenen Fülle und dem Leibe der heiligen Schriften, der begehrt nicht das Kleid der Herrlichkeit und Zierde, sondern die schmähliche Hülle der Entschuldigung für seine Trägheit. Denn Diejenigen, welche, durch diese Trägheit erschlafft, sich nicht von der Arbeit ihrer Hände nähren wollen, was doch der Apostel that und uns zu thun befahl, bedienen sich stets einiger Stellen der heiligen Schrift, vermittelst welcher sie einen Schleier über ihre Trägheit werfen, indem sie sagen, es sei geschrieben: „Bemühet euch nicht um eine vergängliche Speise, sondern um jene, die bleibt für’s ewige Leben;“ und: „Meine Speise ist, daß ich den Willen meines Vaters thue.“ Allein Das sind nur einige Lappen von der Fülle des Evangeliums, die man zu diesem Zwecke anlegt, um damit mehr die Schmach seines Müssigganges und seiner Schande zu bedecken, als um sich zu erwärmen und zu schmücken mit jenem kostbaren und vollkommenen Gewande der Tugenden, welches in den Sprichwörtern jene kluge mit Stärke und Ruhm bekleidete Frau nach der dort von ihr entworfenen Schilderung sich und ihrem Manne gemacht hat, von der es auch weiter heißt: „Mit Stärke und Ruhm ist sie bekleidet, und sie freute sich in ihren letzten Tagen.“ ― Dieser Krankheit der Faulheit gedenkt Salomon wiederum in folgender Weise: „Die Wege Derer, welche Nichts thun, sind mit Dornen bestreut,“ d. h. mit jenen und ähnlichen Sünden, welche, wie der Apostel in den angeführten Stellen sagt, aus dem Müssiggange emporsprossen. Und wiederum sagt Salomon: „In Gelüsten ist jeglicher Müssiggänger.“ Diese Gelüste erwähnt der Apostel mit den Worten: „Und daß ihr von Niemandem Etwas begehrt;“ und zuletzt: „Vieles Böse hat der Müssiggang gelehrt.“ Klar hat Dieses der Apostel in unserer obigen Auseinandersetzung also aufgezählt: „Nichts arbeitend, sondern aus Neugierde handelnd.“ An diesen Fehler reihte er noch einen andern: „Und befleisset euch eines ruhigen Lebenswandels;“ und dann: „Verrichtet eure Geschäfte und führet einen wohlanständigen Wandel vor Denen, welche draussen sind, und wollet von Niemandem Etwas begehren!“ Er bezeichnet sie als Ungeordnete und Empörer, indem er allen Fleissigen befiehlt, sich von ihnen zu trennen: „Haltet euch fern,“ sagt er, „von jeglichem Bruder, der einen unordentlichen und der von uns empfangenen Überlieferung nicht entsprechenden Wandel führt!“

22

XXII. Quod per Aegyptum fratres ita suis manibus operantur, ut non solum propriis necessitatibus satisfaciant, sed etiam his qui in carceribus sunt subministrent.

His itaque exemplis per Aegyptum patres eruditi nullo modo otiosos esse monachos ac praecipue iuuenes sinunt, actum cordis et profectum patientiae et humilitatis sedulitate operis metientes, et non solum a nullo quicquam ad usum uictus sui accipere patiuntur, sed etiam de laboribus suis non tantum superuenientes ac peregrinos reficiunt fratres, uerum etiam per loca Libyae, quae sterilitate ac fame laborant, nec non etiam per ciuitates his, qui squalore carcerum contabescunt, inmanem conferentes dirigunt alimoniae uictusque substantiam, de fructu manuum suarum rationabile ac uerum sacrificium domino tali oblatione se offerre credentes.

22. In Ägypten bestreiten die Brüder mit ihrer Handarbeit nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse, sondern reichen auch den Gefangenen im Kerker Lebensmittel.

Durch diese Beispiele belehrt dulden die Väter in Ägypten durchaus keinen Müssiggang unter den Mönchen, besonders unter den jungen; denn sie bemessen das Geistesleben und den Fortschritt in der Geduld und Demuth nach dem Eifer bei der Arbeit. Ferner dulden sie nicht nur nicht, daß man von Jemandem irgend Etwas zu seinem Lebensunterhalte annehme, sondern sie bewirthen sogar von dem Ertrage ihrer Arbeit nicht bloß ankommende und fremde Brüder, sondern sie sammeln sogar große Massen von Lebensmitteln und vertheilen sie in den Ländern Libyens (Afrika’s), die durch Unfruchtbarkeit und Hungersnoth zu leiden haben, sowie in den Städten an die in schmutzigen Kerkern schmachtenden Gefangenen; denn sie glauben durch eine solche Gabe mit der Frucht ihrer Handarbeit dem Herrn ein vernünftiges und wahres Opfer darzubringen.

23

XXIII. Quod otii causa faciat in partibus Occidentis non esse coenobia monachorum.

Hinc est quod in his regionibus nulla uidemus monasteria tanta fratrum celebritate fundata, quia nec operum suorum facultatibus fulciuntur, ut possint in eis iugiter perdurare, et si eis subpeditare quoquo modo ualeat sufficientia uictus alterius largitate, uoluptas tamen otii et peruagatio cordis diutius eos in loco perseuerare non patitur. unde haec est apud Aegyptum ab antiquis patribus sancta sententia, operantem monachum daemone uno pulsari, otiosum uero innumeris spiritibus deuastari.

23. Der Müssiggang ist schuld, daß es im Abendlande fast keine Mönchsklöster gibt.

Daß wir in unsern Ländern keine durch eine so große Anzahl von Brüdern festbegründete Klöster finden, kommt daher, daß die Mönche sich nicht auf den Ertrag ihrer Handarbeit verlassen, um für immer in den Klöstern ausharren zu können, und, wenn auch die durch fremde Freigebigkeit gespendeten Lebensmittel vollständig ausreichen sollten, jedoch die Freude an der Muße und die Zerstreuung des Geistes sie nicht im Kloster ausharren läßt. Aus diesem Grunde ist in den ägyptischen Klöstern folgender von Alters her von den Vätern aufgestellte Grundsatz in Geltung: „Der arbeitende Mönch wird von einem, der müssige aber von unzähligen Teufeln geplagt.“

24

XXIIII. De abbate Paulo, qui singulis annis omne opus manuum suarum igne subposito concremabat.

Denique abba Paulus, probatissimus patrum, cum in heremo uastiore consistens, quae Porphyrio nuncupatur, palmarum fructibus et horto modico securus haberet sufficientem alimoniae suae uictusque substantiam nec posset aliquid aliud unde sustentaretur operis exercere, eo quod ab oppidis uel habitabili terra septem mansionibus uel eo amplius deserti illius separaretur habitatio, plusque expeteretur pro mercede uecturae quam ualere posset pretium operis desudati, conlectis palmarum foliis cotidianum pensum uelut exinde sustentandus a semet ipso iugiter exigebat. eumque opere totius anni antrum eius fuisset impletum, id quod sollicita cura laborauerat annis singulis igne subposito concremabat, in tantum probans sine opere manuum nec in loco posse monachum perdurare nec ad perfectionis culmen aliquando conscendere, ut, cum hoc fieri nequaquam necessitas uictus exigeret, pro sola purgatione cordis et cogitationum soliditate ac perseuerantia cellae uel acediae ipsius uictoria et expugnatione perficeret.

24. Wie der Abt Paulus jedes Jahr seine ganze Arbeit verbrannte.

Schließlich sei noch des Abtes Paulus, des berühmtesten aller Väter erwähnt. Dieser lebte in einer ausgedehnten Wüste mit Namen Porphyrio. Durch Palmenfrucht und ein Gärtchen sicher gestellt besaß er hinreichenden Vorrath an Nahrungs- und Lebensmitteln. Auch konnte er keine andere Arbeit verrichten, um davon zu leben, weil von den Städten und dem bewohnbaren Lande seine Wohnung in der Wüste über sieben Tagreisen entfernt lag und man mehr für die Fracht verlangte, als der Preis für die mühsame Arbeit betragen konnte. Deßhalb sammelte er Palmenblätter, und als ob er davon leben müßte, legte er jeden Tag sich selbst ein bestimmtes Maß von Arbeit auf. Und wenn von der Arbeit des ganzen Jahres seine Grotte angefüllt war, legte er unter den Haufen Laub, um welchen er mit emsiger Sorge sich abgemüht hatte, jedes Jahr Feuer und verbrannte ihn. Sein Streben, zu zeigen, daß ohne Handarbeit ein Mönch weder auf seinem Posten ausharren noch den Gipfel der Vollkommenheit jemals erreichen könne, ging so weit, daß, obwohl das Bedürfniß nach Lebensmitteln die Arbeit gar nicht erforderte, er sie dennoch zur Läuterung des Herzens und Beständigkeit der Gedanken, sowie zum Ausharren in der Zelle und zur Bekämpfung und Besiegung der Trägheit insbesondere vollbrachte.

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XXV. Uerba abbatis Moysi, quae dixerit mihi de remedio acediae.

Cum incipiens in heremo commorari abbati Moysi omnium sanctorum summo dixissem me aegritudine acediae hesterno die grauissime fuisse confectum nec ab ea potuisse alias liberari, nisi ad abbatem Paulum protinus cucurrissem, ille: non te, ait, ab ea liberasti, sed magis ei te dediticium ac subditum praebuisti. grauius enim ut desertorem te ac fugitiuum deinceps aduersarius inpugnabit, quem de conflictu superatum protinus aufugisse conspexit, nisi de cetero commissa congressione non desertione cellae uel somni torpore ingruentes aestus eius ad horam euaporare malueris, sed tolerantia potius et conflictu didiceris triumphare. unde experimento probatum est acediae inpugnationem non declinando fugiendam, sed resistendo superandam.

25. Worte des Abtes Moses, die derselbe über die Mittel gegen die Lauheit an mich richtete.

Als ich einst bei meinem ersten Aufenthalte in der Einöde zu dem Abte Moses, einem der heiligsten Männer, sagte, seit dem Tage vorher habe mich die Krankheit der Lauheit gar heftig erfaßt, und ich habe mich nicht anders davon befreien können, als daß ich sofort zum Abte Paulus geeilt sei, gab derselbe mir zur Antwort: „Nicht hast du dich derselben entledigt, sondern dich derselben noch mehr ergeben und unterworfen erwiesen. Denn als einen Ausreisser und Flüchtling wird der böse Feind dich auch in Zukunft anfechten, da er dich als überwunden aus dem Kampfe sofort entfliehen sah. Darum mußt du bei künftig entbrennendem Kampfe nicht durch das Verlassen deiner Zelle oder die Schlaffheit des Schlafes seine dich bestürmenden Gluthen für den Augenblick verrauchen lassen, sondern vielmehr durch Ausdauer und Kampf triumphiren lernen.“ So lehrt die Erfahrung, daß man den Andrang des Ueberdrusses nicht durch Ausweichen fliehen, sondern durch Widerstand überwinden muß.

Lateinischer Text: De institutis coenobiorum, hg. von M. Petschenig, Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum 17, Wien 1888, an den Scans überprüft; ohne kritischen Apparat. · Übersetzung von Antonius Abt († 1895), Sämmtliche Schriften des ehrwürdigen Johannes Cassianus, Bd. 1, Bibliothek der Kirchenväter, Kempten, 1879 (Text nach bkv.unifr.ch). Abt übersetzt die Vorrede und die Kapitel X und XI des ersten Buches nicht. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden