Abbatia
Sancti Petri
de Curte

Johannes Cassianus, Von den Einrichtungen der Klöster

Buch XI. Von dem Geiste der eitlen Ruhmsucht

Liber undecimus. De spiritu cenodoxiae.Elftes Buch: Von dem Geiste der eitlen Ruhmsucht.

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I. Quod septimum certamen aduersus cenodoxiam sit, et de natura eius.

Septimum nobis certamen est contra spiritum κενοδοξίας, quam nos uanam siue inanem gloriam possumus appellare, multiformem, uarium atque subtilem, ita ut quibuslibet perspicacissimis oculis non dicam caueri sed peruideri deprehendiue uix possit.

1. Einleitung.

Den siebenten Kampf haben wir gegen den Geist der Cenodoxie zu bestehen, welches Wort wir mit „eitler oder nichtiger Ruhmsucht“ wiedergeben können. Dieser schlaue Geist tritt in so vielen und mannigfaltigen Gestalten auf, daß man auch mit den schärfsten Augen ihn kaum durchschauen und entdecken, geschweige denn ihm entgehen kann.

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II. Quod cenodoxia non solum in parte carnali, sed etiam in spiritali monachum pulset.

Non solum enim ut cetera uitia in parte carnali, sed etiam in spiritali monachum pulsat, subtiliore se nequitia ingerens menti, ita ut, qui non potuerunt carnalibus uitiis decipi, spiritalibus successibus acrius saucientur, tantoque est perniciosior ad conflictum quanto obscurior ad cauendum. omnium namque uitiorum manifestior apertiorque congressus est et in unoquoque eorum contradictione rigida confutatus incentor inualidior factus abscedet uictoremque suum deiectus aduersarius deinceps infirmior adtemptabit. hic uero cum pro elatione carnali pulsauerit mentem et fuerit responsionis scuto repulsus, rursus ut quaedam multiformis nequitia priore habitu personaque mutata sub uirtutum specie uictorem confodere et iugulare pertemptat.

2. Die Ruhmsucht plagt den Mönch nicht bloß nach seiner leiblichen, sondern auch nach seiner geistigen Seite.

Dieses Laster plagt den Mönch nicht allein nach seiner fleischlichen Seite, wie die übrigen Sünden, sondern auch nach seiner geistigen Seite hin, da es sich mit viel schlauerer Bosheit in den Geist eindrängt. Die Folge davon ist, daß Solche, welche nicht durch Fleischessünden konnten getäuscht werden, um so stärker durch den Erfolg der Geistessünden verwundet wurden. Und um so verderblicher für den Kampf ist diese Sünde, je mehr sie durch ihre Verstecktheit die Achtsamkeit erschwert. Denn mit allen Fehlern ist der Kampf handgreiflicher und offener, und bei einem jeden dieser Kämpfe wird der durch einen unbeugsamen Widerspruch zurückgewiesene Anreizer schwächer abziehen und der aus dem Felde geschlagene Gegner gegen seinen Besieger in Zukunft einen schwächeren Angriff machen. Allein diese Krankheit plagt zuerst den Geist, um ihn zur eitlen Überhebung in äusseren und offenkundigen Dingen zu versuchen, und wenn sie durch den Schild der Entsagung zurückgeschlagen ist, so wechselt sie wiederum, wie eine so zu sagen vielgestaltige Bosheit, die frühere Kleidung und das frühere Aussehen und sucht unter der Truggestalt der Tugenden den Sieger zu werfen und zu erdrosseln.

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III. Quod cenodoxia multiplex sit ac multiformis.

Etenim cetera uitia seu perturbationes uniformes ac simplices esse noscuntur, haec uero multiplex et multiformis ac uaria, undique bellatori et ex omni parte uictori occurrens. nam et in habitu et in forma, in incessu, in uoce, in opere, in uigiliis, in ieiuniis, in oratione, in remotione, in lectione, in scientia, in taciturnitate, in oboedientia, in humilitate, in longanimitate militem Christi uulnerare conatur, et uelut quidam perniciosissimus scopulus tumentibus undis obtectus inprouisum ac miserabile naufragium secundo nauigantibus uento, dum non cauetur nec praeuidetur, inportat.

3. Die eitle Ruhmsucht ist vielgestaltig und vielfältig.

Man sagt von den übrigen Fehlern oder Leidenschaften, sie seien einfach und träten in einer Gestalt auf; allein diese Leidenschaft ist vielfältig, vielgestaltig und mannigfach und tritt überall dem Kämpfer und von allen Seiten dem Sieger entgegen. Denn sowohl in der Kleidung wie in der Haltung, im Gange und der Stimme, in den Nachtwachen, den Fasten und im Gebete, in der Zurückgezogenheit, der Lesung und der Wissenschaft, im Stillschweigen, dem Gehorsam, der Demuth und Langmuth, in Allem versucht dieses Laster den Streiter Christi zu verwunden, und wie eine überaus verderbliche durch schwellende Wogen verdeckte Klippe stürzt es die mit günstigem Winde Fahrenden, während sie nicht auf der Hut sind und sich nicht vorsehen, in einen unvorhergesehenen und jammervollen Schiffbruch.

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IIII. Quomodo cenodoxia monachum a dextris et a sinistris inpugnet.

Itaque uia regia uolentem incedere per arma iustitiae quae a dextris sunt et a sinistris oportet apostolica disciplina transire per gloriam et ignobilitatem, per infamiam et bonam famam, et tanta cautione inter tumentes temptationum fluctus gubernante discretione et flante nobis spiritu domini iter dirigere uirtutis, ut dextra laeuaque si paululum deflectamus sciamus nos perniciosis mox cautibus inlidendos. ideoque per sapientissimum Salomonem monemur: ne deuerteris ad dextram neque ad sinistram, id est ne tibi de uirtutibus blandiaris et dextris successibus ac spiritalibus extollaris nec deflectens ad sinistrum tramitem uitiorum secundum apostolum gloriam tibi ex eis in tua confusione conquiras. nam cui sub specie succinctae uestis ac nitidae κενοδοξίαν non potuit generare, pro squalida et inculta ac uiliore conatur inserere: quem non potuit per honorem deicere, humilitate subplantat: quem scientiae et elocutionis ornatu nequiuit extollere, grauitate taciturnitatis elidit. si ieiunet palam, gloria uanitatis pulsatur: si illud contemnendae gloriae causa contexerit, eodem uitio elationis obtunditur. ne uanae gloriae contagio maculetur, orationes prolixius sub fratrum uitat celebrare conspectu: et quod eas latenter exerceat nullumque habeat conscium facti, non effugit aculeos uanitatis.

4. Die eitle Ruhmsucht bestürmt den Mönch von der rechten und von der linken Seite.

Wer daher wandeln will auf dem königlichen Wege durch die Waffen der Gerechtigkeit, welche zur Rechten und zur Linken aufgestellt sind, muß nach des Apostels Lehre hindurchwandeln bei Ehre und Schmach, bei schlechtem und bei gutem Ruf, und muß mit solcher Behutsamkeit zwischen den anschwellenden Fluthen der Versuchung hin, unter dem Steuerruder der Klugheit und unter dem Wehen des Geistes des Herrn die Bahn der Tugend also verfolgen, daß wir uns bewußt sind, wenn wir zur Rechten und zur Linken ein wenig abbiegen, müssen wir bald an verderblichen Riffen zerschellt werden. Und deßhalb werden wir auch von dem weisen Salomon gewarnt: „Lenke nicht ab weder zur Rechten noch zur Linken“ d. h. schmeichle dir nicht mit Tugenden und laß dich nicht durch rechte und geistige Erfolge zur Selbsterhebung verleiten, damit du nicht, abbiegend zum linken Pfade der Sünden, aus denselben dir Ruhm in deiner Beschämung bereitest. Denn wem der Teufel in der Hülle eines aufgeschürzten und glänzenden Gewandes die eitle Ruhmsucht nicht hervorrufen kann, dem sucht er sie in einem schmutzigen, ungeordneten und werthlosen Gewande einzuschmuggeln. Wen er nicht durch Ehrfurcht stürzen kann, den stößt er durch Demuth um. Wen er nicht durch den Schmuck der Wissenschaft und Beredsamkeit zum Stolz zu verleiten vermag, den erdrückt er durch den Ernst des Schweigens. Fastet der Mönch offen, so wird er von der eitlen Ruhmsucht geplagt; wenn er es, um die Ruhmsucht zu vermeiden, verheimlicht, so versetzt ihm wieder die Selbstüberhebung Schläge. Um nicht von der eitlen Ruhmsucht angesteckt zu werden, vermeidet er es, lange Gebete in der Gegenwart der Brüder zu verrichten, und doch entgeht er dem Stachel der Eitelkeit nicht, wenn er sie im Verborgenen verrichtet und keine Zeugen seines Handelns hat.

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V. Qua conparatione monstretur natura cenodoxiae.

Pulchre seniores naturam morbi huius in modum caepae bolborumque describunt, quae uno decoriata tegmine alio rursum inueniuntur induta totiensque repperiuntur obtecta, quotiens fuerint spoliata.

5. Ein Vergleich, der das Wesen der eitlen Ruhmsucht beleuchtet.

Schön schildern unsere Vorsteher das Wesen dieser Krankheit durch den Vergleich mit einer Zwiebel und ähnlichen Knollengewächsen, die man einer Hülle entkleidet und doch wieder mit einer andern umschlossen findet, und die man so oft verhüllt antrifft, als man sie enthüllt.

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VI. Quod cenodoxia nec beneficio solitudinis extinguatur.

In solitudine quoque cunctorum mortalium consortia gloriae causa fugientem persequi non desistit, quantoque amplius uniuersum quis uitauerit mundum, tanto eum acrius insectatur. alium quod patientissimus sit operum ac laboris, alium quod ad oboediendum promptissimus, alium quod humilitate ceteros praeponderet, conatur extollere: alius scientiae, alius lectionis, alius uigiliarum prolixitate temptatur. nec alias quemquam hic morbus nisi suis nititur uirtutibus sauciare, in his offendicula tendens interitus, in quibus uitae stipendia conquiruntur. uolentibus quippe iter pietatis ac perfectionis incedere non alibi inimici insidiantes nisi in uia qua ambulant laqueos deceptionis abscondunt, secundum illam beati Dauid sententiam: in uia hac, qua ambulabam, absconderunt laqueum mihi, ut in hac ipsa scilicet uirtutum uia, qua gradimur tendentes ad brabium supernae uocationis, nostris elati successibus corruamus obligatisque pedibus animae nostrae concidamus cenodoxiae laqueis conpediti. et ita fit, ut qui aduersarii conflictu non potuimus superari, nostri triumphi sublimitate uincamur, seu certe, quod est etiam aliud deceptionis genus, ut excedentes continentiae uel nostrae possibilitatis modum perseuerantiam nostri cursus infirmitate corporis intercedente perdamus.

6. Die eitle Ruhmsucht weicht nicht ganz dem wohlthätigen Einflusse der Einsamkeit.

Auch wenn Jemand, um der Ruhmsucht zu entgehen, in der Einsamkeit die Gemeinschaft mit allen Sterblichen flieht, so läßt sie doch nicht ab, ihn zu verfolgen. Und je mehr Einer die ganze Welt meidet, um so heftiger bedrängt sie ihn. Den Einen versucht sie zur Selbstüberhebung, weil er Arbeit und Beschwerden so geduldig erträgt, den Andern, weil er zum Gehorsam so bereit ist, den Andern, weil er die Übrigen an Demuth übertrifft. Der Eine wird durch den Reichthum seines Wissens, der Andere durch seinen Eifer in der geistlichen Lesung, der Andere durch die Länge der Nachtwachen versucht. Und gerade durch die eigenen Tugenden, welche zusammen die Pflichten des Lebens ausmachen, strebt diese Krankheit uns zu verwunden, indem sie in ihnen kleine Anstöße zu unserm Verderben sucht. Wer nämlich den Weg der Frömmigkeit wandeln will, dem stellen die Feinde gerade nur auf dem Wege nach, den er wandelt, und verbergen die Schlingen des Truges nach jenem Ausspruche Davids: „Auf dem Wege, den ich wandelte, verbargen sie mir die Schlinge.“ Denn gerade auf diesem Wege der Tugenden, den wir wandeln, um zum Ziele höherer Vollkommenheit zu eilen, werden wir durch unsere Erfolge stolz gemacht, straucheln und verwickeln uns in die Schlingen der eitlen Ruhmsucht, lassen die Füße unserer Seele binden und fallen um. Und so kommt es, daß wir, die wir in dem Kampfe mit den Gegnern nicht überwunden werden konnten, durch die Höhe unseres Triumphes besiegt werden, oder, was eine andere Art Täuschung ist, daß wir wenigstens das Maß unserer Enthaltsamkeit und unsere Kräfte überschreiten und die Beharrlichkeit in unserem Berufe durch bald eintretende Körperschwäche verlieren.

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VII. Quod cenodoxia, cum deiecta fuerit, acrius resurgat ad luctam.

Omnia uitia superata marcescunt et deuicta per singulos dies infirmiora redduntur et uel loco uel tempore minuuntur atque deferuent, seu certe a contrariis uirtutibus dissidentia uel cauentur facilius uel uitantur: hoc uero deiectum acrius resurgit ad luctam et, cum putatur extinctum, sua morte uiuacius conualescit. cetera genera uitiorum eos tantum inpugnare solent quos in certamine superarint: hoc uero suos uictores acrius insectatur, quantoque fuerit ualidius elisum, tanto uehementius uictoriae ipsius elatione congreditur. et haec est subtilis inimici uersutia, ut militem Christi propriis faciat telis obcumbere, quem hostilibus armis superare non potuit.

7. Einmal niedergeworfen erhebt sich die eitle Ruhmsucht mit größerer Heftigkeit wieder zum Kampfe.

Alle Fehler ermatten, wenn sie überwunden sind, und werden von Tag zu Tag schwächer, wenn sie besiegt sind, und je nach dem Orte und der Zeit verringern sie sich und nehmen ab, oder sie werden wenigstens, weil sie mit entgegenstehenden Tugenden im Widerspruche stehen, leichter verhütet und vermieden; allein dieses Laster, einmal niedergeworfen, erhebt sich um so heftiger zum Kampfe, und wenn man es vernichtet glaubt, lebt es durch seinen Tod stärker wieder auf. Die übrigen Fehler pflegen nur Diejenigen anzufechten, die im Streite mit ihnen gefallen sind; dieser Feind aber fällt seine Besieger nur noch heftiger an, und je mächtiger er aus dem Felde geschlagen wurde, um so hitziger beginnt er wieder den Kampf durch den Stolz über den errungenen Sieg selbst. Und darin besteht die feine Schlauheit des Feindes, daß er den Streiter Christi seinen eigenen Waffen unterliegen läßt, nachdem er ihn durch feindliche Waffen nicht zu bewältigen vermochte.

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VIII. Quod cenodoxia nec heremo nec aetate deferueat.

Alia interdum uitia, sicut diximus, etiam locorum beneficio conquiescunt et materie peccati uel oportunitate eius et occasione subtracta lentescere solent et minui: hoc uero cum fugiente deserta penetrat nec loco nouit excludi nec extrinsecus materie subtracta marcescere. non enim aliunde quam uirtutum eius quem inpetit successibus animatur. quaedam etiam processu temporis, ut praefati sumus, interdum molliuntur atque uanescunt: huic longaeuitas, nisi fuerit industria sollerti ac prudenti discretione fundata, non solum non officit, uerum etiam maiora nouit fomenta congerere uanitatis.

8. Weder durch die Einsamkeit noch durch das Alter verliert die eitle Ruhmsucht ihre Heftigkeit.

Andere Fehler kommen, wie wir bemerkten, zuweilen durch den wohlthätigen Einfluß von Örtlichkeiten zur Ruhe oder pflegen, wenn der Stoff oder die Gelegenheit und Veranlassung zur Sünde entfernt ist, sich zu lindern und zu mindern; allein dieser dringt mit den Fliehenden in die Wüste und läßt sich weder von einem Orte ausschließen, noch will er nach Entfernung der äusseren Materie (der Dinge, welche Gelegenheit zur Sünde geben) ermatten. Denn er wird einzig nur durch die über ihn errungenen Erfolge in den von ihm angefochtenen Tugenden ermuthigt. Die übrigen Fehler mildern sich und schwinden, wie wir oben sahen, zuweilen auch mit dem Fortschritte der Zeit; diesem aber wirkt das Alter, sofern es nicht in regem Fleisse und weiser Klugheit fest gegründet ist, nicht nur nicht entgegen, sondern weiß demselben noch mehr Nahrung der Eitelkeit zuzuführen.

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VIIII. Quod cenodoxia periculosior sit uirtutibus mixta.

Postremo ceterae perturbationes a contrariis sibi uirtutibus dissidentes et ex aperto tamquam die claro bellantes et superantur facilius et cauentur: haec autem inserta uirtutibus et acie permixta uelut in nocte caeca dimicans atrocius inopinatos decipit et incautos.

9. Noch größere Gefahren bereitet die eitle Ruhmsucht in Verbindung mit Tugenden.

Weil die übrigen Leidenschaften mit den entgegengesetzten Tugenden im Widerspruch stehen und offen wie am hellen Tage kämpfen, werden sie leichter überwunden und verhütet; allein diese Leidenschaft reiht sich unter die Tugenden, drängt sich in deren Schlachtlinie ein, und auf diese Weise gleichsam in dunkler Nacht kämpfend täuscht sie um so schrecklicher die Nichts ahnenden und unvorsichtigen Feinde.

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X. Exemplum regis Ezechiae, quemadmodum telo cenodoxiae deiectus fuerit.

Ita namque Ezechiam regem Iudae, uirum in omnibus consummatae iustitiae et sanctarum scripturarum testimonio conprobatum, post innumera uirtutum praeconia uno elationis telo legimus fuisse deiectum, et qui internicionem centum octoginta quinque milium de exercitu Assyriorum, angelo sub nocte uastante, una prece ualuit inpetrare, uanitatis gloriatione superatur : cuius ut praeteream uirtutum tam prolixum catalogum, quem replicare perlongum est, hoc unum dicam, qui post indictum terminum uitae mortisque diem domini sententia praefinitum quindecim annis uitae metas excedere una oratione promeruit, sole per decem gradus, quos ad occasum tendens iam inlustrauerat, reuertente, qui lineas, quas abscessu eius umbra subsequens occuparat, suo rursum reditu fugans duplicatum diem uniuerso orbi contra fixas naturae leges inaudito miraculo praebuit. post tanta tamque incredibilia signa, post tam inmania documenta uirtutum qualiter fuerit successibus suis elisus, audi scripturam narrantem: in diebus, inquit, illis aegrotauit Ezechias usque ad mortem, et orauit dominum: et exaudiuit eum, et dedit ei signum, illud scilicet quod legimus de solis datum esse reditu per Esaiam prophetam in quarto Kegnorum libro. sed non, inquit, secundum beneficia, quae acceperat, retribuit ei, quia eleuatum est cor eius: et facta est contra eum ira, et contra Iudam et Hierusalem: humiliatusque est postea eo quod exaltatum esset cor eius, tam ipse, quam habitatores Hierusalem: et idcirco non uenit super eos ira domini in diebus Ezechiae. quam perniciosus, quam grauis elationis est morbus. tantae iustitiae, tantae uirtutes, tanta fides atque deuotio, quae naturam ipsam ac totius mundi leges inmutare meruerunt, una elatione depereunt, ita ut uniuersis uirtutibus suis, ac si nec fuissent, obliuioni traditis iram confestim domini suscepisset, nisi eam resumpta humilitate placasset, ut, qui de tam excelso meritorum fastigio elatione inpellente deciderat, non nisi per eosdem rursum humilitatis gradus ad amissum culmen ascenderet. uis aliud quoque exemplum similis ruinae percipere?

10. Beispiel des Königs Ezechias, den der Pfeil eitler Ruhmsucht hingestreckt hat.

Von Ezechias, dem Könige von Juda, einem Manne von einer in jeder Beziehung vollendeten Gerechtigkeit und als solcher anerkannt durch das Zeugniß der heiligen Schrift, lesen wir, daß derselbe nach unzähligen ruhmwürdigen und frommen Thaten von dem Pfeil der Eitelkeit niedergeworfen worden sei; und er, der die Vernichtung von fünfundachtzig Tausend Mann aus dem Heere der Assyrer durch die Hand des während der Nacht verheerenden Engels durch ein einziges Gebet zu erbitten vermochte, läßt sich durch eitles Rühmen überwinden. Um das so lange Verzeichniß seiner Tugenden zu übergehen, welches aufzuschlagen mich zu weit führen würde, will ich nur eines erwähnen. Nachdem ihm sein Lebensende angesagt und sein Todestag durch einen Ausspruch des Herrn vorausverkündet worden war, verdiente er durch ein Gebet, um fünfzehn Jahre die Grenze seines Lebens zu überschreiten, wobei die Sonne um zehn Stufen, welche sie, ihrem Untergange zueilend, schon erleuchtet hatte, wieder zurückkehrte und die Stunden, welche in Folge ihres Falles der nachrückende Schatten eingenommen hatte, durch ihre Rückkehr verscheuchte und so durch ein unerhörtes Wunder gegen die feststehenden Naturgesetze für den ganzen Erdkreis einen doppelten Tag schuf. Wie er nach so großen und unglaublichen Zeichen, nach so ausserordentlichen Beweisen von Tugenden durch seine eigenen glücklichen Erfolge besiegt wurde, darüber vernimm die Erzählung der heiligen Schrift. „In jenen Tagen,“ sagt sie, „erkrankte Ezechias auf den Tod; da bat er den Herrn, und der erhörte ihn und gab ihm ein Zeichen,“ jenes nämlich von der Rückkehr der Sonne, welches durch den Propheten Isaias gegeben wurde, wie wir im vierten Buche der Könige lesen; aber nicht, sagt sie weiter, hat er nach den Wohlthaten, die er empfangen, vergolten, denn „es erhob sich sein Herz, und los brach Gottes Zorn gegen ihn, sowie gegen Juda und Jerusalem. Doch er verdemüthigte sich nachher darüber, daß sich sein Herz erhoben habe, sowohl er als die Bewohner Jerusalems, und deßhalb kam nicht über sie der Zorn des Herrn in den Tagen des Ezechias.“ Wie verderblich, wie heftig ist die Krankheit der Selbstüberhebung! Eine solche Gerechtigkeit, solche Tugenden, ein solches Vertrauen, eine solche Hingebung, welche sogar die Natur und die Gesetze des Weltalls zu ändern verdienten, gehen durch eine einzige Sünde der Eitelkeit zu Grunde, so daß Ezechias, nachdem alle seine Tugenden wie ein Nichts der Vergessenheit anheimgefallen waren, den Zorn des Herrn sofort erfahren hätte, wenn er ihn nicht durch die wiedererworbene Demuth versöhnt hätte. So konnte er, der von einer so erhabenen Stufe der Verdienste, getrieben von der Eitelkeit, herabgefallen war, nur auf denselben Stufen der Demuth zu der verlorenen Höhe wieder emporsteigen. ― Vernimm noch ein anderes Beispiel eines ähnlichen Sturzes.

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XI. Exemplum regis Oziae eiusdem morbi labe superati.

Ozias, huius quem commemorauimus regis atauus, in omnibus ipse quoque scripturae testimonio conlaudatus, post ingentia uirtutum suarum praeconia, post innumeros triumphos, quos deuotionis ac fidei suae merito perpetrauit, disce qualiter sit uanae gloriae elatione deiectus: et egressum est, inquit, nomen Oziae, propter quod auxiliaretur ei dominus, et conroborasset illum. et cum conroboratum esset, eleuatum est cor eius in interitum suum, et neglexit dominum deum suum. cernis aliud exemplum ruinae grauissimae et conspicis duos uiros tam iustos tamque perfectos triumphis suis atque uictoriis fuisse confectos. unde uidetis quam perniciosi rerum secundarum soleant esse successus, ita ut, qui non potuerunt aduersis frangi, prosperis, si incauti fuerint, acrius elidantur, et qui in conflictu atque acie mortis euasere discrimina, tropaeis propriis triumphisque subcumbant.

11. Beispiel des Königs Ozias, der von derselben verderblichen Krankheit überwunden wurde.

Höre, auf welche Weise Ozias, des Ezechias Urgroßvater, ebenfalls von der heiligen Schrift in jeder Beziehung gelobt, nach seinen ungewöhnlichen und gefeierten Heldenthaten, nach unzähligen Triumphen, die er durch das Verdienst seiner Hingebung und seines Vertrauens errungen hatte, in Folge eitler Ueberhebung aus Ruhmsucht gestürzt wurde. „Und des Ozias Name,“ heißt es, „verbreitete sich weithin, weil ihm der Herr half und ihn stark machte. Als er aber mächtig geworden, da erhob sich sein Herz zu seinem Verderben, und er verließ den Herrn seinen Gott.“ Hier erblickst du ein anderes Beispiel eines gar jähen Sturzes und siehst zwei Männer vor dir, beide so gerecht und vollkommen in ihren Triumphen und beide durch ihre Siege zu Grunde gerichtet. Daraus erseht, wie verderblich die Erfolge im Glücke zu sein pflegen. Diejenigen, welche das Unglück nicht brechen konnte, erdrückt um so grausamer das Glück, das sie unvorsichtig gemacht, und Jene, welche in Kampf und Schlacht der Todesgefahr entronnen sind, erliegen durch ihre eigenen Siege und Trimphe.

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XII. Diuersa testimonia contra cenodoxiam.

Ideo apostolus monet: nolite fieri inanis gloriae cupidi, et dominus Pharisaeos castigans quomodo, inquit, uos potestis credere, qui gloriam 'ab inuicem accipitis, et gloriam quae a solo est deo non quaeritis? de his et beatus Dauid cum interminatione dicit: quoniam deus dissipauit ossa eorum qui hominibus placent.

12. Verschiedene Zeugnisse gegen die eitle Ruhmsucht.

Deßhalb warnt der Apostel: „Wollet nicht eitler Ehre nachtrachten.“ Und der Herr, die Pharisäer zurechtweisend, spricht: „Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre von einander nehmet und nicht suchet die Ehre, die von Gott allein ist?“ Gegen diese Sünde spricht auch der König David die drohenden Worte: „Zerstreut hat Gott die Gebeine Derer, welche den Menschen gefallen.“

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XIII. Quibus modis cenodoxia monachum pulset.

Solet etiam incipientium mentes et eorum, qui minus adhuc uel uirtute animi uel scientia profecerunt, aut propter sonum uocis extollere, quod scilicet modulatius psallant, aut quod sint uel exesis carnibus uel corpore lautiores, aut quod parentes diuites ac nobiles habeant, uel quod militiam honoresque contempserint. interdum etiam dignitates et opes, quae forte ne adprehendi quidem aliquando potuissent, persuadet quempiam perfacile fuisse adepturum, si perseuerasset in saeculo, uana spe etiam de incertis inflans eum et de his, quae numquam possedit, uelut qui ea contempserit, gloria uanitatis extollens.

13. Wie die eitle Ruhmsucht den Mönch plagt.

Es pflegt dieses Laster auch den Geist der Anfänger und Solcher, die noch weniger Fortschritte in Tugend und Frömmigkeit gemacht haben, mitunter durch den leeren Schall eines Wortes zur Eitelkeit zu verleiten, z. B. daß sie wohlklingender sängen, daß sie abgemagertes Fleisch oder einen stattlichen Körper besäßen, daß sie reiche und vornehme Eltern hätten, daß sie Kriegsdienst und Ehrenstellen verachtet hätten. Zuweilen sucht diese Sünde Einem auch einzureden, daß die Würden und Reichthümer, die man wohl überhaupt gar niemals hätte erlangen können, ihm sehr leicht zugefallen wären, wenn er in der Welt geblieben wäre. So bläht sie ihn sogar durch die eitle Hoffnung auf Ungewisses und niemals Besessenes auf, indem sie ihn zu der Eitelkeit verleitet, als habe er Dieses verachtet.

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XIIII. Quemadmodum cenodoxia clericatus gradum suggerat ambiendum.

Nonnumquam uero clericatus gradum et desiderium presbyterii uel diaconatus inmittit. quem si uel inuitus fuisset indeptus, tanta expleturum sanctitate ac rigore depingit, ut ceteris quoque sacerdotibus praebere potuerit sanctitatis exempla, deinde multos non solum conuersationis forma, uerum etiam doctrina sua sermoneque lucraturum. facit etiam in solitudine uel in cella commorantem diuersorum domos ac monasteria mente atque animo circumire et plurimorum conuersiones sub incitamento imaginariae exhortationis adquirere.

14. Wie die Ehrsucht durch Einflüsterungen zur Erstrebung der priesterlichen Würde veranlaßt.

Zuweilen aber flößt diese Leidenschaft dem Mönche das Verlangen nach der geistlichen Würde und den Wunsch nach der Priesterweihe oder dem Diakonate ein. Wenn er es sogar gegen seinen Willen erhalten hat, so entwirft er ein solches Bild von der Heiligkeit und Strenge, womit er dieses Amt ausüben will, daß er auch den übrigen Priestern Beispiele der Heiligkeit geben könne. Dann glaubt er Viele nicht durch das Vorbild seines Wandels, sondern auch durch seine Lehre und Predigt zu gewinnen. Er läßt sich, wenn er in der Einöde oder Zelle weilt, im Geiste und in der Vorstellung die Wohnungen verschiedener Brüder und verschiedener Klöster besuchen und die Bekehrung gar vieler Leute durch seine eingebildeten Ermahnungsreden erwirken.

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XV. Quomodo cenodoxia mentem inebriet.

Agitur itaque infelix anima tali uanitate uelut profundissimo sopore delusa, ut plerumque huiusmodi cogitationum inlecta dulcedine et his oppleta simulacris ne praesentes quidem actus uel fratres ualeat contemplari, dum his, quae cogitationum peruagatione uigilans somniauit, delectatur inhaerere quasi ueris.

So ist es nun um die unglückliche Seele geschehen, die durch eine solche Eitelkeit gleichsam in den tiefsten Schlaf gesunken ist und gewöhnlich durch die Anmuth derartiger Einbildungen verlockt und mit solchen Bildern erfüllt nicht einmal auf ihr gegenwärtiges Thun und ihre Mitbrüder ihr Auge zu richten vermag, während sie ihre Freude darin findet, sich in die Gedanken, von denen sie in ihrer Zerstreuung mit offenen Augen träumt, wie in wirkliche und wahre zu vertiefen.

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XVI. De eo, quem senex superueniens repperit in cella cenodoxiae uanitate deludi.

Memini cuiusdam senis, cum in heremo Sciti commorarer. qui cum ad cellam cuiusdam fratris gratia uisitationis adueniens ostio proximasset audissetque eum quiddam obmurmurantem intrinsecus, paululum substitit, cognoscere uolens quidnam de scripturis legeret uel, sicut est moris, operans memoriter recenseret. cumque piissimus explorator aure diligenter adplicita curiosius auscultaret, ita eum repperit huius spiritus inpugnatione pellectum, ut in ecclesia facere se crederet exhortatorium plebi sermonem. cumque subsistens senex audisset eum inisse tractatum et mutato rursus officio celebrare uelut diaconum catechumenis missam, tum demum pulsauit ostium. qui egressus occurrensque seni ueneratione solita introducensque eum, quam olim uenerit, cogitationum suarum conscientia remordente perquirit, ne scilicet diutius ad ostium stans iniuriam pertulisset. ioculariter senex grateque respondit: modo, inquiens, ueni, quando tu missam catechumenis celebrabas.

15. Die eitle Ruhmsucht berauscht den Geist.

Von meinem Aufenthalte in der scythischen Wüste her erinnere ich mich eines Greises, der einst zu der Zelle eines Bruders kam, um ihn zu besuchen. Als er sich nun der Thüre genähert hatte und ihn drinnen Etwas murmeln hörte, blieb er ein wenig stehen, um zu erfahren, was er denn in der heiligen Schrift lese, oder was er, wie es Sitte ist, bei seiner Arbeit auswendig hersage. Alsdann hielt der fromme Kundschafter sein Ohr behutsam hin, um aufmerksamer zu horchen. Da fand er den Bruder dergestalt von dem Geiste der Eitelkeit verführt, daß er wähnte, in der Kirche an das Volk eine Ermahnungsrede zu halten. Der Greis blieb stehen, bis er das Ende der Rede vernahm. Hierauf wechselt jener seine Rolle und feiert, wie ein Diakon, die Katechumenenmesse. Erst jetzt klopft der Greis an die Thüre, worauf der Bruder heraustrat und ihm mit der gewohnten Ehrfurcht entgegenging. Während er ihn hineinführte, bekam er jedoch Gewissensbisse über seine Gedanken und fragte ihn deßhalb, wie lange er schon da sei; denn er fürchtete, der Greis möchte durch längeres Stehen an der Thüre Unannehmlichkeiten ertragen haben. Allein scherzend und freundlich erwiderte der Greis: „Eben bin ich gekommen, als du die Katechumenenmesse feiertest.“

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XVII. Quod aliter uitia curari non possint, nisi eorum radices et causae fuerint publicatae.

Haec idcirco inserere huic opusculo necessarium duxi, ut de inpugnationum ui atque ordine uitiorum, quibus miserabilis anima laceratur, non solum ratione, sed etiam exemplis instructi ad deuitandos laqueos et multiplices decipulas inimici cautiores esse possimus. ita namque indifferenter haec ab Aegyptiis patribus proferuntur in medium, ut omnium uitiorum certamina, uel illa quae patiuntur uel quae passuri sunt iuniores, relatione sua, tamquam qui adhuc ea sustineant, apud eos detegant atque denudent, quo exponentibus eis inlusiones omnium passionum, quaecumque incipientium sunt ac feruentium spiritu, conluctationum suarum arcana cognoscant et ea tamquam in speculo contemplantes et causas uitiorum quibus pulsantur et remedia doceantur, futurorum quoque certaminum congressibus antequam superueniant eruditi, qualiter praecauere et occurrere eis uel confligere debeant, instruantur. ut solent peritissimi medicorum non solum mederi praesentibus morbis, uerum etiam futuris peritia sagaci occurrere eosque praeceptis uel poculis salutaribus praeuenire, ita hi quoque uerissimi animarum medici, emersuras ualitudines cordium spiritali conlatione uelut quodam caelesti antidoto praenecantes, in iuniorum mentibus non patiuntur adulescere, aperientes eis et causas inminentium passionum et remedia sanitatum.

16. Man kann diesen Fehler nur dadurch heilen, daß man seine Wurzeln und Ursachen kennen lernt.

Diesen Vorfall glaubte ich deßhalb in mein Werk einfügen zu müssen, damit wir über die Gewalt der Anfechtungen und die Reihe von Sünden, von denen die unglückliche Seele zerfleischt wird, nicht nur theoretisch, sondern auch durch Beispiele belehrt werden und auf die Vermeidung der von dem Feinde gestellten Schlingen und Fallen mehr Vorsicht verwenden könnten. Denn die ägyptischen Väter befolgen hierin jene Uebung, daß sie die Kämpfe gegen alle Fehler, sowohl jene, welche die Jüngeren bereits bestehen, als jene, welche sie noch zu bestehen haben, durch ihre Erzählung, gleichsam als ob sie dieselben noch zu kämpfen hätten, vor ihnen enthüllen und bloßlegen. So dringen alle Anfänger und Brauseköpfe in die Geheimnisse ihrer Kämpfe ein, hier schauen sie dieselben wie in einem Spiegel, werden über die Ursachen der sie plagenden Fehler und über die Mittel gegen dieselben belehrt, sowie über die Kampfesart bei künftigen Kämpfen, bevor dieselben hereinbrechen, unterrichtet und angeleitet, wie sie diesen zuvorkommen oder entgegenrücken und sich mit ihnen schlagen sollen. Wie die geschicktesten Aerzte nicht bloß die gegenwärtigen Krankheiten zu heilen, sondern auch den künftigen mit scharfsinniger Erfahrung zu begegnen und ihnen mit heilsamen Vorschriften und Arzneien zuvorzukommen pflegen, so ertödten auch diese wahren Seelenärzte die auftauchenden Krankheiten des Herzens durch geistige Vorträge, wie durch ein himmlisches Gegengift, und lassen sie nicht in dem Geiste der Jüngeren erstarken, indem sie ihnen die Ursachen der drohenden Leidenschaften und die Mittel zur Erhaltung der Gesundheit offenbaren.

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XVIII. Quod monachus uitare debeat mulieres et episcopos.

Quapropter haec est antiquitus patrum permanens nunc usque sententia, quam proferre sine mea confusione non potero, qui nec germanam uitare nec episcopi euadere manus potui, omnimodis monachum fugere debere mulieres et episcopos. neuter enim sinit eum, quem semel suae familiaritati deuinxerit, uel quieti cellae ulterius operam dare uel diuinae theoriae per sanctarum rerum intuitum purissimis oculis inhaerere.

17. Der Mönch soll Weiber und Bischöfe meiden.

Es ist eine von Alters her bis jetzt bestehende Ansicht der Väter, die ich nicht ohne meine eigene Beschämung aussprechen kann, da ich weder meine Schwester meiden noch den Händen meines Bischofs entrinnen konnte, die Ansicht nämlich, daß der Mönch Weiber und Bischöfe durchaus fliehen müsse. Denn weder die Einen noch die Andern lassen Den, welchen sie in den Kreis ihrer Freundschaft gezogen haben, ferner der Ruhe der Zelle sich hingeben, noch gestatten sie ihnen, durch die Betrachtung heiliger Dinge auf die göttliche Lehre den Blick eines ganz reinen Auges zu richten.

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XVIIII. Remedia quibus cenodoxiam superare possimus.

Ideoque athleta Christi, qui uerum ac spiritalem agonem legitime certare desiderat, hanc multiformem uariamque bestiam omnimodis superare festinet. quam nobis ex omni parte uelut multiplicem nequitiam occurrentem tali remedio poterimus euadere, ut cogitantes illud Dauiticum eloquium: dominus dissipauit ossa eorum qui hominibus placent, primitus nihil proposito uanitatis et inanis gloriae capiendae gratia nosmet ipsos facere permittamus: deinde ea, quae bono initio fecerimus, obseruatione simili custodire nitamur, ne omnes laborum nostrorum fructus post inrepens cenodoxiae morbus euacuet: quidquid etiam in conuersatione fratrum minime communis usus recipit uel exercet, omni studio ut iactantiae deditum declinemus, et ea, quae nos possunt inter ceteros notabiles reddere, ac ueluti solis facientibus laus apud homines sit conquirenda, uitemus. his enim uel maxime indiciis cenodoxiae letale contagium nobis inhaerere monstrabitur. quod facillime poterimus effugere, si consideremus non solum fructus laborum nostrorum nos penitus amissuros, quoscumque cenodoxiae proposito fecerimus, sed etiam reos magni criminis factos aeterna supplicia ueluti sacrilegos soluturos, utpote qui ad iniuriam dei opus, quod eius obtentu nos oportuit agere, hominum gratia maluimus exercere, ab eo, qui occultorum est conscius, homines deo et gloriam mundi gloriae domini praetulisse conuicti.

18. Mittel gegen das Übel der eitlen Ruhmsucht.

Darum muß der Streiter Christi, der den wahren geistigen Kampf rechtmäßig kämpfen will, dieses vielgestaltige und veränderliche Unthier auf jede Weise zu überwinden eilen. Dieser von allen Seiten uns entgegentretenden, so zu sagen vielfältigen Bosheit werden wir nur dadurch entrinnen können, daß wir an jenen Ausspruch Davids denken: „Der Herr zerstreut die Gebeine Derer, welche Menschen gefallen.“ Dann seien wir bestrebt, Das, was wir durch einen guten Beginn gewirkt haben, mit gleicher Wachsamkeit zu hüten, damit nicht alle Früchte unserer Mühen nachher die schleichende Krankheit der Eitelkeit werthlos mache. Auch Alles, was im Wandel der Brüder nicht im allgemeinen Brauch und in der Uebung ist, müssen wir mit allem Eifer als Etwas, was der Prahlsucht dient, von uns weisen und Alles vermeiden, was uns bei den Anderen bemerkenswerth machen und anscheinend nur allein uns das Lob der Menschen einbringen könnte. Denn vorzüglich an solchen Zeichen erkennt man, daß wir von der tödtlichen Krankheit der Ehrsucht angesteckt sind. Dieser aber werden wir sehr leicht entfliehen können, wenn wir bedenken, daß wir nicht nur der Frucht unserer mühevollen Arbeiten, die wir auch immer aus Eitelkeit verrichtet haben, gänzlich verlustig gehen, sondern auch, mit einer großen Sündenschuld beladen, als Gottesschänder ewige Strafen leiden werden; denn wir wollen, und darin liegt die schwere Beleidigung Gottes, das Werk, das wir um seinetwillen hätten verrichten sollen, lieber um der Menschen willen üben und sind von Gott, der das Verborgene kennt, überführt, die Menschen und die Ehre der Welt der Ehre des Herrn vorgezogen zu haben.

Lateinischer Text: De institutis coenobiorum, hg. von M. Petschenig, Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum 17, Wien 1888, an den Scans überprüft; ohne kritischen Apparat. · Übersetzung von Antonius Abt († 1895), Sämmtliche Schriften des ehrwürdigen Johannes Cassianus, Bd. 1, Bibliothek der Kirchenväter, Kempten, 1879 (Text nach bkv.unifr.ch). Abt übersetzt die Vorrede und die Kapitel X und XI des ersten Buches nicht. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden