Worte der Väter (Verba seniorum, Buch VI)
Von der Voraussicht oder Beschauung
De prævidentia seu contemplatione.Das I. Büchlein. Von der Vorsehung oder Beschauung.
Abiit aliquando Zacharias ad abbatem suum Silvanum, et invenit eum in excessu mentis, et erant manus ejus extensæ in cœlum. Et cum vidisset ita, clausit ostium, et exiit; et intrans circa horam sextam atque nonam, invenit eum eodem modo; circa decimam vero horam pulsavit, et ingressus, invenit eum quiescentem, et dicit ei: Quid habuisti hodie, Pater? Qui dixit ei: Infirmatus sum hodie, fili. Ille vero tenens pedes ejus, dicebat: Non te dimittam, nisi mihi indicaveris quid vidisti. Respondit ei senex: Ego in cœlum raptus sum, et vidi gloriam Dei, et illic steti usque modo, et nunc dimissus sum.
Zacharias ein Jünger deß Heil. Abts Silvani/ kam einsmahls zu diesem seinem geistlichen Vatter/ als er eben jetzo/ in einer Verzuckung war/ und seine Hand gen Himmel hinauff streckte. Dieses sehend gieng er wiederumb fort und thät die Thür nach sich zuschliessen: umb die sechste und neundte Stund kam er wieder dahin/ der gemeldte Silvanus aber war noch verzuckt/ wie zuvor: umb die zehende Stund klopffte er wiederum an/ er gienge hinein und fande denselbigen ruhend/ und sprach: Mein Vatter/ wie ists dir heut ergangen? mein Sohn/ antwortete der Silvanus/ ich bin heut kranck gewesen. Der Zacharias aber fiele ihm zu Füssen/ und sprach: ich lasse dich nicht gehen/ mein Vatter/ biß du mir sagest/ was du heut gesehen habest. Endlichen verzehlte ihm der Abt Silvanus den gantzen Handel und sprach: Ich bin biß in den Himmel verzuckt worden/ und hab die Herrlichkeit GOttes gesehen/ ich bin vor dem Göttlichen Angesicht gestanden/ und eben jetzo wiederum entlassen worden.
Dixit sancta Syncletica: Efficiamur prudentes sicut serpentes, et simplices sicut columbæ, ut astute intelligamus laqueos diaboli: nam prudentes fieri sicut serpentes dictum est, ut non ignoremus impetus diaboli et artes ejus. Etenim simile aliquid ex alio simili superatur, nam et simplicitas columbæ demonstratur.
Die H. Syncletica sagte vor Zeiten: Wir müssen weiß werden wie die Schlangen/ und einfältig wie die Tauben/ damit wir die Strick deß Teuffels fürsichtiglich wissen zu beobachten: und daß es heisset/ wir müssen klug werden wie die Schlangen/ ist soviel gesagt/ daß uns die Versuchungen/ und Arglistigkeiten. deß Teuffels nicht unbekand seyn sollen. Dann gleiches muß man mit gleichem/ nehmlich die Arglistigkeit mit Klugheit überwinden: und dannoch die Einfalt der Tauben darbey erzeigen.
Dicebat quidam Patrum: Quia dum sederent aliquando seniores et loquerentur de ædificationibus, erat inter eos unus prævidens; et vidit angelos manus agitantes et lavantes eos. Ut autem venisset locutio sæcularis, discedebant angeli, et volutabantur porci in medio pleni fetoribus, et polluebant eos; cum autem rursus loquerentur de ædificatione, veniebant iterum et lavabant eos angeli.
Einer auß den Vättern pflegte zu verzehlen: Daß als einsmahls die Alt-Vätter beysammen waren/ und von auferbaulichen Sachen mit einander redeten/ ein heiliger Mann/ welcher die Gnad hatte künfftige Ding vorzusagen/ gesehen hab/ was massen ihre Engel die Händ vor Freuden thäten zusammen schlagen/ und wie sie die versammlete Vätter pflegten zu waschen. Sobald sie aber ein weltliches Gespräch anfiengen/ da machten sich die Engel darvon/ und an deren statt/ thäten sich etliche häßliche und stinckende Schwein einfinden/ welche auch die Anwesende besudleten: Nichts destoweniger wann sie wiederumb ein aufferbauliches Gespräch anhebten/ so kamen die Engel auch wieder/ und thäten die besudlete wiederum abwaschen.
Dixit quidam senex: Hoc est quod scriptum est: Super duobus et tribus peccatis Tyri avertam me, super quatuor autem non avertam; cogitare malum, et consentire cogitatui, et loqui; quartum vero est perficere opus. In hoc ergo non avertitur ira Domini.
Ein Alt-Vatter sprach: Das ist/ was geschrieben stehet: über zwey oder drey Laster Tyri/ will ich meinen Zorn inhalten/ über das vierte aber will ich ihnen nicht gnädig seyn: nehmlich Ubels gedencken/ einwilligen/ und Ubels reden/ das seynd drey Ubel; das vierte aber ist die Sünd werckstellig machen. Und von diesem lasset sich der Zorn GOttes nicht abwenden.
Dicebant de quodam sene magno in Scythi: Quotiescunque fratres ædificabant cellulam, egrediebatur cum gaudio, et ponens fundamentum non discedebat donec commoraretur; aliquando autem exiens ad fabricandam cellam contristabatur valde. Et dicunt fratres: Quare tristis ac mœstus es, abba? Qui dixit eis: Desolandus est locus iste, filii. Ego enim vidi quoniam accensus est ignis in Scythi, et accipientes fratres palmas cædentes exstinxerunt eum; et iterum accensus est; et accipientes fratres rursus palmas cædentes exstinxerunt eum; tertio accensus est et implevit totam Scythim, et jam non potuit exstingui. Ideo ego contristor ac mœstus sum.
Man erzehlet von einem berühmten Alt-Vatter/ welcher in der Scythischen Wildnuß wohnte/ daß er allezeit seye hingangen/ wann die Brüder eine Cell baueten/ und habe das Fundament helffen legen/ er seye auch nimmer darvon gangen biß dieselbige Cell könte bewohnet werden; einsmahls aber bey Erbauung seiner Cellen/ war er sehr traurig. Und als ihn die Brüder fragten: warum er so traurig wäre? da sprach er: Meine Kinder/ dieser Orth wird verwüstet werden. Dann ich hab gesehen/ ein Feuer in der Wüsten Scythi auffgehen/ und daß die Brüder mit Palmzweigen darein geschlagen/ und das Feuer wiederum außgelöscht haben: das Feuer aber gienge zum andernmahl auf/ und wurde auch zum zweytenmahl von den Brüdern gedämmet: das drittemahl aber gienge das Feuer wieder an/ und thäte die gantze Scythische Wildnüß dergestalten erfüllen und einnehmen/ daß es nimmermehr konte gelöscht werden. Und eben dieses ist dasjenige/ welches mich solcher gestalten betrübt/ und traurig machet.
Dixit quidam senex: Scriptum est. Justus ut palma florebit. Significat autem hic sermo bonorum actuum fructum altum et rectum ac dulcem: est vero in palma unum incarduum, et ipsum candidum omnem habens operationem in se; simile autem et super justo reperitur; unum enim ei et simplex est cor, ad Deum tantum respiciens. Est autem et album, habens illuminationem fidei, et omnis operatio justi in corde ipsius est; nam et acumen stimulorum ejus, adversus diabolum est propugnaculum.
Ein Alt-Vatter sprach vor Zeiten: Es stehet geschrieben: der Gerechte wird blühen wie ein Palm-Baum. Es werden aber durch diese Wort/ die auffrichtige Waare/ und süsse Früchten/ der guten Wercken verstanden: dann gleich wie der Palm-Baum ein weisses Marck hat/ welches allerhand Würckungen in sich begreiffet; ebner massen ist in dem Gerechten nur ein eintziges und einfältiges Hertz/ welches allein auff GOtt den Allmächtigen siehet. Dasselbige ist weiß/ weilen es im Glauben erleuchtet ist/ und allerhand gute Würckungen finden sich in dem Hertzen deß Gerechten: dann auch die Schärffe seiner Stachlen/ ist ein Schutz-Gewehr wider den leidigen Teuffel.
Dixit aliquando alter senex: Sunamitis Elisæum suscepit, eo quod non haberet affectum cum aliquo homine. Dicitur Sunamites personam habere animæ, Elisæus vero personam Spiritus sancti. Quacunque ergo hora recedit anima a sæculari confusione et perturbatione, adveniet ei Spiritus Dei, et tunc poterit parere cum sit sterilis.
Ein anderer Alt-Vatter pflegte zu sagen: Jenes Weib in der Stadt Sunem/ weilen sie sich aller Gemeinschafft der Menschen entschlagen hat/ ist würdig worden den Propheten Elisäum in ihr Herberg zu empfangen. Dieses Weib bedeutet die menschliche Seel/ der Prophet Elisäus aber GOtt den H. Geist. Dann sobald sich ein Seel von dem weltlichen Getümmel und Verwirrung entzieht/ so wird GOtt der H. Geist sein Herberg bey ihr nehmen/ und alsdann wird sie die Früchten der guten Werck herfür bringen/ wann sie schon zuvor unfruchtbar gewesen ist.
Alius quidam Patrum dixit: Quia oculi porci naturale habent figmentum, ita ut necessitate semper intendant in terra, nec aliquando possint respicere ad cœlum. Sic ergo et anima ejus qui in dulcedine delectatur voluptatum, semel delapsa in luxuriæ cœnum, difficile potest respicere ad Deum, aut sapere aliquid dignum Deo.
Ein anderer Alt-Vatter spricht also: Die Augen der Schweinen seynd also geschaffen/ daß sie jederzeit müssen auf den Boden schauen/ und daß sie hingegen den Himmel nicht einmahl ansehen. Gleicher gestalten ist die Seel deß jenigen beschaffen/ welcher sich in der Süssigkeit der schnöden Gelüsten erlustiget/ und in das Koth der Unlauterkeit fallet/ dann schwerlich kan sie sich nach GOTT umbsehen/ oder in dem Guten einen Lust und Geschmack finden.
Fuit quidam magnus inter prævidentes; hic af firmabat dicens: Quia virtutem, quam vidi stare super baptisma, vidi etiam super vestimentum monachi, quando accipit habitum spiritualem.
Ein berühmter Mann/ welcher die Gnad der Offenbahrung hatte/ betheurte sich und sprach: Daß er eben diejenige Göttliche Krafft/ welche er ob dem H. Tauff gesehen hatte/ auch auff dem geistlichen Ordens-Kleid/ wann ein Münch den Orden empfangt/ gesehen hab.
Cuidam seni data est gratia videndi quæ fiebant, et dicebat: Quia vidi in cœnobio aliquando meditantem in cella fratrem, et ecce dæmon veniens stabat foris cellam. Et dum frater ille meditaretur, non prævalebat ingredi; cum autem cessasset meditando, tunc ingrediebatur ille dæmon.
Einem Alt-Vatter war die Gnad verliehen/ daß er auch so gar die unsichtbare Ding sehen konte/ derselbige derowegen sprach: Ich hab in einem Closter einen Bruder gesehen/ welcher in seiner Cellen betrachtete: der Teuffel aber stunde vor der Cell draussen/ dann er konte nicht hinein gehen/ so lang der Bruder betrachtete: so bald er aber von seiner Betrachtung nachliesse/ da konte der leidige Feind ungehindert hinein kommen.
Dicebant de quodam sene, quia deprecatus est Deum, ut videret dæmones. Et revelatum est ei: Non opus habes videre eos. Senex autem rogabat dicens: Quia, Domine, potes me protegere gratia tua. At vero Deus revelavit oculos ejus, et vidit eos, quia tanquam apes sic circumdant hominem, stridentes dentibus suis super eum; Angeli vero Dei increpabant eos.
Von einem Alt-Vatter verzehlet man/ daß er GOtt den Allmächtigen gebetten hab/ daß Er ihm doch die Teuffel sichtbarlich zeigen wolte. Es wurde ihm aber von GOtt dem HErrn geoffenbahret/ daß er ein unnöthige Sach thäte begehren. Nichts destoweniger liesse der Alt-Vatter nicht nach zu bitten/ sondern er sprach: HErr du kanst mich ja mit deiner Gnad wider die Teuffel beschützen? Endlichen hat ihm GOtt der HErr seine Augen geöffnet/ daß er sahe/ was gestalten die leidige Teuffel mit kirrenden Zähnen/ nicht anderster als ein Immen-schwarm/ umb die Menschen/ thäten herumb fliegen: welche gleichwohl von den heiligen Englen dessentwegen gestrafft/ und abgetriben wurden.
Dixit quidam senex: Quia duo fratres erant ei vicini, unus peregrinus, et unus inchoris: erat autem peregrinus ille modicum negligentior; ille vero inchoris studiosus valde. Contigit autem ut dormiret ille peregrinus in pace. At ille senex vicinus eorum cum esset prævidens, vidit multitudinem angelorum deducentem animam ejus; et cum perveniret ad cœlum ut intraret, facta est quæstio de illo. Et venit vox de super dicens: Manifestum est quia modicum negligentior fuit, sed propter peregrinationem ejus aperite ei. Et post hæc dormivit et ille inchoris, et venit omnis cognatio ejus ad eum. Cernens vero ille senex non venire angelos ad deducendam animam ejus, miratus est; et cadens in faciem suam in conspectu Dei, dixit: Quomodo peregrinus ille cum negligentior fuerit talem gloriam habuit, et hic cum studiosus esset nihil hujusmodi meruit? Et venit ei vox dicens: Hic studiosus cum venit ut dormiret, aperuit oculos suos, et vidit parentes suos flentes, et consolata est anima ejus. Peregrinus vero ille, licet negligentior fuerit, nullum suorum vidit; et flevit, et Deus consolatus est eum.
Ein Alt-Vatter hat vor disem verzehlet: Daß zwey Brüder nicht weit von ihm gewohnet haben/ der eine war ein Fremdling/ der andere aber war in derselbigen Gegend gebohren: der frembde Bruder war etwas saumseliges: der einheimische aber war sehr eyffrig und fleissig. Nun begab es sich daß der Frembdling starbe. Sintemahlen aber dieser benachbarte Alt-Vatter die Gnad hatte/ unsichtbare Ding zusehen/ als sahe er/ was massen die Seel deß Bruders von den Schaaren der Englen in den Himmel begleitet wurde. Als nun die Seel für die Himmels-Porten ankommen war/ da gab es ihrenthalber eine Frag ab. Und endlichen sprach ein Stimm auß der Höhe: Es ist zwar bekant und offenbahr/ daß dieser Bruder etwas träg und hinläßig gewesen ist/ nichts destoweniger umb seiner Pilgerfahrt willen/ und dieweilen er in der Frembde gestorben ist/ als solle ihm der Himmel geöffnet werden. Bald hernach starb auch der andere Bruder/ welcher dort herumb zu Hauß war/ und dieser wurde in seiner Kranckheit von seiner gantzen Freundschafft besuchet. Sintemahlen aber zu Abholung dieser Seel keine Engel erscheinen wolten/ als thäte sich der besagte Alt-Vatter zum höchsten verwundern; er fiele derowegen vor GOtt dem HErrn auff sein Angesicht nieder/ und sprach: Mein GOTT/ wie kan es seyn/ daß diesem Frembdling/ der doch so saumselig gewesen ist/ ein solche Ehr solle widerfahren seyn/ und daß hingegen dieser fleißige Bruder nichts dergleichen solle verdienet haben? hierauff gab ihm ein Stimm das folgende zur Antwort: dieser fleißige Bruder/ als er sterben wollte/ hat seine Augen noch niemahlen auffgethan/ und weilen er seine Eltern und andere gute Freund weinend sahe herum stehen/ als hat sein Seel noch einen Trost darab empfangen. Der Frembdling aber/ ob er schon etwas saumseliges gewesen/ hat nichts dergleichen genossen/ und niemand von den Seinigen gesehen: sondern er hat geweinet/ und derentwegen ist er von GOtt dem Allmächtigen getröstet worden.
Narravit alter quidam Patrum, quia erat aliquis solitarius in eremo Nilipoleos, et ministrabat ei quidam sæcularis, sed fidelis. Erat autem et in eadem civitate homo, qui erat dives, et impius. Contigit autem ut moreretur ille dives, et ducebat eum tota civitas simul et episcopus cum lampadibus. Egressus est autem et ille qui ministrabat illi solitario, secundum consuetudinem portans illi panes; et invenit, quia comederat eum bellua, et cecidit in faciem suam in conspectu Domini, dicens: Non surgam hinc, donec demonstretur mihi a Deo quæ sunt hæc; quia ille quidem impius talem apparatum habuit in deducendo; hic vero, qui servivit tibi die noctuque, ista pertulit. Et ecce angelus Domini veniens dixit ei: Ille impius habuit parvum opus bonum in hoc sæculo, et recepit illud hic, ut illic nullam requiem inveniat: iste autem solitarius, quia homo erat ornatus ad omnem virtutem, habebat vero et ipse, ut homo, modicum aliquid culpæ, et recepit illud hic, ut ibi inveniatur purus coram Deo. Et ita consolatus in his verbis, abiit glorificans Deum super judicia ejus, quia vera sunt.
Ein anderer Alt-Vatter verzehlte/ daß ein Einsidler in der Wildnüß bey der Stadt Nilopolis gewesen/ welchem ein weltlicher/ aber sehr GOttes-förchtiger Mann gedienet hab. Es wäre aber in der besagten Stadt ein reicher und zumahlen ein gottloser Mann. Als derselbige gestorben/ da ist sein Leichnam/ von dem Bischoffen deß Orths/ und der gantzen Burgerschafft mit Liechtern zum Grab begleitet worden. Einsmahls aber/ als dieser fromme Mann hingienge/ seinem Einsidler das Brod nach Gewohnheit zu bringen: da fande er daß derselbige eben von einem wilden Thier gefressen wurde. In Ansehung dessen fiele er mit Verwunderung auff die Erden nieder für das Göttliche Angesicht/ und sprach: Ich will von disem Orth nimmermehr auffstehen/ biß mir GOtt der Allmächtige anzeigt/ was das bedeute? daß nehmlich dieser gottlose Mensch/ mit einer solchen prächtigen Todten-Leich zur Erden bestättiget/ und hingegen dieser Einsidler/ welcher dir mein GOTT/ Tag und Nacht gedienet hat/ solcher gestalten von den wilden Thieren/ ist zerrissen worden? auff dieses Gebett erschiene dem guten Mann der Engel deß HERRN/ und sprach: dieser gottlose Mensch hatte noch etlich wenige gute Werck/ welche ihm auff dieser Welt belohnet worden/ damit er ja in der andern Welt kein Ruhe zugewarten hätte: dieser so heilige und tugendhaffte Einsidler aber/ hatte gleichwohl noch ein und andere/ zwar nur kleine sündliche Schulden zu bezahlen/ umb derentwillen ihm ein solche Schmach auff dieser Welt widerfahren ist/ damit er in der andern Welt vor GOTT dem Allmächtigen gantz pur und rein erfunden würde. Auff diese Wort/ gienge der fromme Mann getröstet widerum nacher Hauß/ und lobte die Urthel GOttes/ welche jederzeit warhafftig/ und gerecht seynd.
Sancti Patres de Scythi prophetaverunt de ultima generatione, dicentes: Quid operati sumus nos? Et respondens unus ex illis vir magnæ vitæ, nomine Cyrion dixit: Non mandata Dei custodimus. At illi respondentes dixerunt: Hi vero qui fuerint post nos, quid erunt facturi? Qui dixit eis: Dimidium operis nostri operaturi sunt. Et dixerunt ei: Hi autem, qui post ipsos fuerint, quid facient? Qui respondit: Omnino non habebit operationem generatio illa ventura. Esse autem illis video tentationes, et qui reperti fuerint probati in tempore illo, meliores super nos et Patres nostros erunt.
Die heilige Vätter in der Wildnüß haben einsmahls von den letztern Zeiten folgender massen prophezeyt und vorgesagt: Was haben wir gethan/ fragten sie? hierauff sprach ein heiliger Mann mit Namen Cyrion: wir haben noch die Gebott Gottes gehalten. Als sie ihn aber fragten/ was dann die Nachkömmling thun wurden? Da sprach er: Vielleicht werden sie den halben Theil unserer Wercken verrichten. Was werden aber/ fragten sie weiters/ diejenige thun/ welche nach denselbigen aufferstehen werden? gar nichts/ antwortete er/ werden dieselbige würcken. Sondern ich siehe daß sie grosse Versuchungen werden müssen außstehen/ diejenige aber welche sich zur selbigen Zeit probiert/ und bewährt werden erfinden lassen/ die werden besser seyn/ als wir und alle unsere Vätter.
Narravit quidam senex, dicens: Quia erat quædam virgo provecta ætate valde, quæ profecerat in timore Dei. Et interrogata a me, quæ res eam ad hanc adduxerit conversationem, illa ingemiscens cœpit dicere: Mihi quidem, o mirabilis vir, cum adhuc essem parvula, erat pater modestus ac mansuetus moribus, debilis vero et infirmus corpore: qui ita vixit curam sui agens, ut vix aliquando videretur ab his qui in eodem habitabant vico: terram autem suam assidue operabatur, et ibidem semper occupabat vitam suam. Si quando fortasse sanus fuisset, fructus culturæ suæ domi portabat; plurimum autem temporis in lecto et languoribus detinebatur, tantaque ei erat taciturnitas, ut ignorantibus eum sine voce crederetur esse. Mater vero mihi erat e contrario curiosa absque modo, et quæ ultra omnes quæ erant in regione hac turpior esset; sermones vero ejus ita ad universos movebantur, ut putaretur omne corpus ipsius lingua esse: lites frequentius commovebantur ad omnes ab ipsa; in ebrietate autem vini, cum viris luxuriosis demorabatur. Dispensabat autem et ea quæ intus domi erant tanquam meretrix pessima, ut etiam substantia multa valde non potuerit nobis sufficere; nam huic a Patre meo delegata erat dispensatio domus: corpore autem suo ita in turpitudine abutebatur, ut pauci de vico ipso potuerint effugere libidinem ejus. Nunquam corpori ejus morbus occurrit, nec dolorem aliquem sensit vel aliquantulum, sed a nativitate sua usque ad ultimum diem integrum sanumque corpus suum possedit. Inter hæc contigit ut pater meus longa ægritudine fatigatus moreretur, et continuo aer commotus est, et pluvia et coruscationes atque tonitrua aerem conturbabant, et neque nocte neque die imber cessando triduo super lectum sine sepultura fecit eum manere, ita ut homines vici illius moventes capita admirarentur quod tam malum universos lateret, dicentes: Sic enim Dei erat inimicus, ut nec terra eum recipiat ad sepulturam. Sed tamen ne intra domum dissoluta membra ejus ingressum prohiberent habitantibus, imminente adhuc aere turbido et pluvia descendente, vix aliquo modo eum sepulturæ tradidimus. At vero mater mea post hæc licentia plurima accepta, cum improbitate maxima corporis sui libidine abutebatur, et prostibulum deinceps faciens domum nostram in multa luxuria vixit atque deliciis. Et dum adhuc parvula essem, et deficeret nobis substantia nostra, vix aliquando cum timore, sicut mihi videtur, morte illius adveniente tantam meruit funeris prosperitatem, ut etiam putaretur aer simul in exsequiis deducere funus ejus. Ego vero post obitum ejus puellarem egressa ætatem, et desideria titillationesque jam corporis cum me permoverent, in quadam die ad vesperam, ut fieri solet, cogitare cœpi atque considerare cujus vitam eligerem imitandam; utrum patris, qui modeste, et mansuete, et sobrie vixit; sed rursum recogitabam illud, quia nihil in vita sua consecutus est boni, sed per omne tempus in infirmitate et tribulatione consumptus esset, ita finem vitæ accipiens, ut nec sepulturam ejus terra reciperet. Si igitur bona esset hujusmodi conversatio apud Deum, quare ergo tantum malorum consecutus est pater meus, qui sic vivere elegit? Sed sicut mater, inquit cogitatus meus, bonum est vivere, tradere voluptati, luxuriæ ac libidini corpus; etenim illa nullum opus turpe prætermisit; in ebrietate autem omne tempus incolumis atque prospere degens, ita vitam suam explevit. Quid ergo? Sic oportet me vivere, sicut mater vixit; melius est enim propriis oculis credere his quæ manifeste cognita sunt, et nihil prætermittere. Et cum placuisset mihi miseræ eidem me constituere vitæ, supervenit nox, et sopor continuo mihi accessit. Post hos sermones astitit mihi quidam grandi quidem corpore, aspectu autem horribilis; deinde intuendo me perterrens, iracunda visione et aspera voce interrogabat me: Dic mihi, inquit ille, quæ sunt cogitationes cordis tui? Ego autem ab aspectu ejus et habitu tremefacta, neque aspicere in eum audebam. Majore vero voce usus, iterum jussit ut ea quæ mihi placuerant pronuntiarem. Ego autem præ timore dissoluta, et omnes oblita cogitatus, nihil esse dicebam. Ille vero negante me revocabat universa ad memoriam, quæ in corde meo meditata eram. Ego autem convicta et ad precem conversa, supplicabam veniam consequi, et causam ei narrabam hujusmodi cogitatus. Qui ait mihi: Veni et vide utrosque, patrem et matrem, et quam volueris vitam deinde elige tibi; et apprehendens mihi manum, trahebat. Ducens autem me in quemdam campum magnum, habentem paradisos multos et diversos fructus, et varias arbores, et pulchritudinem inenarrabilem, introduxit me intus illic. Occurrens autem mihi pater meus, amplexatus est me, et osculabatur, filiam me vocans. Ego vero circumplexa eum, rogabam ut manerem cum ipso. At ille, Nunc, inquit, non potes hic esse; si vero mea sequi vestigia volueris, venies huc non post multum tempus. Cum autem adhuc ego deprecarer manere cum ipso, trahens me rursum manu, qui me ibi duxerat: Veni, ait, ostendam tibi et matrem tuam, quæ igne exuritur, ut scias ad quem horum debeas declinare vitam tuam. Statuens autem me in domo tenebrosa atque obscura, omni stridore perturbationeque repleta, ostendit mihi fornacem ignis ardentem et picem ferventem, et quosdam illic terribiles aspectu stantes super fornacem. Ego autem inspiciens deorsum video matrem meam in fornace usque ad collum demersam. stridentem dentibus et igne ardentem, et vermium multum fetorem fieri. Videns autem me illa, cum ululatu clamabat, filiam me vocans: Heu me, filia, de propriis operibus hæc patior; quia quasi deliramenta mihi videbantur universa quæ de sobrietate erant: opera autem fornicationis et adulterii non mihi credebam esse tormenta; ebrietatem vero et luxuriam non arbitrabar esse pœnas; et ecce propter parvam libidinem, quantam recipio gehennam et sustineo pœnas; ecce propter exiguas delicias quanta exsolvo tormenta; ecce pro contemptu Dei, quales recipio mercedes; apprehenderunt enim me universa immobilia mala. Nunc est tempus auxilii, o filia; nunc recordare nutrimentorum quæ a me consecuta es; nunc retribue beneficium si quid boni aliquando accepisti. Miserere, inquit, mei quæ ardeo igni et ab ipso consumor; miserere mei quæ in hujusmodi cruciatibus exanimor; miserere mei, filia, et porrigens manum tuam educ me de hoc loco. Me autem recusante hoc facere propter eos qui ibi astabant, rursus cum lacrymis clamabat: Filia mea, adjuva me, et noli despicere fletum propriæ matris tuæ: memento doloris mei in die parturientis te, et ne me despicias quæ gehennæ igne depereo. Ego autem a voce ejus lacrymis commota, humanum aliquid patiebar, et cœpi cum clamore condolens ei ingemiscere. Exsurgentes vero hi qui erant in domo mea, et accendentes ignem, causam mugitus mei interrogabant me: ego autem narravi eis quæ videram. Et sic etiam unum hoc deliberavi, ut patris mei sequerer vitam, certa facta per ineffabilem misericordiam Dei, quæ pœnæ repositæ sunt his qui maligne vivere volunt. Siquidem illa beata virgo ex ipsa visione cognoscens, multam esse et bonorum retributionem operum, et malorum actuum turpis vitæ maximas esse pœnas renuntiabat; ideoque efficiamur melioris consilii nobismetipsis, ut possimus beati fieri.
Ein Alt-Vatter hat verzehlet und gesagt: Es lebte vor Zeiten ein zimlich alte/ und in der GOttes-Forcht wohlgegründte Jungfrau. Als ich dieselbige einsmahls fragte/ wie und was gestalten sie zu disem ihrem guten Wandel gelangt wäre? da gabe sie mir mit vielen Seufftzern die folgende Antwort: Mein Herr/ als ich noch jung war/ da hatte ich einen gar ehrbaren/ sanfftmüthigen/ und sittsamen Vatter/ welcher doch jederzeit kranck und schwach war. Er lebte dergestalten eingezogen/ daß er gar selten von seinen Mit-Burgern/ welche in demselbigen Dorff wohnten/ gesehen ward. Er bauete seine Felder sehr fleißig und thäte sein gantze Lebens-Zeit in Mühe und Arbeit zubringen. Wann er es Gesundheit halber vermöchte/ so truge er seine Früchten gemeiniglich auf dem Rücken nacher Hauß; jedoch war er die meiste Zeit kranck und Bethligerig/ dem Stillschweigen war er dermassen ergeben/ daß er von denjenigen/ welche ihn nicht kennten/ für einen sprachlosen und stummen Menschen gehalten wurde. Hingegen hatte ich zur Mutter/ ein über die massen fürwitziges und häßliches unkeusches Weib: Sie ware so geschwätzig/ daß es schine/ als wann ihr gantzer Leib/ und alle Glieder nichts als ein lauter geschwätzige Zung wäre: sie zanckte mit jederman: dem Wein- und Vollsauffen/ und Gesellschafften der leichtfertigen Manns-Persohnen/ war sie gar starck ergeben: alles was wir im Hauß hatten/ das verschwendete sie als ein leichtfertiges Weib/ also zwar daß unser wiewohlen zimlich grosses Vermögen nicht erklecken möchte; dann das gantze Haußweesen war ihr von unserm Vatter anvertrauet: ihren schnöden Leib thäte sie in Unzucht dergestalten mißbrauchen und feil bieten/ daß wenig Männer in dem gantzen Dorff waren/ welche nicht von ihrer Geilheit zum Fall gebracht wurden. Sie wußte nichts von keiner Kranckheit oder Schmertzen/ sondern ihr lebtag war sie allzeit frisch und gesund. Endlichen aber hat es sich begeben/ daß mein Vatter/ nach einer langwürigen Kranckheit/ dieses zeitliche Leben geendet hat/ nun war er kaum todt/ da erhube sich ein solches Winden und Wehen/ ein solches Regnen/ Donnern und Blitzen/ daß es Tag und Nacht niemahlen auffhörte/ und dessentwegen muste mein armer Vatter drey gantzer Tag umbegrabner auff seinem Bethlein ligen: die Leuth im gantzen Dorff schüttleten die Köpff über diesen Handel/ und vermeinten gäntzlich es müste ein grausames Laster-Stück hinter disem Mann gesteckt seyn/ dann sie sagten gut teutsch: Dieser Mensch muß ein solcher Feind GOttes gewesen seyn/ daß ihn die Erd nicht mag zur Begräbnuß auff- und annehmen. Nichts destoweniger/ damit der Leichnam nicht auff dem Beth verfaulete/ und jederman das Hauß verleiten thäte/ als haben wir endlich mit harter Mühe/ in allem Regen/ und noch bey währendem disem ungestümmen Wetter/ meinen Vatter/ so gut als wir kondten in die Erden begraben. Nach dem Todt deß Vatters/ gebrauchte sich mein Mutter einer noch grösseren Freyheit als zuvor/ sie mißbrauchte in höchster Gottlosigkeit ihren Leib dergestalten/ daß sie unser Hauß zum gemeinen Huren-Hauß machte/ und also fort in allen unzimlichen Wollüsten thät leben. Unterdessen aber als ich noch jung und klein/ unser Vermögen aber im starcken Abnehmen war/ da ist auch endlichen diese meine Mutter/ und zwar soviel ich weiß/ ohne alle GOttes-Forcht gestorben/ und hat gleichwohl ein solche ansehentliche Leich-Begleitung erlanget/ daß es schiene/ als wolte ihr der schöne Himmel/ und das gute Wetter selbsten mit der Leich gehen. Nach dem Todt meiner Mutter/ als ich nun zimlichermassen erwachsen war/ und mich die fleischliche Begierden anfiengen zu kützlen und zu bewegen/ da thät ich eines Tags gegen Abend/ anfangen hin und her zugedencken und mich zu besinnen/ welchem auß beyden Eltern ich in meinem Lebens-Wandel/ solte nachfolgen; ob ich deß Vatters/ welcher züchtig/ nüchtern und sanfftmüthig gelebet hatte/ sein Leben solte erwöhlen: gleich aber fiele mir darbey auch diß ein/ daß mein Vatter all sein lebtag nichts guts genossen hätte/ sondern daß er die gantze Zeit in Kranckheit und Trübsaal hätte müssen sitzen und schwitzen/ und zu Grund gehen/ also zwar daß er auch nach seinem Todt schier nicht köndte unter die Erden gebracht werden. Wann derowegen/ sprach ich bey mir selbsten/ sein Wandel so gut und GOTT gefällig wäre gewesen/ so solten ihn ja nicht so viel Ubel ergriffen und belästiget haben/ eben darum dieweil er ein so frommes Leben erwöhlet und geführet hat. Besser derowegen ist es/ (also gaben mir meine Gedancken ein) leben wie mein Mutter gelebet hat/ thun was der Brieff vermag/ und seinem Leib allen Wollust und Geilheit gestatten: dann kein Laster-That ware meiner Mutter zu groß: in Vollerey und Hurerey hat sie all ihr Leben glücklich durchgebracht und vollendet. Was soll ich anfangen? ich will halt leben wie mein Mutter gelebet hat: dann besser ist es den eignen Augen glauben/ in solchen Sachen/ welche offenbahr und bekandt seynd/ und ihm selbsten keinen Wollust versagen. Indessen aber als ich armseelige mich zu einem solchen leichtfertigen Leben thäte entschliessen/ kame die Nacht herbey/ und ich wurde von einem Schlaff überfallen. Bald hernach/ als ich solche Reden bey mir selbst geführet hatte/ und kaum darüber eingeschlaffen war/ da stunde einer neben mir/ welcher groß vom Leib/ und von Angesicht erschrölich war: dieser erschröckte mich mit einem ernstlichen Blick/ und fragte mich mit zornigen Augen/ und mit rauher Stimm: sag her/ sprach er/ was für saubere Gedancken hast du in deinem Hertzen bißhero geführet? ab dieser Frag/ wie auch durch das zornige Angesicht/ und andere Gebärden/ wurde ich dergestalten erschröckt/ daß ich ihn nicht mehr dörffte anschauen/ will geschweigen eine Antwort geben. Er aber hiesse mich mit noch rauhern Worten dasjenige nur bälder als bald bekennen/ wessen ich mich entschlossen hätte. Ich aber an allen Glidern zitternd/ wuste nichts mehr umb meine vorige Gedancken/ und köndte ihm also auch nichts anders antworten/ als daß ich gar nichts wuste. Er aber/ da ich laugnete/ führte mir alles dasjenige wider zur Gedächtnüß/ was ich zuvor in meinem Hertzen gedacht hätte. Nachdem ich derowegen überwisen ward/ da nahm ich mein Zuflucht zum Gegebett/ ich bate umb Verzeyhung/ und verzehlte ihm die Ursach/ welche mich zu solchen Gedancken verleitet hätte. Er aber sprach zu mir: Komme her und siehe zuvor dein Vatter und Mutter/ und darnach thue dir ein Leben deines Gefallens außerwöhlen: darmit nahm er mich bey der Hand/ und führte mich darvon. Und erstlich zwar führte er mich auff ein grosses Feld/ allwo viel herrliche Lust-Garten/ köstliche Früchten/ allerhand Bäum/ und kurtz zu sagen/ ein unbeschreibliche Schönheit zu sehen war. Dorten begegnete mir mein lieber Vatter/ welcher mich auch umbfieng/ und küssete/ und sein Tochter nennete. Ich meines Theils fiele demselbigen ebenmäßig umb den Halß/ und bate ihn/ daß er mich an disem Orth/ bey sich behalten wolte. Er aber gab mir zur Antwort: Anjetzo mein Tochter/ kan es noch nicht seyn/ wirst du aber meinen Fußstapffen getreulich folgen/ so wirst du über ein kurtze Zeit hiehero beruffen werden. Indem ich nun in meinem Bitten verharrete/ und mit Gewalt allda verbleiben wolte/ da nahme mich mein Führer abermahlen bey der Hand/ und sprach: Komme her/ ich will dir jetzo auch dein Mutter zeigen/ welche dorten im Feur sitzt/ auff daß du dein Leben darnach anzustellen weissest. Er brachte mich derowegen von dannen in ein sehr dunckles und finsteres Hauß/ welches voller Verwirrung und Getümmel ware/ allda zeigte er mir einen feurigen Ofen/ das zerlassene Bech/ und auff dem Ochsen etliche abscheuliche Gespenster. Als ich dorten hinunter schauete/ da sahe ich alsobald mein elende Mutter/ welche biß an den Halß in dem Feur-Ofen versenckt war/ sie kürrete mit den Zähnen/ sie ware gantz mit Feuer und Flammen/ mit höllischen Würmen und Gestanck umgeben. So bald sie mich erblickt hatte/ da schrye sie mir heulend zu/ sie nennte mich ihr Tochter/ und sprach: Wehe mir mein Tochter/ wehe mir/ dieses alles leide ich meiner sündigen Wercken halber; dieweilen ich nemlich dasjenige/ was man mir von dem nüchteren und vernünfftigen Leben sagte/ für ein lautere Narrenthey gehalten hab: Ich glaubte nicht/ daß mir mein Huren und Ehebrechen ein solche Straff; und daß mir mein Vollerey und Geilheit ein solche Peyn solte können über den Halß ziehen. Sihe/ mein Tochter: Ach sihe/ wie ich die genossene kleine Süßigkeit so bitter und sauer muß bezahlen: Da sihest du/ wie die Verachtung GOttes so peinlich an mir gestrafft wird; Sintemalen mich allda alle/ und zwar die ewige Ubel ergriffen haben. O mein Tochter/ jetzt ist es Zeit zu helffen; jetzt gedencke/ daß ich dich erzogen und ernähret hab; und habe dir jemahlen etwas gutes gethan/ so thue mir doch dasselbige anjetzo vergelten. Erbarme dich deiner armseligen Mutter/ welche mitten in disem Feuer brennet und bratet: Erbarme dich meiner/ die ich in diesen grausamen Peinen zu Grund gehe: Ach ja/ mein Tochter! Ach erbarme dich meiner/ reiche mir dein Hand her/ und thue mich auß disem erschröcklichen Orth herauß reissen. Als ich mich nun entschuldigte/ daß ich dieses wegen der dort-herum-stehenden abscheulichen Gespenstern nicht thun dörffte/ da schrye sie viel ärger als zuvor: Ach mein Kind hilff mir/ und lasse deine eigene Mutter nit solcher Gestalten vergebentlich weynen und schreyen: Ach gedencke der Schmertzen/ welche ich bey deiner Geburt umb deinetwillen erlitten hab/ und verachte mich Elende nicht/ die ich in diesen höllischen Peinen verschmachte. Auff dieses Zuschreyen meiner Mutter/ wurde ich von den Zähern überfallen/ ich hatte ein hertzliches Mitleyden/ und fienge mit ihr an zu seufftzen und zu schreyen. Unterdessen hörten mich die Leuth im Hauß/ sie stunden derowegen auff/ sie zündten ein Liecht an/ und kamen mich zu fragen/ was ich für ein erbärmliches Geplerr thäte anfangen? Ich aber thät ihnen alles erzehlen/ was ich gesehen hatte. Und darauff hab ich mich auch entschlossen dem Leben meines Vatters nachzufolgen/ dann ich war nunmehr durch die Barmhertzigkeit GOttes völlig berichtet und unterrichtet/ was für Peinen auf diejenige thäten warten/ welche ein gottloses Leben auf dieser Welt führen. Und also erkennte dise Gottseelige Jungfrau auß dem bemeldten Gesicht/ daß die Widergeltung und die Belohnung der guten Wercken häuffig und reichlich/ die Bestraffung aber eines gottlosen und unzüchtigen Lebens über die massen groß wären/ und dessentwegen thäte sie dieser Welt absagen/ und ihro den Rücken zeigen: Wir aber sollen uns ebenmäßig eines bessern besinnen/ damit wir auch dermahleins die ewige Seeligkeit erlangen mögen.
Narravit iterum senex et de quodam episcopo, ut maxime ex eo fiduciam accipientes diligentiam nostram in Deo habeamus ad salutem. Nuntiabatur a quibusdam episcopo, qui apud nos consistebat, sicut hæc ipse episcopus referebat, quasdam sæcularium matronarum duas esse mulieres fideles, quæ quasi impudice viverent. Episcopus autem ex his qui ei hæc nuntiaverant commotus est, et suspicatus ne forte et alæ hujusmodi essent, ad deprecandum Deum se convertit, inde certus effici rogans, quod et meruit. Post divinam enim illam atque terribilem consecrationem, dum accederent singuli ad participanda sancta mysteria, per vultus eorum cernebat animas quibus unaquæque subjaceret peccatis. Et peccatorum quidem hominum videbat facies nigras, quosdam vero ipsorum tanquam ab æstu exustas facies habentes, oculos autem rubeos ac sanguineos; alios autem eorum claros quidem facie, candidos vero amictu. Et alii quidem, cum acciperent corpus Domini, exurebat eos et incendebat; aliis autem sicut lumen efficiebatur in se. et per os ingressum, omne corpus eorum illuminabat. Erant autem inter ipsos etiam qui solitariam vitam elegerant, et hi qui in conjugiis erant, qui et ipsi ita esse videbantur. Deinde convertit se, et cœpit etiam ipse mulieribus distribuere, ut cognosceret quales et ipsarum essent animæ; et vidit simili modo fieri nigras atque rubeas facies earum, sanguineas quoque et albas. Interipsas autem advenerunt et illæ duæ mulieres, quæ accusatæ erant illi episcopo, propter quas maxime ad hanc precem et prævidentiam venerat: cernit etiam ipsas, dum accedunt ad sanctum mysterium, clarum habentes vultum et honorificum, candida vero stola circumamictas. Deinde cum et ipsæ participatæ fuissent mysterio Christi, factæ sunt sicut a lumine illustratæ. Rursum episcopus ad solitam precem convertebatur, supplicans Deo, et discere cupiens modum revelationum, quæ ei demonstratæ fuerant. Astitit autem angelus Domini, et de singulis interrogare præcipiebat. Sanctus vero episcopus continuo de illis duabus sciscitabatur mulieribus, si vera esset illa prima accusatio, an falsa; at vero angelus affirmabat vera esse omnia quæ dicta de eis fuerant. Episcopus quoque ait ad angelum: Et quomodo in perceptione corporis Christi splendidæ erant facies earum, albam autem stolam habebant, lumine quoque fulgebant non parvo? Ait autem angelus: Eo quod resipuerunt de actibus suis, et discedentes ab his lacrymis et gemitibus atque eleemosynis pauperum, per confessionem divinum meruerunt numerum: de cætero in his malis nunquam ambulare promittentes se, si quidem de prioribus delictis veniam mereantur. Propter hoc ergo meruerunt divinam immutationem, et a criminibus absolutæ sunt et vivent deinceps sobre ac pie, et juste. Episcopus autem mirari se dicebat, non tantum de immutatione illarum mulierum (hoc enim contigit multis fieri), sed Dei donum, qui non solum eas tormentis minime subjecit, sed etiam tantam eis dignatus est donare gratiam. Ait autem angelus ad eum: Admiraris hoc juste, quasi homo; Dominus autem ac Deus noster et vester cum naturaliter sit bonus ac misericors his qui discedunt a propriis delictis, et per confessionem accedunt ad eum, non tantum in tormenta eos ire non sinit, sed etiam furorem suum mitigat ab eis, et honore dignos facit; etenim sic dilexit Deus mundum, ut Filium suum unigenitum daret pro eo. Qui igitur cum inimici essent homines, mori pro ipsis elegit; non multo magis domesticos effectos eos, et pœnitentiam super his quæ gesserant agentes, absolvit a pœnis? His vero, quæ ab ipso præparata sunt, bona præstabit fruenda; hoc ergo scito, quia nulla delicta hominum vincunt clementiam Dei: tantum per pœnitentiam ea quæ pridem quis mala gesserat abluat actibus bonis. Cum enim sit misericors Deus, scit infirmitatem generis vestri, et passionum fortitudinem, et diaboli potentiam atque astutiam, et incidentibus quidem hominibus in peccatis, quasi filiis ignoscit, et exspectat correctionem eorum, patientiam habens in eis. Convertentibus vero atque ejus exorantibus bonitatem, tanquam infirmis compatitur; et absolvit confestim tormenta eorum, et donat eis bona quæ præparata sunt justis. Ait autem episcopus ad angelum: Obsecro te, dic mihi etiam vultuum differentias, in quibus peccatis unusquisque eorum subjaceat; ut etiam et de his agnoscens, ab omni liberer ignorantia. Angelus autem dixit ad eum: Hi quidem, qui splendido atque hilari vultu sunt, in sobrietate, et castitate, et justitia vivunt, modesti quoque et condolentes ac misericordes sunt. Hi vero qui nigras habent facies, fornicationis et libidinis operarii sunt, cæterisque sceleribus et delictis dediti. Hi vero qui apparuerunt sanguinei ac rubei, in malignitate et injustitia viventes sunt, amantes detractiones, blasphemi, dolosi, et homicidæ sunt. Rursum dicit ei angelus: Adjuva eos, si quidem salutem ipsorum desideras; propterea etiam meruisti orationum tuarum effectum, ut videndo discas discipulorum tuorum peccata et per admonitiones atque obsecrationes, meliores per pœnitentiam eos facias ei qui pro ipsis mortuus est, et resurrexit a mortuis, Jesu Christo Domino nostro. Quantacunque igitur tibi virtus est et studium ac dilectio circa Dominum tuum Christum, omnem eorum gere providentiam, ut convertantur a propriis peccatis ad Deum, suadens eis manifeste quibus peccatis subjaceant, ne propriam desperent salutem ex hoc. Pœnitentibus quidem illis et convertentibus ad Deum animabus eorum salus erit et epulatio futurorum bonorum; tibi vero erit plurima merces, imitando Dominum tuum, qui cœlos quidem reliquit, in terris autem demoratus propter salutem hominum est.
Abermahlen verzehlte ein Alt-Vatter etwas von einem Bischoff/ darauß wir billich ein gutes Vertrauen zu GOtt/ und einen Eyfer und Fleist in Würckung unsers Heyls können und sollen schöpffen. Es wurde nemlich disem Bischoff/ welcher bey uns ware/ hinterbracht/ massen er selbsten erzehlte/ was gestalten zwey Weltliche/ jedoch Catholische Weiber/ ein unzüchtiges Leben thäten führen. Der Bischoff wurde durch diese Bottschafft nicht wenig bewegt/ und verschröckt/ und auß Forcht/ daß vielleicht noch mehr dergleichen seyn möchten/ begab er sich in das Gebett/ und verlangte von GOtt in dieser Sach ein besseren Bericht zu vernehmen/ massen dann ihme auch die Gnad widerfahren ist. Dann nach vollbrachter Wandlung der Göttlichen und erschröcklichen Geheimnussen deß Altars/ als jederman communicierte/ da konte er auß den Gesichtern die Beschaffenheit der Seelen/ und in was für Sünden ein jeglicher steckte/ erkennen und abnehmen: dann die Angesichter derjenigen/ welche in Sünd und Lastern waren/ die kamen ihm gantz schwartz vor/ etlicher ihre Gesichter waren gleichsam von der Hitz gantz verbrennt/ ihre Augen aber die waren gantz blut-roth. Etliche aber hatten ein glantzendes Angesicht/ und gantz schneeweisse Kleider. Andere/ wann sie den zarten Fronleichnam unsers HErren empfiengen/ wurden von demselbigen gleichsam gebrennt und angezündet; Anderen hingegen wurde das Hochwürdige Gut zu einem lauteren schönen Liecht/ und sobald sie es empfangen hatten/ da thäte es ihren gantzen Leib erleuchten. Und dieses begabe sich nit allein an unterschiedlichen Geistlichen und Einsidleren/ sondern auch an den Eheleuthen. Nachdeme nun die Männer communiciert hatten/ da thäte der Bischoff auch den Weibern die Gnadenreiche Geheimnüssen ertheilen/ um zu sehen/ wie und was gestalten auch ihre Seelen möchten beschaffen seyn; Er sahe aber eben/ wie bey den Männern/ schwartze/ rothe und blutige/ wie auch schöne und gläntzende Angesichter. Unter anderen giengen auch hinzu diejenige zwey Weiber/ welche bey dem Bischoff verklagt worden/ umb derentwillen er auch meistens bey GOtt dem Allmächtigen umb diese Offenbahrung angehalten hatte: Er sahe aber daß auch sie mit einem gar schönen und ehrwürdigen Angesicht/ und in gantz schneeweisser Kleidung den wahren Leib Christi empfiengen. Und daß sie nach Empfangung desselbigen von einem Göttlichen Liecht gantz erleuchtet wurden. Derowegen begabe er sich abermahlen ins Gebett/ und begehrte von GOtt/ daß er ihm doch diese Offenbahrung umständlicher erklären wolte. Darauff stunde alsobald neben ihm der Engel deß HErrn/ mit dem Befelch/ daß er nun alles dasjenige/ daran er einen Zweiffel hätte/ kecklich fragen und sagen solte. Hierauff fragte der H. Bischoff vor allem/ ob diese zwey Weiber wahrhafftig oder fälschlich bey ihme wären verklagt worden? Als ihm aber der Engel antwortete/ daß es alles wäre wahr gewesen/ was er von den besagten zweyen Weibern vernommen hätte: da sprach er: Warum waren dann ihr Angesichter bey der H. Communion gantz schön und gläntzend? warum ihre Kleider gantz weiß? und warum wurden sie mit einem solchen Liecht erleuchtet? Darum antwortete der Engel: dieweilen sie sich bekehret/ und mit vielen Seufftzern und Zähern/ durch Beichten und Allmosen geben/ sich widerum in die Zahl der Kinder GOttes gesetzt haben: Mit dem Versprechen/ und Fürnehmen sich hinfüro der begangenen Missethaten zu bemüßigen/ wann sie nur die Verzeyhung von GOtt dem Allmächtigen erhalten werden. Und also haben sie nit nur ein solche wunderbarliche Veränderung verdienet/ sondern sie sind von allen ihren Sünden loß gesprochen worden/ und werden inskünfftig nüchtern/ gerecht und gottseeliglich leben. Auff diese Antwort sagte der Bischoff/ daß er sich nit so sehr ab der Veränderung dieser Weibern (welche sich auch sonsten bey vielen andern ereignete) sondern vielmehr ob der grossen Gütigkeit GOttes thäte verwundern. Als welche nit allein die sündige Weiber nit gestrafft/ sondern sie noch darüber mit solcher grosser Gnad angesehen hatte. Du verwunderst dich/ sprach der Engel billich und recht/ dieweil du ein Mensch bist; Unser und euer GOtt und HErr aber/ dieweilen er von Natur gütig und barmhertzig ist/ lasset diejenige/ welche von ihren Sünden abstehen/ und sich durch die Beicht und Buß zu ihm bekehren/ nit allein in die ewige Straff nit fallen/ sondern er mildert alsobald seinen Zorn/ und machet sie aller Ehren würdig: Dann also hat GOtt die Welt geliebet/ daß er seinen eingebohrnen Sohn gabe. Und warum solle derjenige/ welcher für die Menschen hat wollen sterben/ da sie noch seine Feind waren/ nicht vielmehr dieselbige von ihren Straffen befreyen/ nachdem sie durch ein hertzliche Buß seine Freund und Hauß-Genossen worden seynd? Freylich derowegen wird er solchen die himmlische Güter/ welche er ihnen bereitet hat/ lassen zu theil werden; So sollest du derohalben wissen/ daß die Göttliche Güttigkeit grösser seye/ als alle Sünd und Laster; wann sie anders durch die Buß und durch die gute Werck außgelöscht und abgewaschen werden. Dann es weist und erkennt der barmhertzige GOTT unser menschliche Schwachheit/ die Stärcke der bösen Anmuthungen/ den Gewalt und die Arglistigkeit deß Teuffels/ und in Ansehung dieser Stücken/ thut er den armen Sündern/ wann sie schon fallen/ als seinen Kindern gern wider verzeyhen/ und ihre Buß und Besserung mit gar grosser Gedult erwarten. So bald sie sich aber von ihren Sünden bekehren/ und sein Barmhertzigkeit anruffen/ so hat er ein Mitleiden mit ihrer Schwachheit/ Er thut sie alsobald von der verdienten ewigen Straff ledig und loß zehlen/ und schenckt ihnen diejenige Güter/ welche den Gerechten bereitet seynd. Endlich sprach der Bischoff zu dem Engel: Ich bitte dich/ erkläre mir auch den Unterscheid deren so unterschiedlichen Gesichtern/ und sag mir in was für Sünden ein jeglicher stecke; damit mir auch dißfalls meine Unwissenheit benommen werde. Auff dieses Begehren antwortete der Engel folgender gestalten: Diejenige/ welche du mit einem gläntzenden und frölichen Angesicht gesehen hast/ die leben in Mäßigkeit/ in Reinigkeit und Gerechtigkeit/ sie seynd ehrbar und züchtig/ mitleidig und barmhertzig. Diejenige hingegen/ welche schwartze Angesichter hatten/ die seynd der Unzucht/ der Geilheit und andern Lastern mehr ergeben. Und endlich die/ welche gantz blutroth außsahen/ das seynd boßhaffte und ungerechte Menschen/ das seynd Ehrabschneider und Gotts-Lästerer/ Betrieger und Todtschläger. Derowegen/ sprach der Engel weiters/ wann dir dieser Seelen ihr Heyl lieb ist/ so befleisse dich ihnen zu helffen: Dann eben darum ist dein Gebett von GOtt dem Allmächtigen erhört worden/ daß du die Sünd und Laster deiner Unterthanen sollest sehen und erkennen/ und dich befleissen dieselbige mit Bitten und Ermahnen/ durch die Buß zu verbessern/ und sie demjenigen wider zuzuführen/ welcher für sie gestorben/ und widerum von den Todten auferstanden ist/ nemlich unserm HErrn und Heyland Christo JEsu. So befleißige dich derohalben nach allem deinem Vermögen/ und so lieb dir dein Erlöser ist/ ihrenthalben zu sinnen und zu sorgen/ damit sie von ihren Sünd und Lastern zu GOtt dem HErrn bekehrt werden/ lehre und ermahne sie offentlich/ geb in was für Sünden sie stecken/ daß sie dannoch an ihrer Seelen Heyl im geringsten nit sollen verzweifflen. Und auff diese Weiß werden diejenige/ welche sich bekehren und Buß thun/ die ewige Seeligkeit/ und die Geniessung der himmlischen Wollüsten erreichen: du aber wirst eine sehr grosse Belohnung zu gewarten haben/ sintemalen du hierinfalls demjenigen nachfolgest/ welcher umb deß menschlichen Heyls willen den hohen Himmel verlassen hat/ und auff diese Welt kommen ist.
Referebat quidam Patrum: Quia tres res sunt honorabiles apud monachos, quibus oportet nos cum timore, et tremore, et gaudio spirituali accedere: communicatio sanctorum sacramentorum, et mensa fratrum, et pelvis in qua fratrum pedes lavantur. Proferebatque exemplum tale, dicens: Erat quidem magnus senex prævidens, et contigit ei ut gustaret cum pluribus fratribus. Et comedentibus illis videbat in spiritu idem senex sedens ad mensam quosdam edentes mel, alios autem panem, alios vero stercus. Et admirabatur intra semetipsum, et deprecabatur Deum, dicens: Domine, revela mihi mysterium hoc, quia idem cibus omnibus appositus est super mensam; in manducando autem ita immutatus videtur: et quidam edunt mel, quidam vero panem, alii autom stercus. Et venit ei vox desuper, dicens: Quia illi qui manducant mel, hi sunt qui cum timore, et tremore, et gratiarum actione edunt ad mensam, et incessanter orant; et oratio eorum sicut incensum ascendit ante Deum, ideoque et mel comedunt. Qui autem panem manducant, hi sunt qui gratias agentes percipiunt ea quæ a Deo donata sunt. Illi vero qui stercus manducant, hi sunt qui murmurant et dicunt: Hoc bonum est, illud malum est. Hæc autem talia non oportet cogitare, sed magis glorificare Deum, atque laudes ei offerre, ut et in nobis impleatur illud quod dictum est: Sive manducatis, sive bibitis, sive quid aliud facitis, omnia in gloria Dei facite.
Ein Alt-Vatter pflegte zu sagen: Drey Ding seynd Ehrenwürdig bey den München/ zu welchen wir auch nit anderst als mit Forcht und Zittern/ und mit einer geistlichen Freud sollen hinzugehen; das erste ist die Geniessung der H. Hochwürdigen Sacramenten: das andere der gemeine Tisch der Brüderen: und drittens das Geschirr/ auß welchem den Brüdern die Füß gewaschen werden. Hierauf erzehlte er die folgende Begebenheit/ und sprach: Es ware ein fürtrefflicher Alt-Vatter/ welcher die Gnad hatte/ ein mehrers als andere zu sehen. Nun begab es sich/ daß er einsmals neben andern vielen Brüdern sein Speiß thät einnehmen. Unter währendem Essen sahe dieser Alt-Vatter im Geist/ daß etliche Brüder lauter Honig/ etliche Brod/ etliche aber gar nur Koth thäten essen. Dessen verwunderte er sich zum höchsten/ derohalben bate er GOtt den Allmächtigen/ und sprach: Mein GOtt/ thue mir doch dieses Geheimnüß offenbaren/ dann sihe/ sie empfangen alle von einem Tisch/ einerley Speisen; im Essen aber wird die Speiß dergestalten verändert/ daß sie etlichen in Honig/ andern in Brod/ und etlichen in lauter Koth verkehrt wird. Hierauf hörte dieser Alt-Vatter ein Stimm von oben herunter/ welche sagte: Diejenige/ welche Honig essen/ seynd solche Leuth/ die mit Forcht und Zittern/ und mit Dancksagung ihr Speiß bey dem Tisch geniessen/ und unauffhörlich betten; und solcher Leuthen ihr Gebett thut zu GOtt dem HErrn/ als ein lieblicher Geruch hinauff steigen/ und eben darum essen sie lauter Honig. Diejenige aber/ welche Brod essen/ seynd solche/ welche gleichwol die Gaaben GOttes noch mit Dancksagung empfangen. Und endlich die/ welche nur Koth essen/ seynd solche Leuth/ welche murren und sprechen: Das ist gut/ dieses aber ist nichts guts. Es solle aber nit seyn/ sondern vielmehr solle man GOtt umb alles loben und Dancksagen/ nach der Lehr des H. Apostels Pauli/ welcher sagt: Ihr esset oder trincket/ oder thut etwas anders/ so thut doch alles zu der Ehre GOttes.
Lateinischer Text: Verba seniorum, Buch VI der Vitae Patrum, aus dem Griechischen übersetzt von Johannes, Subdiakon der römischen Kirche, in der Ausgabe von H. Rosweyde, nachgedruckt in Mignes Patrologia Latina, Bd. 73 (Nachdruck 1879), Sp. 993–1022, an den Scans überprüft; ohne die Anmerkungen und Verweise des Herausgebers. · Übersetzung von Matthäus Rottler, Pfarrer zu Hausen im Ehinger Kapitel, Vitae Patrum, oder Leben der Vätter, Augsburg und Dillingen, J. C. Bencard, 1735 (Erstausgabe 1691; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Randbemerkungen und Quellenangaben des Übersetzers sind nicht wiedergegeben. Eine Zufallsstichprobe von 10 % wurde Wort für Wort an den Scans geprüft (1,7 Fehler pro 1 000 Wörter vor der Korrektur; die gefundenen Fehler sind behoben). Druckfehler der Ausgabe sind beibehalten. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden