Worte der Väter (Verba seniorum, Buch VII)
Die Vorrede des Paschasius
De Vitis Patrum liber septimus, sive Verba seniorum, auctore Græco incerto, interprete Paschasio S. R. E. diacono.Von den Leben der Vätter / Das Siebende Buch / Welches Von einem unbekandten Verfasser / in Griechischer Sprach beschrieben / Und vom Paschasio / der H. Röm. Kirchen Diacono / in die Lateinische / Und von Mag. Matthæo Rottler, Priester- und Pfarr-Herrn zu Hausen / in dem Ehinger-Capitel / in die Teutsche Sprach übersetzt worden.
Domino venerabili patri Martino presbytero et abbati Paschasius. Vitas Patrum Græcorum (ut cætera) facundia studiose conscriptas, jussus a te, sanctissime pater, in Latinum transferre sermonem, in insolito, si licuisset, opere renuissem. Neque enim unquam quid scribi, vel legi, vel excudi potest, ingenio aut conscientia cordis prohibente. Scire enim me quod nihil sciam, non audeo dicere, ne verbum hoc sapientissimo Socrati surripiam. Sed quia tua pariter necesse est jussione utar, non gloriabor ingenio; sed fidem quam tibi debeo etiam in opere injuncto præstabo. Verum quia eloquentium virorum libri sunt plurimi sermone Latino conscripti, quorum lectionis expertum esse te etiam astruente testificor, si quid de illis aut hic insertum forte repereris, ut minus eleganter expressum, ne meæ culpæ deputetur, exoro; quia sicut in dato mihi Codice reperi ea scripta, sic transtuli, licet nec ea studiose posse me proferre profiteor. Unde restat ut quod te jubente cœpi, te orante perficiam: quæ tamen si scribenda decreveris, ut tuo polire sermone digneris, exposco. Neque enim mihi liquebit quædam placuisse tibi, si non et aliqua displicuisse cognoverim.
An den Hochwürdigen Vatter und Herrn Martinum / den Abt- und Priester. Heiliger Vatter / eueres Befelches / die Leben der Vättern / welche von der Griechischen Wohlredenheit / (neben vielen andern) fleissig beschrieben worden / in die Lateinische Sprach zu übersetzen / hätte ich mich gern geweigert / wann ich nur hätte därffen. Dann es solle ja keiner über seinen Verstand / und wider sein eignes Gewissen / etwas schreiben / lesen / oder an den Tag geben. Ich darff zwar nicht sagen / ich wisse dieses allein / daß ich gar nichts wisse / damit ich dem weisen Socrati seine Wort nicht abentlehne. Gleichwohl aber wird ich mich vielmehr eueres Befelchs / als meines Verstands berühmen: und in Vollziehung deß aufferlegten Wercks / den schuldigen Gehorsam getreulich erfüllen. Sintemahlen aber schon vor diesem sehr viel Bücher / von unterschiedlichen wohlberedten Männern / in Lateinischer Sprach beschrieben worden / in welchen euere Hochwürden / ihrer eigenen Bekandnuß gemäß / wohlbelesen und erfahren seynd / als bitte ich / sollte man etwas hierinnen antreffen / welches nicht beym besten gegeben / und verdollmetscht wäre / mir solches nicht zu zumessen: dann ich alles nach dem mir fürgelegten Griechischen Buch übersetzt hab / und bekenne gar gern / daß ichs nicht besser gekönt hab. Im übrigen will ich mich auff euer Gebett verlassen / und also den gegebnen Befelch erfüllen: ich bitte aber / sollte man Vorhabens seyn / diese Schrifft an Tag zugeben / euere Hochwürde / wollen das Werck / mit ihren eignen Worten und Reden bezieren / und verbessern. Dann ich wird sonsten nicht können wissen / ob auch etwas darinnen beliebe / wann ich nicht würd erfahren / daß auch ein und anders mißfallen hab.
Lateinischer Text: Verba seniorum, Buch VII der Vitae Patrum, aus dem Griechischen übersetzt von Paschasius von Dumio für Abt Martin (Martin von Braga), in der Ausgabe von H. Rosweyde, nachgedruckt in Mignes Patrologia Latina, Bd. 73 (Nachdruck 1879), Sp. 1025–1062, an den Scans überprüft; ohne die Anmerkungen und Verweise des Herausgebers und ohne den griechischen Text von Kapitel XLIV in den Anmerkungen. · Übersetzung von Matthäus Rottler, Pfarrer zu Hausen im Ehinger Kapitel, Vitae Patrum, oder Leben der Vätter, Augsburg und Dillingen, J. C. Bencard, 1735 (Erstausgabe 1691; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Randbemerkungen und Quellenangaben des Übersetzers sind nicht wiedergegeben. Eine Zufallsstichprobe von 10 % wurde Wort für Wort an den Scans geprüft (1,3 Fehler pro 1 000 Wörter vor der Korrektur; die gefundenen Fehler sind behoben). Druckfehler der Ausgabe sind beibehalten. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden