Abbatia
Sancti Petri
de Curte

Worte der Väter (Verba seniorum, Buch VII)

Dass man um des Friedens willen auch gute Werke lassen soll

Quod oportet pro pace, quamvis bona sunt opera, dimittere.Das X. Büchlein. Den Frieden zu erhalten / soll man auch so gar die gute Werck unterlassen.

1

Abbas Motois ædificavit sibi monasterium in loco qui dicitur Heracleona. Et dum ibi a multis molestaretur, in alterum locum transgressus est, et similiter ibi construxit monasterium. Sed per invidiam diaboli quidam frater ibi inventus est, qui semper iram cum eo habebat: propter hæc surrexit inde, et ad proprium reversus est vicum; et fecit illic monasterium, et reclusit semetipsum. Post tempus autem aliquantum congregati sunt senes de illo unde regressus est, deducentes secum illum fratrem, cum quo habuerat litem, quatenus rogarent eum, ut reducerent in monasterium suum. Postquam autem in vicina loca venerunt, tam melotes suas quam illum fratrem ibidem dereliquerunt, ipsique profecti sunt ad senem. Et pulsantibus illis, aperta fenestra respexit, et cognovit eos. Post orationem factam dicit eis abbas Motois: Ubi sunt melotes vestræ? At illi responderunt: Ecce in vicino sunt una cum fratre, qui tecum iram habebat. Postquam hoc senex audivit, et nomen illius et adventum cognovit, præ gaudio ostium per quod ingressus fuerat. cum securi confregit; et egressus, cucurrit ad locum ubi erat ille frater, et prior ipse cœpit agere pœnitentiam apud eum: et amplectens eum, introduxit in cellam suam, et per tres dies convivatus est cum eis, qui nunquam habebat consuetudinem ut jejunium solveret; et surrexit, profectusque est cum illis.

Es erbauete ihm selbsten der Abt Motois ein Klösterlein / an dem Orth / welches Heracleona genant wird. Sintemahlen aber allda sehr beunruhiget / und überloffen wurde / als wiche er von dannen an ein anders Orth / und thät ihm daselbst abermahlen eine Hütten erbauen. Nun ware ein Bruder allda / welcher auß Anstifftung deß Teufels / fort und fort / wider disen Motois einen Zorn und Unwillen im Hertzen thät tragen: Derowegen machte er sich abermahlen von dannen hinweg / er begab sich nehmlich in sein Dorff / er bauete ihm wieder ein Cellen / und thäte sich in die selbige verschliessen. Uber ein kurtze Zeit hernach versamleten sich seine vorige Mit-Brüder / sie nahmen auch denjenigen zänckischen Bruder mit sich / und giengen hin den Abt Motoem zu bitten / daß er doch wiederum in sein Cellen umbkehren wolte. Als sie nun in die Nähe zu seiner Cell kamen / da liessen sie ihre Beltz zurück / und den bemeldten Bruder darbey. Sie aber giengen gar hin / und klopfften an / der Alt-Vatter schauete durch das Fensterlein hinauß / und thäte seine vorige Mit-Brüder alsobald erkennen. Als er aber nachdem gewönlichen Gebett fragte: wo sie ihre Beltz gelassen hätten? und sie ihm antworteten / daß sie nicht weit von dannen / und daß der zänckische Bruder darbey wäre / da thät er allsobald / nachdem er nur seinen Nahmen / und sein Ankunfft vernommen hatte die verschlossne Thür seiner Cellen / mit der Art auffbrechen / ja er ist hinauß gangen / dem Bruder zugeloffen / und hat ihn von erst umb Verzeyhung gebetten / und umbfangen: hernach führte er sie sament lich in sein Cell hinein er thäte drey Tag lang mit ihnen essen und trincken / da er doch zuvor jederzeit im Brauch hatte zu fasten: nach dreyen Tagen aber machte er sich auff / und gienge wiederumb mit diesen Brüdern in sein vorige Cellen.

2

Quidam frater requisivit abbatem Eliam, dicens: Si contristavero aliquem, quemadmodum rogem? Respondit senex: Ex profundo cordis tui, cum dolore age pœnitentiam apud eum; et videns Deus propositum tuum, satisfaciet ei.

Ein Bruder fragte den Abt Eliam / und sprach: Wann ich meinen Nechsten beleidige / wie soll ich ihn umb Verzeyhung bitten? auß der Tieffe deines Hertzens / antwortet der Abt Elias / und mit Reumüthigkeit / bitt ihn umb Verzeyhung: und wann GOtt dein gutes Vorhaben sicht / so wird er deinem Nechsten sein Hertz erweichen.

Lateinischer Text: Verba seniorum, Buch VII der Vitae Patrum, aus dem Griechischen übersetzt von Paschasius von Dumio für Abt Martin (Martin von Braga), in der Ausgabe von H. Rosweyde, nachgedruckt in Mignes Patrologia Latina, Bd. 73 (Nachdruck 1879), Sp. 1025–1062, an den Scans überprüft; ohne die Anmerkungen und Verweise des Herausgebers und ohne den griechischen Text von Kapitel XLIV in den Anmerkungen. · Übersetzung von Matthäus Rottler, Pfarrer zu Hausen im Ehinger Kapitel, Vitae Patrum, oder Leben der Vätter, Augsburg und Dillingen, J. C. Bencard, 1735 (Erstausgabe 1691; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Randbemerkungen und Quellenangaben des Übersetzers sind nicht wiedergegeben. Eine Zufallsstichprobe von 10 % wurde Wort für Wort an den Scans geprüft (1,3 Fehler pro 1 000 Wörter vor der Korrektur; die gefundenen Fehler sind behoben). Druckfehler der Ausgabe sind beibehalten. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden