Worte der Väter (Verba seniorum, Buch VII)
Von den Anfechtungen der Dämonen
De impugnatione dæmonum.Das XXV. Capitel. Von dem Streit wider die leidige Teuffel.
Quidam frater requisivit a sene, dicens: Cur abba, a dæmonibus impugnamur? Respondit senex: Quoniam arma nostra abjecimus, id est, pœnitenliam, humilitatem, obedientiam, et penuriam.
Ein Bruder fragte einen Alt-Vatter / und sprach: Mein / warumb werden wir von Teufflen so starck bestritten? darumb / antwortete der Alt-Vatter: Dieweilen wir unser Wehr und Waffen / das ist die Bußfertigkeit / und Demuth / den Gehorsam / und die Liebe der Armuth / von uns hinweg werffen.
Frater quidam abbatem Sisoium requisivit, dicens: Putas, abba, sic modo persequitur nosdiabolus, sicut antiquos? Respondit: Magis modo homines nostræ ætatis persequitur, quia appropinquant genera pœnarum, ubi ille cum legionibus suis angustatur, dum scit stagnum, ubi in igne et sulphure arsurus erit: ideo hominibus infestatur. Nec tamen infirmos quosque dignatur appetere, quos, ubi voluerit, cito subvertit: sed fortes magis ac magnos supplantare per diversa præcipitia aggreditur.
Ein Bruder fragte den Abt Sisojum sprechend: Was meinst du / mein Vatter / thut uns der leidige Teuffel auch noch dergestalten bestreiten / maassen er unseren Vättern gethan hat? freylich / antwortete der selige Alt-Vatter: Ja er thut die jetzige Menschen noch mehrer verfolgen / als die vorige / dann je näher die Zeit herbey kommt / daß er mit seinem gantzen Anhang in den feurigen Schweffel-See / auff ewig solle verstossen werden / desto mehr setzt er uns Menschen zu. Jedoch thut er nicht die schwächere (die er kan stürtzen wann er will) sondern vielmehr die großmüthige und dapffere Männer / auff unterschiedliche Weiß und Manier / bestreiten und angreiffen.
Abbas Pimenius requisivit abbatem Abraham: Quemadmodum nos dæmones impugnant? Ait senex: Dæmones nobiscum non pugnant, quia voluntates eorum facimus; sed nostræ nobis voluntates dæmones facti sunt, et tribulant nos. Unde Apostolus: Caro concupiscit adversus spiritum, spiritus autem adversus carnem, ut non quæcunque vultis, illa faciatis. Num vis scire cum quibus dæmones pugnaverunt? cum abbate Moyse, et similibus ejus; nos autem voluntates cordis nostri impugnant.
Der Sel. Pimenius fragte den Abt Abraham: Mein wie bestreiten uns die Teuffel? und bekam zur Antwort: Die Teuffel streiten nicht wider uns / dann wir thun ja was sie wollen: aber unser böser Will und die Begierden / seynd die Teuffel welche uns plagen. Darumb sagt der Heil. Apostel Paulus: Das Fleisch gelüstet wider den Geist / den Geist aber gelüstet wider das Fleisch / daß ihr nicht alles thun könt / was ihr wollet. Wilst du aber wissen / wider welche die Teuffel gestritten haben? nehmlich wieder den Abt Moysen / und seines Gleichens: uns aber thun die böse Begierden unsers Hertzens bestreiten.
Quidam frater requisivit abbatem Achillem: Quemadmodum adversum nos possunt dæmones? Respondit senex: Per voluntates nostras. Et adjecit, dicens: Ligna Libani dixerunt: Quam grandia sumus et alta, et parvissimo ferramento incidimur. Nihil ergo ei demus ex nobis, et nos non poterit incidere. Venerunt ergo homines, et fecerunt in securi manubrium ex ipsis lignis, et ita inciderunt. Ligna ergo sunt animæ; securis, diabolus: manubrium, voluntas nostra est. Per malas ergo voluntates nostras incidimur.
Ein Bruder fragte den Abt Achillem / und sprach: Was machts / mein Vatter / daß die böse Geister soviel wider uns vermögen? das thut / antwortete der Alt-Vatter / unser böse Will verursachen. Und darauff gab er ihm diese Gleichnüß: Die Bäum auff dem Berg Libano redten auff ein Zeit mit einander / und sagten: wir seynd so groß und so hoch / und werden mit einem kleinen Stück Eysen umbgehauen / und nieder geworffen. Wir wollen aber eins thun / und wollen der Axt kein Holtz mehr hergeben / zu ihrer Hand-Hebe. Aber die Leuth kamen / und machten die Hand-Heben in ihre Axten / auß demselbigen Holtz / und fiengen an die Bäum niederzuhauen. Durch diese Bäum werden beditten unsere Seelen; der Teuffel ist die Axt; und unser böser Will die Hand-Hebe. Und mit Hülff eben dieser Hand-Hebe / werden wir von dem Teuffel nider geworffen / und in Sünd und Laster gestürtzet.
Lateinischer Text: Verba seniorum, Buch VII der Vitae Patrum, aus dem Griechischen übersetzt von Paschasius von Dumio für Abt Martin (Martin von Braga), in der Ausgabe von H. Rosweyde, nachgedruckt in Mignes Patrologia Latina, Bd. 73 (Nachdruck 1879), Sp. 1025–1062, an den Scans überprüft; ohne die Anmerkungen und Verweise des Herausgebers und ohne den griechischen Text von Kapitel XLIV in den Anmerkungen. · Übersetzung von Matthäus Rottler, Pfarrer zu Hausen im Ehinger Kapitel, Vitae Patrum, oder Leben der Vätter, Augsburg und Dillingen, J. C. Bencard, 1735 (Erstausgabe 1691; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Randbemerkungen und Quellenangaben des Übersetzers sind nicht wiedergegeben. Eine Zufallsstichprobe von 10 % wurde Wort für Wort an den Scans geprüft (1,3 Fehler pro 1 000 Wörter vor der Korrektur; die gefundenen Fehler sind behoben). Druckfehler der Ausgabe sind beibehalten. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden