Abbatia
Sancti Petri
de Curte

Worte der Väter (Verba seniorum, Buch VII)

Woher die Laster entspringen

Unde vitia oriuntur.Das XL. Capitel. Woher die Laster ihren Ursprung haben.

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Sanctum Antonium requisivit frater: Quomodo Deus repromittit bona animæ per assiduitatem Scripturarum, et non vult anima in bonis permanere, sed declinat ad transitoria, caduca, et immunda? Respondit: Ad hoc jungitur quod Psalmista ait: Iniquitatem si conspexi in corde meo, non exaudiet Deus. Ignoras quod cum venter plenus fuerit esca, statim ebulliunt magna vitia, quæ Salvator noster per Evangelium prædixit: Non coinquinat, quod in os intrat, animam hominis; sed de corde exeunt, quæ in interitum demergunt hominem. Vide quid dixerit primum: Cogitationes malæ, homicidia, adulteria, fornicationes, furta, falsa testimonia, et blasphemiæ. Quia qui necdum gustavit dulcedinem cœlestium, ut ex toto corde exquirat Deum, ideo ad immunda revertitur. Quis poterit recte dicere? Ut jumentum factus sum apud te, et ego semper tecum.

Den H. Antonium fragte ein Bruder: Wie kommt es / daß GOtt der Allmächtige in der H. Schrifft / seine Güter so vielfältig unserer Seel verspricht / und daß sie sich dannoch auff die schnöde und zergängliche Güter thut wenden? Demselbigen aber antwortete der Heil. Antonius also: Auff diese Frag füget sich / was der Psalmist sagt: Wann ich Ungerechtigkeit in meinem Hertzen sihe / so wird mich der HErr nit erhören. Weist du dann nit / daß auß dem vollen Bauch allerhand Laster entspringen? welche doch unser Heyland vorgesagt hat / sprechend: Was zu dem Mund eingehet / das verunreiniget den Menschen nit: Sondern aus dem Hertzen kommt dasjenige / was den Menschen ins Verderben stürtzet. Höre / was er für Laster allda meldet: Aus dem Hertzen / sagt er / kommen böse Gedancken / Todtschlag / Ehebruch / Unzucht / Dieberey / falsche Zeugnüssen / und Gottslästerungen. Und zu dergleichen Unreinigkeiten thut sich derjenige wenden / welcher die himmlische Süssigkeiten noch nit versucht hat / und GOtt den Allmächtigen nit aus gantzem Hertzen suchet. Und wer wird in der Warheit sagen können? Ich bin bey dir worden wie ein unvernünfftiges Thier: Und ich bleibe immerdar bey dir.

Lateinischer Text: Verba seniorum, Buch VII der Vitae Patrum, aus dem Griechischen übersetzt von Paschasius von Dumio für Abt Martin (Martin von Braga), in der Ausgabe von H. Rosweyde, nachgedruckt in Mignes Patrologia Latina, Bd. 73 (Nachdruck 1879), Sp. 1025–1062, an den Scans überprüft; ohne die Anmerkungen und Verweise des Herausgebers und ohne den griechischen Text von Kapitel XLIV in den Anmerkungen. · Übersetzung von Matthäus Rottler, Pfarrer zu Hausen im Ehinger Kapitel, Vitae Patrum, oder Leben der Vätter, Augsburg und Dillingen, J. C. Bencard, 1735 (Erstausgabe 1691; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Randbemerkungen und Quellenangaben des Übersetzers sind nicht wiedergegeben. Eine Zufallsstichprobe von 10 % wurde Wort für Wort an den Scans geprüft (1,3 Fehler pro 1 000 Wörter vor der Korrektur; die gefundenen Fehler sind behoben). Druckfehler der Ausgabe sind beibehalten. Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden