Abbatia
Sancti Petri
de Curte

Worte der Väter (Verba seniorum, Buch V)

Dass man niemanden richten soll

De eo quod non oporteat judicare quemquam.Man soll Niemanden richten.

1

Contigit aliquando fratri in congregatione abbatis Eliæ tentatio, et expulsus inde, abiit in montem ad abbatem Antonium. Et cum mansisset aliquanto tempore apud eum, remisit eum ad congregationem unde exierat. Illi autem videntes eum, iterum expulerunt; qui similiter perrexit ad abbatem Antonium, dicens: Noluerunt me suscipere, Pater. Misit ergo senex ad eos, dicens: Navis naufragium tulit in pelago, et perdidit onus quod portabat, et cum labore vacua navis perducta est ad terram. Vos ergo liberatam navim in terram vultis submergere? Illi autem cognoscentes, quia eum abbas Antonius remisisset, statim susceperunt eum.

In der Versammlung des Abtes Elias befiel einstmals einen Bruder eine Versuchung, der er unterlag. Als er deßhalb vertrieben wurde, begab er sich zum Abte Antonius auf den Berg. Hier hielt er sich nur einige Zeit auf; denn Antonius schickte ihn wieder in die Versammlung zurück, aus der er fortgehen mußte. Als jene Mönche ihn wieder erblickten, vertrieben sie ihn zum wiederholten Male. Er ging wieder geraden Weges zum Abte Antonius, und sagte: Vater! sie wollen mich nicht mehr aufnehmen. Der Altvater schickte daher zu ihnen hin, und ließ ihnen sagen: Ein Schiff hat im Meere Schiffbruch gelitten, und die Ladung verloren, die es trug; nur mit Mühe ward das leere Schiff an das Land gebracht. Wollt ihr also das gerettete Schiff auf dem Lande versenken? Als nun die Brüder hörten, daß ihnen Antonius diesen wieder zugesendet, nahmen sie ihn alsogleich wieder auf.

2

Quidam frater peccaverat, et jussit eum presbyter exire de ecclesia. Surrexit autem Besarion, et exivit cum eo, dicens: Et ego peccator sum.

Ein Bruder, der sich verfehlt hatte, erhielt von einem Priester den Befehl, sich aus der Kirche zu begeben. Es stund aber Besarion auf und ging mit ihm hinaus und sagte: Ich bin auch ein Sünder.

3

Venit abbas Isaac de Thebaida in congregationem fratrum, et vidit quemdam de fratribus culpabilem, et adjudicavit eum. Cum autem exisset ad eremum, venit angelus Domini, et stetit ante ostium cellæ ejus, dicens: Non te dimitto intrare. Ille autem rogabat, dicens: Quæ est causa? Et respondens angelus Domini, ei dixit: Deus me misit ut dicerem tibi: Ubi jubes ut mittam illum fratrem culpabilem, quem addixisti? Et statim abbas Isaac pœnitentiam egit, dicens: Peccavi, ignosce mihi. Et dixit angelus: Surge, ignoscit tibi Deus; sed custodi de cætero ne adjudices quemquam, priusquam Deus adjudicet eum.

Der Abt Isaac kam einstens aus der Thebaide in eine Versammlung der Brüder, traf dort einen schuldigen Bruder und verurtheilte ihn. Als er wieder in die Wüste zurückgekehrt, erschien der Engel des Herrn, stund vor der Thüre seiner Zelle und sprach: Ich lasse dich da nicht hinein gehen. Er aber bat ihn und sprach: Aus welcher Ursache? Der Engel des Herrn antwortete: Gott hat mich gesendet, dir zu sagen: Wo soll ich jetzt jenen schuldigen Bruder hinthun, den du verurtheilt hast? Der Abt Isaac bereute sogleich seinen Fehler und sagte: Verzeihe mir, ich habe gesündiget. Der Engel des Herrn aber sagte: Stehe auf, Gott verzeiht dir wieder, allein hüte dich, in Zukunft Jemanden zu verurtheilen, ehe Gott ihn gerichtet hat.

4

Frater aliquando in Scythi inventus est culpabilis, et fecerunt seniores conventum, et miserunt ad abbatem Moysem, dicentes ut veniret; ille autem venire noluit. Misit autem ad eum presbyter, dicens: Veni, quia plebs fratrum te exspectat. Et ille surgens venit. Tollens autem secum sportam vetustissimam, implevit eam arena, et post se portavit. Illi vero exierunt ei obviam, dicentes: Quid hoc est, Pater? Dixit autem eis senex: Peccata mea sunt post me currentia, et non video ea, et veni ego hodie judicare aliena peccata? Illi autem audientes, nihil locuti sunt fratri, sed ignoverunt ei.

Einstens fand man in der Wüste Scythi einen strafbaren Bruder. Die Altväter hielten demnach eine Versammlung, schickten zum Abte Moses, und ließen ihm sagen, daß er kommen möge; er aber wollte nicht erscheinen. Der Priester schickte abermals zu ihm, und ließ ihm sagen: Die versammelten Brüder warten auf dich. Er machte sich demnach auf, und ging in die Versammlung. Mittlerweile nahm er einen sehr alten Korb, füllte ihn mit Sand und trug ihn auf dem Rücken. Die Brüder gingen ihm entgegen, und sagten: Vater! was bedeutet dieses? Der Altvater erwiederte ihnen: Das sind meine Sünden, die mir von Hinten nachlaufen; ich sehe sie nicht, wie sollte ich heute es wagen, fremde Sünden zu richten? Als sie dieses hörten, sagten sie kein Wort mehr zum schuldigen Bruder, und verziehen ihm.

5

Interrogavit abbas Joseph abbatem Pastorem, dicens: Dic quomodo monachus fiam. Et dixit ei senex: Si vis requiem invenire et in hoc et in futuro sæculo, in omni causa dic: Quis sum ego? et ne judices quemquam.

Der Abt Joseph fragte den Abt Pastor und sprach: Sag mir, wie kann ich ein rechter Mönch werden? Der Altvater erwiederte ihm: Wenn du Ruhe finden willst sowohl in diesem als im künftigen Leben, so sage bei jeder Sache: Wer bin ich? damit du Niemanden richtest.

6

Frater quidam interrogavit eum iterum, dicens: Si videro culpam fratris mei, bonum est celare eam? Dixit ei senex: Quacunque hora tegimus peccatum fratris nostri, teget etiam Deus nostrum; et quacunque hora prodiderimus culpas fratrum, et Deus nostras similiter prodet.

Ein Bruder fragte wieder denselben Altvater und sprach: Wenn ich an meinem Bruder einen Fehler bemerke, ist es gut, ihn zu verheimlichen? Der Altvater erwiederte ihm: So oft wir immer an unserem Bruder eine Sünde bedecken, so wird auch Gott unsere Sünden bedecken; wenn wir aber die Fehler der Mitbrüder verrathen, so wird auch Gott die unsrigen aufdecken.

7

Offendit aliquando frater in congregatione. Erat autem in ipsius locis quidam solitarius, qui jam longo tempore foris non exibat. Veniens autem abbas de congregatione illa ad eum, indicavit de fratre illo qui offenderat. Et ille dixit: Expellite eum. Expulsus autem frater de congregatione, misit se in fossatum, et flebat ibi: contigit autem ut alii fratres euntes ad abbatem Pastorem audirent eum in fossatu plorantem: qui descendentes ad eum invenerunt eum in magno dolore constitutum, et rogaverunt eum ut iret ad senem illum solitarium; et non acquievit, dicens: In hoc loco moriar ego. Venientes autem fratres ad abbatem Pastorem, narraverunt ei de eo. Et rogavit eos ut irent ad eum, dicentes: Abbas Pastor vocat te ad se. Quod cum ei dixissent, perrexit ad eum. Et videns eum senex afflictum, surrexit et osculatus est eum, et adgaudens ei rogabat ut sumeret cibum. Misit autem abbas Pastor unum de fratribus suis ad illum solitarium, dicens: Audiens de te, multi anni sunt quod te videre volui, et pro pigritia nostra amborum non potuimus nos invicem videre: modo autem, Deo volente et occasione facta, fatiga te usque huc, ut nos videre possimus; erat enim non egrediens de cella sua. Quod cum audisset, dicebat: Nisi Deus inspirasset seni illi de me, non misisset ad me. Et surgens venit ad eum. Et salutantes se invicem cum gaudio sederunt. Dixit autem ei abbas Pastor: Duo homines erant in loco uno, et ambo habebant mortuos suos. Reliquit autem unus mortuum suum, et abiit plorare illius alterius. Audiens autem hæc senex, compunctus est in sermone ejus, et recordatus est quod fecerat, et dixit: Pastor sursum in cœlo, ego autem deorsum in terra.

In einer geistlichen Versammlung beging ein Bruder einmal einen Fehler. Es war aber in derselben Gegend ein Einsiedler, der seit langer Zeit nicht mehr aus seiner Zelle gekommen war. Zu diesem ging nun der Abt jener Versammlung hin, um ihm den sündigen Bruder anzuzeigen. Der Einsiedler erwiederte: Jagt ihn fort. Aus der Versammlung verstoßen, begab sich der sündhafte Bruder in eine Grube, und weinte dort. Es traf sich aber, daß andere Brüder, die zum Abte Pastor reisten, ihn in der Grube weinen hörten. Sie stiegen daher zu ihm hinab, trafen ihn in großen Schmerzen, und baten ihn, zu einem Einsiedler zu gehen; allein dieses wollte er nicht thun, sondern sprach: Ich will hier an diesem Orte sterben. Als die Brüder zum Abte Pastor gekommen waren, erzählten sie ihm davon. Er aber bat sie, wieder zu ihm hinzugehen, und ihm zu sagen: Der Abt Pastor ruft dich zu sich. Als sie ihm dieses hinterbracht hatten, ging er zu ihm. Kaum hatte der Abt diesen betrübten Bruder gesehen, als er aufstund, ihn küßte und freundlich zu ihm sprach: Speise zu sich zu nehmen. Der Abt Pastor schickte einen von seinen Brüdern zu jenem Einsiedler, und ließ ihm sagen: Es sind bereits viele Jahre, daß ich von dir höre, und dich zu sehen verlange: allein aus unserer Saumseligkeit geschah es, daß wir uns einander nicht sehen konnten. Jetzt aber, da Gott es will, und die Gelegenheit sich dargeboten, bemühe dich zu mir hieher, damit wir uns einander sehen können; denn der Einsiedler ging nie aus seiner Zelle. Da der Bruder dieses gehört hatte, sprach er: Wenn Gott es jenem Altvater von mir nicht eingegeben hätte, so würde er zu mir nicht geschickt haben. Er machte sich demnach auf, und ging zu ihm. Bei ihrer Zusammenkunft grüßten sie sich voll Freude einander, und setzten sich nieder. Der Abt Pastor sprach aber so zu ihm: Es waren zwei Menschen an einem Orte; Jeder von Beiden hatte einen Todten; es verließ aber ein Jeder seinen Todten, und ging hin, den Todten des Andern zu beweinen. Als der Einsiedler dieses vernommen hatte, ward er sehr gerührt über diese Rede, erinnerte sich dessen, was er gethan hatte, und sprach: Der Abt Pastor ist oben im Himmel, ich aber bin unten auf der Erde.

8

Frater quidam interrogavit abbatem Pastorem, dicens: Quid facio, quia pusillanimis fio dum sedeo? Dixit ei senex: Nullum spernas neque condemnes, et nulli obloquaris, et Deus præstabit tibi requiem, et erit sessio tua sine perturbatione.

Ein Bruder fragte den Abt Pastor und sprach: Was soll ich thun, ich werde so kleinmüthig in meiner einsamen Zelle? Der Altvater erwiederte ihm: Verachte Niemanden; verdamme Niemanden; noch rede Jemanden Uebels nach; so wird dir Gott Ruhe geben, und dein Leben in der Zelle wird ohne Verwirrung seyn.

9

Factus est aliquando conventus in Scythi, et loquebantur Patres de quodam fratre culpabili. Abbas autem Pior tacebat: postea autem surgens egressus est, et tollens saccum, implevit eum arena, et portabat eum in humeris suis; et mittens in sportella modica de eadem arena, portabat etiam ipsam in ante. Interrogatus autem a Patribus quid hoc esset? Ille respondit: Saccus iste qui multum habet arenæ, mea peccata sunt; et quoniam multa sunt, posui ea supra dorsum, ne doleam pro ipsis et plorem; ista autem arena modica peccata sunt istius fratris, et sunt ante faciem meam, et in ipsis exerceor judicans fratrem; quod non oportet ita fieri, sed mea magis peccata ante me esse, et de ipsis cogitare, et rogare Deum ut ignoscat mihi. Audientes autem Patres, dixerunt: Vere hæc est via salutis.

Einstens wurde in der Wüste Scythi eine Versammlung gehalten, in der die Väter von einem sündigen Bruder handelten. Der Abt Pior aber schwieg; er machte sich aber nachhin auf, ging hinaus, nahm einen Sack, füllte ihn mit Sand an, und trug ihn auf der Schulter. Er füllte auch ein kleines Körbchen mit Sand an und trug es vor sich her. Als die Väter ihn fragten, was dieses bedeuten sollte, gab er ihnen zur Antwort: Jener Sack, der viel Sand enthält, bedeutet meine Sünden; weil sie sehr viele sind, that ich sie auf den Rücken, um darüber weder Buße zu thun, noch sie zu beweinen; der wenige Sand aber, den ich vor mir hertrage, bedeutet die Sünden dieses Bruders, den ihr verurtheilt habt; sie sind vor meinen Augen, und ich bin immer mit ihnen beschäftiget, wenn ich den Bruder richte. So soll es aber nicht seyn, sondern ich sollte vielmehr meine Sünden vor mir haben, und an sie denken, und Gott bitten, daß er mir verzeihe. Als die Brüder dieses gehört hatten, sprachen sie: Dieses ist wahrhaft der Weg des Heiles.

10

Dixit senex: Non judices fornicatorem, si castus es; quoniam similiter legem prævaricaris. Etenim qui dixit: Non forniceris, dixit: Ne judices.

Ein Altvater pflegte zu sagen: Wenn du keusch bist, so richte den Unkeuschen nicht, weil du sonst eben so das Gesetz übertrittst; denn, der gesagt hat, du sollst nicht Unkeuschheit treiben, hat auch gesagt, du sollst nicht richten.

11

Ad quemdam solitarium venit presbyter cujusdam basilicæ, ut consecraret ei oblationem ad communicandum. Veniens autem quidam ad illum solitarium, accusavit apud ipsum eumdem presbyterum. Qui cum ex consuetudine iterum venisset ad eum, ut consecraret oblationem, scandalizatus ille solitarius non aperuit ei. Presbyter autem hoc viso discessit. Et ecce vox facta est ad solitarium, dicens: Tulerunt sibi homines judicium meum. Et factus est velut in excessu mentis, et videbat quasi puteum aureum, et situlam auream, et funem aureum, et aquam bonam valde. Videbat autem et quemdam leprosum haurientem et refundentem in vase, et cupiebat bibere, et non poterat propter quod leprosus esset ille qui hauriebat. Et ecce iterum vox ad eum, dicens: Cur non bibis ex aqua hac? quam causam habet qui implet? implet enim solummodo et effundit in vase. In se autem reversus solitarius, et considerans virtutem visionis, vocavit presbyterum, et fecit eum sicut et prius sanctificare sibi oblationem.

Zu einem Einsiedler kam der Priester einer Kirche, um bei ihm das heil. Meßopfer zu verrichten, und die heil. Kommunion zu ertheilen. Es ging aber Jemand zu diesem Einsiedler und verklagte den Priester bei demselben. Als der Priester der Gewohnheit nach wieder zu dem Einsiedler gekommen, die heil. Messe zu lesen, wollte ihm dieser nicht aufmachen, weil er sich an ihm geärgert hatte. Der Priester ging dieses bemerkend unverrichteter Sache davon. Sieh! da erscholl eine Stimme an den Einsiedler die sprach: Die Menschen haben mir mein Gericht genommen. Hierauf ward der Einsiedler entzückt, und sah in der Entzückung einen goldenen Brunnen, einen goldenen Eimer, eine goldene Säule, und ein sehr gutes Wasser. Er sah aber auch einen aussätzigen Menschen, der Wasser schöpfte, und in ein Gefäß goß; er wollte trinken, konnte aber darum nicht, weil der, der das Wasser schöpfte, einen Aussatz hatte. Sieh da, es erscholl die Stimme wiederholt, und sprach: Warum trinkest du von diesem Wasser nicht? Was geht dieser Aussätzige das Wasser an, er schöpft es ja nur, und gießt es in das Gefäß. Hierauf ging der Einsiedler in sich, und erwog den Inhalt und die Bedeutung dieses Gesichtes; er berief demnach den Priester wieder, und ließ ihn wie zuvor das Opfer entrichten.

12

Fuerunt duo fratres magnæ vitæ in congregatione, et meruerunt videre singuli gratiam Dei in alterutrum. Factum est autem aliquando ut unus ex eis egrederetur in sexta feria extra congregationem, et videret quemdam mane comedentem. Dixit autem ei: Hac hora manducas in sexta feria? Die autem sequenti facta est celebratio missarum secundum consuetudinem. Intuens vero frater ejus, vidit gratiam quæ ei data fuerat discessisse ab eo, et contristatus est. Qui cum venisset in cellam, dicit ei: Quid fecisti, frater, quia non vidi, sicut pridem, gratiam Dei in te? Ille autem respondens dixit: Ego neque in actu, neque in cogitationibus conscius mihi sum alicujus mali. Dicit ei frater ejus: Nec sermonem odiosum aliquem locutus es? Et recordatus dixit: Etiam. Hesterna die vidi quemdam comedentem mane, et dixi ei: Hac hora manducas in sexta feria? Hoc est peccatum meum; sed labora mecum duas hebdomadas, et rogemus Deum ut mihi indulgeat. Fecerunt ita; et post duas hebdomadas vidit frater gratiam Dei iterum venientem super fratrem suum, et consolati sunt, Deo, qui solus bonus est, gratias referentes.

In einer Versammlung lebten zwei Brüder von großer Heiligkeit. Sie hatten die hohe Gnade, daß Jeder an dem Andern die Gnade Gottes sah. Einst geschah es, daß Einer von ihnen aus der Versammlung an einem Freitage ging, und Jemanden sah, der in der Frühe aß. Er sagte zu ihm: Wie? schon um diese Stunde issest du, und noch dazu am Freitag? Am folgenden Tage wurde das Opfer der heiligen Messe entrichtet. Als ihn sein Bruder anschaute, sah er, daß die Gnade Gottes, die ihm gegeben worden, von ihm gewichen, und er war deßhalb sehr betrübt. Als er in seine Zelle gekommen, sagte er zu ihm: Bruder! was hast du gethan? Ich sah die Gnade nicht mehr, wie früher in dir. Jener aber antwortete und sprach: Ich bin mir keiner Sünde bewußt, weder in Gedanken, noch in der That. Der Bruder entgegnete ihm: Hast du auch nichts Gehässiges geredet? Er erinnerte sich, und sprach: Ja, gestern sah ich Jemanden in der Frühe essen, und ich sagte zu ihm: Schon um diese Stunde, und noch dazu am Freitag issest du? Das ist meine Sünde; allein thue Buße mit mir zwei Wochen, wir wollen Gott bitten, daß er mir verzeihe. Und sie machten es so, und nach Verlauf dieser Zeit sah der Bruder wieder die Gnade Gottes über seinen Bruder kommen, und dankte Gott, der allein gut ist.

Lateinischer Text: Verba seniorum, Buch V der Vitae Patrum, aus dem Griechischen übersetzt von Pelagius, Diakon der römischen Kirche, in der Ausgabe von H. Rosweyde, nachgedruckt in Mignes Patrologia Latina, Bd. 73 (Nachdruck 1879), Sp. 855–988, an den Scans überprüft; ohne die Anmerkungen und Verweise des Herausgebers. · Übersetzung von Franz Sales Handwercher († 1853), Leben und Thaten der heiligen Altväter in der ägiptischen Wüste, Bd. 3–5, Regensburg, Manz, 1841–1843 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Überschriften, Vorreden und Anmerkungen des Übersetzers sind nicht wiedergegeben. Eine Zufallsstichprobe von 10 % der Sprüche wurde Wort für Wort an den Scans geprüft (5,4 Fehler pro 1 000 Wörter vor der Korrektur; die gefundenen Fehler sind behoben). Danach wurden die Büchlein 11–18 vollständig Wort für Wort an den Scans korrigiert, die Büchlein 1–10 nach einer gezielten Fehlersuche; eine neue Zufallsstichprobe von 30 Sprüchen aus den Büchlein 11–18 ergab 0,6 Fehler pro 1 000 Wörter (behoben). Gemeinfreier Text in Frankreich (Art. L123-1 des französischen Gesetzbuchs über geistiges Eigentum). Abschrift und Durchsicht: Abbatia Sancti Petri de Curte. Fehler melden